FeedHildegard
ReligionBrockhaus 1882

Hildegard, die Heilige, bekannt durch 196 Visionen und Offenbarungen, geb. um 1098 zu Böckeleim in der Grafschaft Sponheim, von adeliger lbkunft, wurde vom achten Jahre an in dem Kloster Disibodenberg am Einfluß des Glan in die Nahe erzogen, dem sie später als Abtissin vorstand. Als dasselbe die Zahl der Nonnen, welche der Ruf ihrer Heiligkeit herbeizog, nicht mehr zu fassen vermochte, gründete sie 1148 ein neues Kloster auf dem Ruppertsberge bei Bingen, dem sie bis zu ihrem Tode 17. Sept. 1179 vorstand. Mit Freimut sprach sie gegen das Verderben der Kirche, sowie gegen die Laster des Klerus, verkündete die Verfolgung, welche über die Geistlichen und die Kirche kommen würden, sowie die Läuterung der Kirche zu einer allgemein Puoshetemn Frömmigkeit. Zur Ausbreitung ihres rophetenrufs trug nächst den Reisen, die sie machte, besonders das Anerkenntnis ihrer göttlichen Berufung durch den Papst Eugen III. bei. Auch die Päpste Anastasius IV. und Hadrian IV., König Konrad III. und selbst Kaiser Friedrich I., sowie viele andere hohe Geistliche und Fürsten legten ihr die wichtigsten geistlichen und weltlichen Angelegenheiten zur Entscheidung vor. Unter ihren zahlreichen Schriften sind die Scivias (d. i. sciens vias), seu visionum et revelationum libri IIII (Köln 1698) die wichtigsten. Vgl. die Biographien von Meiners (Gött. 1793), Dahl (Mainz 1832), Schmelzeis (1879), und außerdem Preger, Deutsche Mystiky (Bd. 1, Lpz. 1874). *

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 231Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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