Wasser Sucht, Hydropisie, Jst eine Pferde-Kranckheit, so in Aufschwellung des gantzen Leibes bestehet, und von der Sammlung vielen Wassers oder Windes herkommt. Dieselbe ist zweyerley. Die erste Gattung, Anasarca genannt, breitet sich mit einer weichen und schlaffen Geschwulst über den gantzen Leib aus, darinne der Eindruck der Finger lange nachbleibt und zu sehen ist. Die damit behafteten Pferde steuren sich nicht auf dem Bauch, sondern strecken und legen sich auf eine Seite, und lassen, indem sie sich kratzen oder reiben, die Haare sehr ausfallen. Denenselben soll man für allen Dingen den Leib sowol im Zirchen als Stallen offen halten, und dahero folgendes Clystier setzen: Nimm Eppich, Petersilien-Kraut, iedes drey Hände voll, wilden Steinklee eine Hand voll, Anis, Fenchel iedes ein Loth, Lerchen-Schwamm ein halb Loth, koche dieses alles zusammen in einer Schöpsen- oder Schweins-Brühe, nimm sodenn der abgesiegenen Brühe drey Nössel, eine Hand voll Saltz, drey Eyer-Dottern und ein Qvintlein Coloqvinten-Marck, rühre es unter einander, und laß es dem Pferd laulicht appliciren; hernach nimm Siebengezeit eine Hand voll, Lerchen-Schwamm ein Loth, Hollunder-Wurtzel drey Loth, Jalappa ein Loth, und Wein zwey Maaß, siede es wohl, und gieß dem Pferde etliche Tage nach einander ein halb Maaß davon auf einmal ein. Den Harn zu befördern: Nimm Eppich, Fenchel, Wegwart, Spargelwurtz, Kleewurtzel, iedes eine Hand voll, gedörrt und zu Pulver gestossen, davon täglich drey Löffel voll mit einem halben Maaß Wein vermischt auf einmal eingegossen. Wenn aber alles nicht helffen will, so muß man den Schnitt vornehmen, und die Haut eröffnen, man leget nemlich das Pferd auf den Rücken, und verwahret es wohl mit Binden, fasset sodenn die Haut zween qver Finger weit unter dem Nabel gegen dem Geschröte zu mitten auf dem Bauch mit der lincken Hand, und öffnet solche bis auf die inwendige feste und starcke Haut des Unter-Bauchs, hernach öffnet man dieselbe auch bis auf das Gedärme hinein, aber so behutsam, als es seyn seyn kan, schiebet ein Röhrlein von Kupffer oder Meßing in die Wunde, und hilft dem Wasser fein allmählich heraus, doch täglich nicht mehr als ein Pfund, denn wenn man viel Wasser auf einmal heraus lassen wolte, würde das Roß ohnfehlbar des Todes. So oft das Röhrlein wieder heraus gezogen wird, so drehet man eine Wicke oder Meisel in die Wunde, damit sie vor der Zeit nicht zuheile; wenn aber alles Wasser heraus ist, so heilet man sie zu, wie andere Wunden; nach beschehener Abzapffung des Wassers soll die Leber mit stopffenden Gewürtzen, als Calmus, gelben Sandel, Nägelein, Muscat-Nüssen und dergleichen wieder gestärcket werden.
Die andere Gattung der Wasser-Sucht, Ascites genannt, entstehet von Härtigkeit der Leber und des Miltzes, auch von Verstopfung der Gall-Rinnen, und der Blut-Adern des Gekröses, wodurch der Magen erkältet, und die Leber geschwächet wird. Der Unter-Bauch ist einem solchen Pferde im Anfange sehr dick und hart, ingleichen die Hinter-Schenckel, samt dem gantzen Geschröte starck geschwollen, hingegen der Uiberrest des Leibes trocken und dürre; ein solch Pferd kan nicht wohl athemen, noch vor sich gehen, sondern streckt, wenn es still stehet, die vorderen Schenckel gewaltig vor sich weg, ingleichen auch die hintern Schenckel gegen den Schweiff hinaus, und mag weder fressen noch sauffen, zirchet und stallet wenig und schwerlich, zittert mit den Füssen, und bekommt letztlich ein Fieber, welches das ohnfehlbare Zeichen des Todes ist. Bey der Cur dieser Wasser-Sucht ist erstlich obbesagtes Clystier zu brauchen, damit dem Roß der Leib offen gehalten werde, hernach soll man ihm zum öftern warme Säcklein mit Aschen über den Bauch und Geschwulst binden, und folgenden Einguß geben: Nimm Violen-Kraut, Erdrauch, Frauen-Haar, iedes zwey Hände voll, siede es wohl in Wasser, nimm der abgesiegenen Brühe ein Maaß, Hieræ picræ zwey Loth, Lerchen-Schwamm ein Loth, mische es unter einander, und gieß es einmal warm ein; oder, mische Antimonium diaphoreticum ein Qvint, Safran eine Qvint, warmen Wein ein Maaß unter einander, und gieß es dem Roß auf einmal ein. Man kan auch im Fall der Noth, das Wasser, wie bey der vorigen Art gedacht worden, abzapffen. Der Stall, darinne Wasser-süchtige Pferde stehen, soll mittelmäßig warm, trocken und von allen Winden befreyet, auch immerzu mit einer guten Streue versehen seyn. Das Futter soll bestehen in rothen Kichern, Gerste, Feig-Bohnen in Wasser eingeweicht, oder Weitzen-Kleyen, Haber-Schrot, worunter von nachfolgendem Pulver täglich drey Löffel voll sollen gemischt seyn. Nimm die Blätter von wilden Cucumern, Rettigwurtzel, iedes zehen Loth, Coloqvinten zwey Loth, Lerchen-Schwamm u. Weiden-Schwamm iedes vier Loth, unter einander gemischt, und zu einem Pulver gemacht. An stat des Heues soll man ihm Weiden-Laub, Kohl-Blätter, Rettig, Laub von Ulmen-Bäumen vorlegen, oder das Heu mit Salpeter bestreuen. Der Tranck soll seyn gesottenes mit Salpeter und Weinstein vermischtes Gerstenwasser. Jtem Wasser, worinnen Kümmel, Fenchel-Saamen, Fœnum græcum. Wachholder-Beer, Hollunder-Rinden, Soldanella, Meisterwurtz, Tamarisken-Schalen, gesotten, und ein wenig Roggen-Mehl darein gerühret worden. Von diesem soll man dem Roß laulicht, aber wenig zu sauffen geben, nur damit es leben könne. Man kan ihm auch unter das Sauffen etwas Lauge von Reben-Aschen, Wacholder-Asche, oder Bohnen-Stroh-Asche giessen. Endlich soll man das Pferd alle Tage an der Sonnen, oder einem bergigen Orte, iedoch mit Decken wohl zugedeckt, bewegen lassen, und hernach den Schweiß mit warmen Tüchern, fein gegen die Haare, wohl abreiben und abwischen.