FeedZerwircken, Zerlegen
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Zerwircken, Zerlegen, Heißt einem Hirsche oder Rehe die Haut abziehen, und das Wildpret in Stücke zertheilen. Bey dem Zerwircken eines Hirsches nun wird zuvörderst das Gehörn ausgeschlagen, hernach bey dem rechten Vorderlauff angefangen, die Haut bis auf den Brust-Kern aufzuschärffen, sodenn solche allgemach abzustossen, und fähret man mit den übrigen Läufften also fort, nur daß die Blume am Zemmel, und die Haut am Kopffe bis an die Augen und Ohren gelassen wird. Hiernechst zerschläget der Jäger solches Wildpret folgendermassen: Er schneidet, wenn die beyden Bügen abgelöset sind, von denen Keulen an das dünne Wildpret bis an die Ribben entzwey, greiffet hernachmals inwendig mit der Hand hinein, und zehlet die dem Jäger zu seinem Jäger-Recht nach dem Halse zugeordnete drey Ribben ab, sticht so dann mit dem Messer von aussen durch, schneidet solche hinunter bis zum Rückgrat, und hinauf zum Brust-Kerne, zu beyden Seiten ab, schläget hernach mit dem Weide-Messer erstlich den Brust-Kern, und denn den Rückgrat durch, und leget also den Hals samt den drey Ribben als Jäger-Recht auf die Seite besonders. Nach diesem schneidet er auf den Ribben weg im Mittel zu beyden Seiten vorwerts das Wildpret entzwey. Schläget ferner mit dem Weide-Messer die Ribben zu beyden Seiten vorwerts mit Gewalt entzwey, und nimmt den Brust-Knochen. Weiter schneidet er an dem Eisknochen etwa einen Finger breit hinunter, und zwar auf der Seiten gleich, sticht mit dem Messer die Kugel hinaus, und schneidet die Keulen vom Zemmel herab, schläget sodann den Zemmel und Rücken-Braten vollends entzwey, nach eines ieden verlangten Eintheilung; und also ist der Hirsch zerwircket.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 2354–2355Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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