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ReligionBrockhaus 1882

Heiliges Herz Jesu bildet in der kath. Kirche den Gegenstand eines besondern Kultus. Maria Alacoque (s. d.) behauptete, Jesus habe ihr sein Herz eingesetzt, und warb seitdem für die von ihr getriebene Anbetung des heil. Herzens Jesu. Nach ihrem Tode suchte der Jesuit La Colombiere, sich berufend auf die Offenbarungen einer armen Klosterfrau zu Paray, diesen Kultus allgemein zu verbreiten. Die Jesuiten empfahlen ihn in mehrern Schriften, einzelne jesuitische Bischöfe begünstigten ihn, doch fand er zunächst nur in einigen Nonnenklöstern der Heimsuchung Christi Beifall. Eine Pest war die Veranlassung, daß der Bischof Heinrich Franz de Belsunce diese Andacht 1720 in Marseille aführte und den Freitag nach der Oktave des Fronleichnamsfestes dafür bestimmte. Die Jesuiten gründeten auch besondere Brüderschaften des geheiligten Herzens Jesu. Die Päpste dagegen hatten es mehrmals abgelehnt, dem neuen Kultus ihre Zustimmung zu geben, erst Clemens XIII. bestätigte ihn am 6 Febr. 1765. Nachdem 1773 der Jesuitenorden aufgehoben war, stiftete der Jesuit Tournelly 1794 zu Löwen eine 3eil Herzeus der regulierten Kleriker des heil. Herzens Jesu, in welche viele Jesuiten eintraten. Im J. 1796 nach Wien verlegt, ging se 1799 in dem verwandten Orden der Paccanaristen und bei der Wiederherstellung des Jesuitenordens 1814 in diesem 15 Im J. 1800 entstand zu 1507 ein weiblicher Orden der Damen des heil. Herzens Jesu, welcher 1826 von Leo XII. bestätigt wurde und in allen kath. Ländern Verbreitung fand. Die Anbetung des heil. Herzens Jesu wird neuerdings in Frankreich in Verbindung mit polit. Agitation begünstigt. Nachdem Pius IX. 1875 die ganze Welt dem heil. Herzen Jesu geweiht hat, wird dieser Kultus in der ganzen kath. Kirche mit Eifer betrieben. Vgl. Wenzelburger, Maria Alacoque und das heil. Herz Jesuo (Unsere Zeito, 1873, II); Reusch, Die deutschen Bischöfe und der Aberglaube (Bonn 1879). Jesu.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 33Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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