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Handwerk & GewerbeRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Schoenobates, Wurden bey den Griechen die Seil-Täntzer genemnet. Bey den Alten waren viererley Gattungen von Seil-Täntzern. Die erste waren diejenigen, welche sich um ein Seil herum zu schwingen, und an dasselbe mit den Füssen und dem Halse aufzuhencken pflegten. Die andere Gattung waren die, welche sich mit ihrem Bauche gantz platt auf ein Seil zu legen pflegten, und also mit ausgebreiteten Armen von einer Höhe auf die Erde herunter fuhren. Die dritte Gattung von Seiltäntzern war diejenige, welche auf einem in einer geraden Linie ausgestreckten Seile giengen, oder sich auf einem herab ausgedehnten Seil herunter liessen. Die letzte Gattung war, welche nicht allein auf einem Seil giengen, sondern auch darauf tantzten und sprungen. Die Kunst der Seiltäntzer ist sehr alt, wie denn Terentius in seiner Comödie, welche Hecyra genannt wird, derselben gedencket. Suetonius berichtet, daß man zur Zeit des Kaysers Galba Elephanten auf Seilen tantzen sehen, und daß ein Röm. Ritter in Neronis Gegenwart auf einem Elephanten gesessen, der auf einem Seile gegangen. Ja weil noch dazu die Seile von Saiten gemacht, und also fast durchsichtig waren, schiene es denen, so das Ding von weiten ansahen, als giengen diese ungeheure Thiere gar in der Luft. Diese Art auf Seilen zu tantzen, ist bald nach Einführung der Comödien dem Baccho zu Ehren etwa um das 345 Jahr vor Christi Geburt erfunden worden. Man hat aber diese Gauckeley nicht mit zu den öffentl. Schauspielen zu rechnen pflegen, noch als etwas zum Theatro gehöriges angesehen, sondern solche nur zuweilen bey öffentlichen Spectackeln zu Interludiis oder Zwischen-Spielen gebraucht. V. Lipsius in Epist. de Eleph. Bulengerus de Theatro. Spon. d’ antiqu.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 2077–2078Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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