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Handwerk & GewerbeRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Ballets, Haben ihren Nahmen von dem griechischen Worte βάλλειν, weil ein wohlgeübter Ballet-Täntzer seine Füsse und gantzen Leib dermassen nette, leicht und geschwinde zu zwingen weiß, daß er gleichsam einem geworfenen Balle ähnlich wird, und sind sonderbare, figürliche, künstlich componirte Täntze, deren hatten die Alten viererley, als 1) Tragiques, diese waren ernsthafftig, 2) Comiques, diese waren lustig, 3) Satyriques, die waren zuweilen allzufrey, und sind diejenigen, darwider die klugen Heyden allezeit geredet, die andern hingegen in keine Wege verworfen haben, 4) Thymeliques, diese waren allegorisch. Nach diesen giebt es auch 5) Idilles, diese sind ingenieuse Vorstellungen moralischer u. natürlicher Dinge, welchen man lebendige Formen zu bewegen zueignet. Nach diesen hat es auch, 1) Ballets Ambulatoires, dergleichen bey Proceßionen in Spanien oder auch in den Aufzügen gebräuchlich. 2) Ballets, Präsenten zu uberreichen; diese stammen von den Römern her, welche ihren Generalen und Soldaten in ihren öffentlichen Schauspielen Präsenten ausgetheilet, und ist auch noch bey den Tourniren und Carrousels gebräuchlich, daß man die Preise auf denen darauf folgenden Bals unter währendem Tantzen austheilet. 3) Zapates, sind diese Ballets, welche sich unverhofft präsentiren, und meist auch Geschencke dabey überreichet werden. 4) Roß-Ballets, diese sind Militairs, und zeigen, wie weit ein Cavalier ein so nobles Thier, als ein Pferd ist, dreßiren kan, und Gelegenheit hat, seine Geschicklichkeit zu weisen, ein solches Thier auch ad nutum (auf den Winck) in mensura und tempo einer Melodie zu regieren. Diese Ballets haben auch die gehörigen 6 Stücke, nur daß man sich in den Expreßionen, welche durch Bewegen geschehen, nach dem Vermögen der Thiere richten muß. Endlich giebt es auch noch andere Arten, welche man Ballets d’ Attache nennet, d. i. welche nicht für sich selbst, sondern mit andern Repräsentationen verknüpft sind, als 1) bey der Tragödie, 2) bey der Comödie, 3) bey der Opera, 4) bey den Carrousels, 5) bey den Masqveraden, 6) bey den Königs-Spielen, 7) bey den Wirthschafften, 8) bey den Redouten. Worbey absonderlich die vielerley Arten der Völcker in ihren Tantzen, in Consideration kommen. Auch sind die letzten 4 Arten, als Essentiale Metaphoren, wenn sie wohl ordiniret sind, gar sinnreiche Dinge.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 112–113Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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