FeedJohanniterinnen
ReligionBrockhaus 1882

Johanniterinnen heißen die Mitglieder eines im 13. Jahrh. in Frankreich gestifteten Frauenordens des heil. Johannes von Jerusalem, welcher sich der Krandeupftege widmete, 1610 wegen zu freien Lebens reformiert ward, 1624 sich dem Johanniterorden anschloß und während der Französischen Revolution sich auflöste. Johanniterorden. Bereits 1048 legten Kaufleute aus Amalfi zu Jerusalem eine Kirche nebst einem Mönchskloster an, womit sie bald ein Hospital nebst einer dem heil. Johannes Eleemon, dem Patriarchen von Alexandria, geweihten Kapelle verbanden. Hiervon führten die Mönche, welche verpflichtet waren, kranke und arme Pilger zu verpflegen, den Namen Johanniter oder Hospitalbrüder. Dieselben erhielten baldgroße Besitzungen und 1113 von Papst Paschalis II. eine eigene Ordensverfassung. Ihr erster Vorsteher hieß Gerhard; der zweite, Raimund von Puy, verwandelte im Anfange des 12. Jahrh. den Orden in einen geistl. Ritterorden, nahm den Titel eines Meisters an und teilte sämtliche Mitglieder in drei Klassen: in Ritter zur Kriegführung, in Kaplane zum geistl. Dienst und in dienende Brüder zur Berpslegung der Kranken und Geleitung der Pilgrime. Der Orden bildete und breitete sich allmählich immer mehr aus, gewann in fast allen christl. Ländern große Besitzun gen und Einfluß und erhielt von den Päpsten, die ihn begünstigten, große Vorrechte. So kam es, daß auch dieser Orden, nachdem er eine Zeit lang streng seine Gelübde befolgt und tapfer die Ungläubigen bekämpft hatte, zu entarten anfing, in Streitigkeiten mit den Templern und der Geistlichkeit im Morgenlande geriet und dadurch zum Verlust Palästinas mit beitrug. Nach der Eroberung Jerusalems durch Saladin (1187) verlegte er seinen Sitz nach Ptolemais, und als auch dieses ein Jahrhundert später verloren ging, begaben sich die Ritter nach Cypern, wo ihnen der König dieser Insel die Stadt Limisso einräumte. Sie behielten jedoch den Ort nur 18Jahre, bis sie 1309Rhodus eroberten und hier ihren Hauptsitz aufschlugen, weshalb sie auch Rhodiserritter genannt wurden. Hier hatten sie ernste Kämpfe mit den Türken zu bestehen, und berühmt ist ihre tapfere und glückliche Verteidigung unter dem Großmeister Peter von Aubusson gegen die Türken unter Mohammed II., welche 1479 die Stadt Rhodus mit einer ungeheuern Übermacht belagerten. Allein die Angriffe der Türken wiederholten sich, und, von Europa verlassen, wurde der Großmeister Philipp de Villiers de l'Isle Adam nach der hartnäckigsten Gegenwehr von Sultan Soliman II. gezwungen, Rhodus 24. Dez. 1522 zu übergeben. Die Ritter verweilten nun nacheinander an mehrern Orten, bis ihnen Karl V. 1530 die Inseln Malta, Gozzo und Comino unter der Bedingung eines beständigen Kriegs gegen die Ungläubigen und die Seeräuber und der Rückgabe dieser Inseln an Neapel, wenn es dem Orden gelänge, Rhodus wieder zu erobern, eigentümlich als kaiserl. Lehn überließ, wovon sie nun auch Malteserritter genannt wurden. Unter Jean de Lavalette, der seit 1557 Großmeister war, die Hauptstadt und Festung Lavalette baute und 1568 starb, schlugen sie 1565 einen Angriff Solimans II. zurück und behaupteten darauf Schon früher hatten sie, infolge der Reformation, ihre Güter in England, den Niederlanden und Skandinavien verloren; jetzt war dieses auch in Frankreich der Fall. Als Malta von Bonaparte auf dessen Zuge nach Agypten angegriffen wurde, kapitulierte der Großmeister Hompesch 12. Juni 1798 ohne allen Widerstand. Im Sept. 1800 eroberten die Engländer die Insel, und obschon im Frieden zu Amiens bestimmt wurde, daß sie dem Orden zurückgegeben werden sollte, blieb doch England seitdem im Besitz derselben. Zum Besten des Ordens hatte Hompesch, bald nachdem er Malta verlassen, auf seine Würde Verzicht geleistet, worauf 16. Dez. 1798 der Kaiser Paul J. von Rußland zum Großmeister erwählt wurde. Allein die Wahl desselben fand wegen seiner Religion vielen Widerspruch, besonders beim Papste, und der Kurfürst von Pfalzbayern, Max Joseph, hob sogar 21. Febr. 1799, um den Streitigkeiten mit Rußland auszuweichen, den Orden in seinen Staaten gänzlich auf und zog dessen Güter ein. Gleiches geschah infolge der Zeitereignisse fast in allen Staaten, wo der Orden noch Besitzungen hatte, 1810—11 auch in Preußen, wo dafür 1812 der preußische J.„eine weltliche Adelsgenossenschaft, gestiftet wurde. Die einzigen noch übrigen Trümmer der Besitzungen des kath. Ordens waren das Großpriorat in Böhmen und zwei dergleichen in Rußland, die jedoch 1810 gleichfalls aufgehoben wurden. Nach Pauls I. Tode ernannte oder bestätigte der Papst nacheinander mehrere Italiener als Großmeister des Ordens, welcher nach dem Verluste von Malta zu Catania in Sicilien seinen Sitz genommen hatte. Nach dem Sturze Napoleons suchte der Orden auch seine Restauration zu bewerkstelligen, aber ohne Erfolg. Der Papst erlaubte ihm 1826, den Sitz des Ordenskapitels nach Ferrara zu verlegen, später nach Rom, wo er sich seitdem befindet; außerdem besitzt der Orden Paläste in Venedig, Neapel und Prag. Ein eigener Zweig des Ordens besteht in Spanien, wo er in der Reihenfolge der königl. Dekorationen unmittelbar nach dem Goldenen Vlies rangiert. Die Kleidung der Ritter ist im Frieden ein schwarzer Mantel mit einem achtspitzigen weißen Kreuze, dem sog. Malteserkreuze, auf demselben und auf der Brust; im Kriege sollten sieeinen roten Waffenrockmit einem schlichten Kreuz auf Brust und Rücken tragen. Vgl. Villeneuve-Bargemont, Monuments historiques des Grandemaitres de l'ordre de St.-Jean de Jérusalemo (2 Bde., Par. 1829, mit Kupfern); Falkenstein, Geschichte des J. » (2. Aufl., Zeitz 1866—67); Winterfeld, «Geschichte des ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalemo (Berl. 1859); Spencer-Northeote, Geschichte des Johanniterritterordenso (aus dem Englischen von Studemund, Münst. 1874); Shaw, Malta sixty vears agor (Lond. 1875); Delaville le Roulx, Les archives, la bibliothèque et le trésor de Pordre de St.-Jean de Jérusalem à Maltes (Par. 1883). Nachdem die Ballei Brandenburg des J durch das Säkularisationsedikt vom 30. Okt. 1810 und die Urkunde über Auflösung derselben vom 23. Jan. 1811 als erloschen erklärt und an ihrer Stelle der KKöniglich Preußische J.» gestiftet worden war, wurde durch Kabinettsordre vom 15. Okt. 1852 unter Aufhebung der entgegenstehenden Bestimmungen die Ballei Brandenburg wieder aufgerichtet und dieselbe einer der ursprünglichen Stiftung des Ordens entsprechenden gemeinnützigen Bestimmung wiedergegeben. Die Ballei erhielt eine Einrichtung, welche, an die ersten alten Stiftungszwecke der Verbrüderung anknüpfend, den Dienst und die Pflege der Kranken zur Aufgabe machte. In dieser seitdem bewährten Organisation zählt der d. (Anfang 1884) 1 Herrenmeister (den Prinzen Albrecht von Preußen), 18 Kommendatoren, 2Ehrenkommendatoren, 1 Ordenshauptmann (General der Infanterie von Tresckow), 562 Rechts⸗ und 1523 Ehrenritter, welche sämtlich dem Adel angehören und evangelisch sind. Der Orden gliedert sich in 13 Genossenschaften sowohl in den preuß. Provinzen als auch im Anschluß an dieselben in Sachsen, Württemberg, Mecklenburg und Hessen, die sämtlich in der Errichtung von Krankenanstalten eine anerkennenswerte Thätigkeit entwickelt haben, sodaß die Zahl derselben 1884 bis auf 34 gestiegen war, von denen sich 33 in Deutschland, 1 zu Beirut in Syrien befinden. Die Pflege der Kranken und Verwundeten bildete während der Feldzüge in Schleswig-Holstein, des Deutschen Kriegs von 1866 und des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 und 1871 den Hauptzweig der Thätigkeit des Ordens. Im Laufe des Jahres 1883 verpflegte er in seinen 34 Krankenhäusern 7159 Personen, zusammen 282521 Tage. Vgl. Herrlich, «Die Ballei Brandenburg des

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 873Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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