Heizmaterialien oder Heizstoffe, s. Brenn— materialien. Weiht aft (Frz. chauffage, engl. heating) nennt man im allgemeinen jede Einrichtung zur Erwärmung der Luft in Gebäuderäumen. Die zur H. dienende Wärme wird stets auf dem Wege der Verbrennung erzeugt. Als Heizstoffe oder Brennmate— rialien (s. d.) verwendet man Holz, Holzkohle, Steinkohle, Braunkohle, Torf, Coks oder Gas. Die zu gewerblichen Zwecken dienenden H. werden bezeichnet. an unterscheidet Lokal- und Centralheizungen. Die erstere Heizungsart besteht darin, daß man in jedem zu heizenden Raum einen Ofen (. d.) oder Kamin (s. d.) aufstellt und in demselben die Heizmaterialien zur Verbrennung bringt, während bei der Centralheizung von einer gemeinschaftlichen Wärmequelle aus mehrere Räume gleichzeitig geheizt werden. Die allgemeinen Vorteile der Centralheizung sind: Ersparung an Arbeitskraft und Vermeidung von Rauch, Ruß und Staub in den zu heizenden Räumen. Centralheizungen werden ausgeführt als Luft⸗, Wasser⸗, Dampf-⸗ und kombinierte H. A. Die Luftheizung besteht darin, daß man Luft in besondern Heizkammern erwärmt und den zu heizenden Räumen zuführt. Man unterscheidet hier drei Systeme; 1) Heizung mit Lüftung, wobei stets frische Luft erwärmt den Zimmern zugeführt, die verbrauchte Luft dagegen ins Freie abgeleitet wird. Dieses System erfordert allerdings den größten Brennstoffverbrauch, ist aber stets mit Vorteil da anzuwenden, wo die Luft leicht verdorben und eine vollständige Erneuerung derselben verlangt wird, also in Wohnungen, Schulen, Theatern, 3 allee A. und besonders in Trockenräumen aller Art. 2) Heizung mit Cirkulation, wobei die gleiche Luft zwischen der Heizkammer und den zu heizenden Räumen eirkuliert; dieselbe erfordert zwar weniger Brennstoffverbrauch, ist aber nur in Räumen anwendbar, in welchen sich im Verhältnis zu ihrer Größe wenige Menschen 4— Zeit aufhalten, wie in Kirchen. In beiden Fällen liegt die Heizkammer im tiefsten Punkte des Gebäudes, damit die erwärmte Luft in alle zu heizenden Räume strömen kann. 3) Kanalheizung, wobei die Heizkammer durch lange Kanäle mit in denselben liegenden Heizrohren gebildet ist, mud, direkt unter oder über dem Fußboden angelegt sin „ um nach Bedarf jedem beliebigen Punkte die warme Luft direkt zuzuführen. Die abgekühlte und infolge ihres größern Gewichts zu Boden sinkende Luft wird durch Offnungen oder Querkanäle unter die Heizröhren in den Kanälen geleitet, erwärmt sich hier und strömt durch die mit Gitter abgedeckten Kanalöffnungen in den zu heizenden Raum zurück. Die Kanalheizung wird vorzugsweise in Gewächshäusern angewendet. Bei der besonders häufig zur Anwendungkommenden Luftheizung mittels Calorifeèren wird in dem Keller des zu heizenden Gebäudes ein Ofen untergebracht, in welchem die den einzelnen Zimmern zuströmende Luft erwärmt wird. Der Calo-Ofen und einem über diesem gelegenen Raum, der sog. Verteilungskammer, zusammengesetzt, aus welch letzterer sich die Luftkanäle abzweigen. Als au von Calorifèren — — wird sowohl Gußeisen E. als gebrannter Thon verwendet. Der aus Fig. 7 u. 8 der Tafel: von dem Ingenieur Käuffer konstruierte Calori— fore wird von dem lautern gebaut. Be⸗ Fig. 3. sonders zweckmäßig ist an Wesem Centralschachtofen einmal die kontinuierliche Feuerung, dann auch die Konstruktion des Calorifere an und für sich, dessen Reinigung von Ruß in kurzer Zeit und auf bequeme Weise erfolgen kann. Die Luft wird an dem gerippten Ofen erwärmt. Der Calorifére von Reinch vo in Würzburg (Textfig. 1—3) unterscheidet ich von der Käufferschen Konstruktion dadurch, daß er einen aus Röhren zusammengesetzten Gae weg besitzt. Die auf dem Rost EKentwickelten Gase ziehen durch die Röhren 1 und 2, 3 und 4 ab, diese und somit auch die umgebende Luft erwärmend. A ist das Abzugsrohr, Lader Wärmeluftkanal. Zum Zweck der Wasserverdunstung ist ein Apparat Wuangebracht, der von außen Cators. wird. Fig. 1 ist ein Querschnitt durch den Calorisere, Fig. 2 ein Schnitt nach der Linie a b, Fig. 3 ein folcher nach der Linie o d. Fig. 7—9 der Tafel: Heizung zeigen eine von dem Eisenwerk Kaiserslautern projektierte Central-Luftheizungsanlage mit Ventilation für ein Wohnhaus. Es ist A der Calorifère, B der Lockofen für die Sommerventilation, HK die Heizkammer für die eintretende kalte, WG der Sammelraum für die warme Luft, welche in dem Kanal e emporsteigt und aus demselben in die einzelnen Zimmer tritt. Die Kanäle a, b und o dienen — Abführen der verdorbenen schweren Luft, welche durch die beiden Schornsteine e und X ins Freie gelangt. Von derselben Firma ist die in Fig. 10 dargestellte Heiz— anlage für eine Kirche mit Cirkulation. Hier ist d der Caloriféère, e der Heizraum; die warme Luft tritt aus den Offnungen des in der Längenachse der Kirche liegenden Kanals a in die Kirche, steigt empor, teilt sich an der Wölbung der Decke und sinkt an den Wänden zu Boden, um durch die langen. b und c wieder nach dem Calorifeére zu ge— langen. 5. Bei den Wasserheizungen benutzt man die Cirkulationsbewegungen erwärmten Wassers in einem geschlossenen Röhrensystem. Man unterscheidet Niederdruck-Wasserheizung (wenn das Wasser bis nahe unter dem Siedepunkt erwärmt wird), Mitteldruck-Wasserheizung (bei Erwärmung über den Siedepunkt bis höchstens 150²) und Hochdruck-Wasserheizung (bei Er-WIche des Wassers bis 2005). Jede Niederdruckheizung oder Warmwasserheizung besteht aus einem Kessel (gewöhnlich Flammrohrkessel), einem Steig⸗ und Rücklaufrohr und einem Expansionsgefäß. Die allgemeine Anordnung wird auf verschiedene Weise getroffen. Es kann von dem im Keller stehenden Kessel ein Steigrohr nach dem Expansionsgefäß und können von dem Verteilungsrohre nach jeder näher zusammen-Dierbere Gruppe von Ofen Ablaufrohre führen. hierbei cirkuliert das Wasser und ein gemeinschaftliches Rücklaufrohr führt in den Kessel zurück. Auch kann man die Anordnung wählen, welche für jede Gruppe von Ofen ein Steigrohr und ein Rücklaufrohr besitzt; nach den Ofen zweigen sich kleine Leitungen ab. Außerdem ist jedoch ein überfallrohr notwendig, um das überschüssige Wasser aufzufan⸗ —. Die letzte Anordnung endlich ist von der Art, 5 von dem Steigrohr sich horizontale Röhren abzweigen, als Abfallrohre nach unten hen und ch das Rücklaufrohr in den Kessel zurückkehren. as Nachfüllen wird durch das wie bei allen Warmwasserheizungen offene Expansionsgefäß bewirkt, aus welchem sich das Heberrohr abzweigt. Hierö En Schwi ein selbstthätiges Nachfüllen und durch ein Schwimmerventil im Expansionsgefäß ein konstantes Wasserniveau erzielt. Die Heizkessel müssen e Konstruktion ist meist die eines Flammrohrkessels, der aber, da er ganz mit Wasser angefüllt vollständig in die Züge eingebaut wird. Zweckmäßige Abänderungen sind von verschiedenen Seiten gemacht worden. Die billigste und am schnellsten funktionierende lerhehung, ist die Hochdruck-oder Heißwaserheizung, wie eine solche, von dem Eisenwerk Kaiserslautern für ein Wohnhaus projektierte, auf der Tafel Heizung in Fig. 11—14 zur Darstellung gebracht ist. Im Keller ist ein Heihvolferosen (Fig. 15) aufgestellt, in welchen Heizspiralen derart gewunden eingelegt sind, daß die Flamme zunächst die obern, heißesten Stellen der Spiralen trifft und, ihren Weg abwärts nehmend, mit immer kältern Stellen in Berührung kommt, bis endlich die Rauch— gase gut ausgenutzt an der untersten Stelle des Ofens, wo das zurückkehrende abgekühlte Wasser in denselben eintritt, nach dem Schornstein entweichen. Die im Feuer liegenden Heizspiralen sind derart angeordnet, daß jede derselben zwei in den Etagen direkt übereinander placierte Heizkörper speist und alle zusammen mit letztern ein endloses System bilden. Von den obern Enden der Heizspiralen führt nämlich je ein Leitungsrohr das heiße Wasser nach den zu speisenden Heizkörpern in der ersten Etage, durch diese nach den Heizkörpern im Erd— geschoß und von hier in der Weise nach den untern Enden der Heizspiralen zurück, daß das Wasser der ersten Spirale nach der zweiten, das der zweiten nach der dritten u. s. w. und das der letzten nach der ersten Spirale zurückfließt. Das Expansions-Rabr zur Ausgleichung der Spannungen in den töhren wird an der höchsten Stelle der Leitung, eventuell im Dachboden, aufgestellt. Fig. 15 der Tafel veranschaulicht den bei dieser Anlage zur Verwendung kommenden Heißwasserofen. C. Die Anlage einer Dampfheizung ist in Fabriken, wo Hochdruckdampfmaschinen als Motoren benutzt werden, meist die empfehlenswerteste; man verwendet dann den abziehenden Dampf der Maschinen und nutzt so die Wärme desselben zweckmäßig aus. Hat dagegen die H. einen eigenen Kessel, so wird die Anlage sehr kostspielig. In neuester Zeit findet die Dampfheizung als Centralheizung die ausgedehnteste Anwendung und sollen sich die Kosten bei Versorgung ganzer Stadtviertel von einer Wärmequelle aus billiger stellen als bei jedem an— dern System. Die allgemeine Anordnung ist meist derart getroffen, daß man den Dampf durch ein vertikales Standrohr leitet, von welchem sich die Verteilungsrohre abzweigen. Der Dampf kondensiert sich infolge der Wärmeabgabe und gelangt als Wasser von etwa 60“ in den Vorwärmer des Kessels zurück, in welchen er durch einen Injektor hineingeschafft wird. Die Wärmeabgabe erfolgt entweder durch Verteilungsröhren oder durch Ofen, welche im Zimmer aufgestellt sind. Von der Firma Bechem u. Post in Hagen i. W. ist unter dem Namen Central-Niederdruck— Dampfheizung ein neues Dampfheizungsverfahren eingeführt worden, welches sich sehr gut zu bewähren scheint. In den Fig. 1—6 der Tafel ist die Anordnung dieser H. für ein Wohnhaus mittlerer Größe dargestellt. Das Wohnhaus enthält folgende zu heizende und zu ventilierende Räume: Im Erdgeschoß: 1) Hausflur, 2) Gesellschaftszimmer, 3) Gesellschaftszimmer, 4) Wohnzimmer, 5) Speisezimmer, 6) Wintergarten. Im Obergeschoß: 7) Flur, 8) Schlafzimmer, 9) Schlafzimmer, 10) Schlafzimmer, 11) Kinderzimmer, 12) Wohnzimmer, 13) Fremdenzimmer. Im Dachgeschoß: 14) Wäschetrockenraum. In dem betreffenden Hause sind noch folgende Apparate, als zur Verwendung elangend, zu erwähnen. In der Küche: ein Dampfochtopf und ein Warmwasserapparat; in der Badestube: ein Dampfbadeofen, welcher zur Erwärmung des Wassers und der Badestube dient. Es bezeichnet: a den Niederdruckwasserkessel, b das Standrohr, e die Dampfrippenheizkörper, d den Dampfkochtopf, e den Dampfwasserkochapparat, f den Kochherd, g den Badeofen für Dampf⸗ und Lokalheizung mit Baderaum, h die Druckpumpe, i das Wasserreservoir, k den Dampfwäschetrockenraum, den Waschkessel. Von dem Kessel a mit dem Standrohr b wird der Dampf mittels der durch eine starke Linie angedeuteten Rohrleitung in die Heizkörper e geführt; das Kondensationswasser fließt durch dieselbe Leitung zum Kessel zurück. Auf dem Speicher ist, wie aus Fig. 2 ersichtlich, ein Wasserreservoir i angeordnet, das durch die Handpumpe h gespeist wird. Die punktierten Linien in Fig. 3 u. 4 veranschaulichen die Leitung des Wassers zu dem Badeofen g und dem Warmwasserapparat e in der Küche. In Fig. 2 ist ferner durch eine punktierte Linie die Wasserleitung zum Kessel a angegeben. In den Wohn⸗ und Schlafzimmern sind als Heizkörper Zimmercalorifèren aufgestellt, welchen die frische Außenluft durch Kanäle zugeführt wird, die in der Zeichnung durch stark schraffierte Linien markiert sind. Die verdorbene Luft wird durch die mit starken schwarzen Linien angedeuteten Luftabführungskamine entfernt. Um die Vorteile des einen Heizsystems mit denen des andern zu verbinden, hat man die Heizsysteme auch kombiniert. So wendet man Wasser⸗, beziehungsweise Dampfheizung und Luftheizung an. Hierbei erwärmt man Luft durch Spiralen, in denen sich warmes Wasser oder Dampf befindet; die nunmehr warme Luft wird nach dem Prinzip der Luftheizung in die zu erwärmenden Räume geführt. Man erzielt so leichte und bequeme Ventilation und bei Warmwasser große Gleichmäßigkeit der Erwärmung, bei Heißwasser und Dampf größere Billigkeit und schnellere Erwärmung auf große Entfernungen. Sehr häufig wird Wasser⸗ und Dampfheizung angewendet und zwar in der Art, daß man den Dampf einer Heizungsanlage in sog. Wasseröfen sich kondensieren läßt; auf diese Weise wird das Wasser erwärmt und erzeugt eine sehr gleichmäßige Zimmertemperatur. Nachstehend folgt eine kurze Vergleichung der Vorteile und Nachteile der einzelnen Centralheizungssysteme: Luftheizung. Vorteile: Mit der H. leicht zu verbindende vollkommene Ventilation, billige Anlage und Unterhaltung, leichte Bedienung und Regulierung, sowie Wegfall jedes Heizapparates in den Zimmern. Nachteile: Geringes Wärmeerhaltungsvermögen, Schwierigkeit der Leitung auf längere horizontale Strecken, Schwierigkeit der Maumcr ur Erwärmung übereinander liegender iäume; nur in neuen Gebäuden ausführbar, weil viele Kanäle in den Mauern erforderlich; leicht eintretende Überhitzung und damit in Verbindung auch Trockenheit der Luft. — Warmwasserheizung. Vorteile: Großes Wärmeerhaltungsvermögen, leichte Anlage in alten und neuen Gebäuden; Erzielung wohlthuender, strahlender Wärme und gleichmäßige andauernde Erwärmung. Nachteile: Bei Ventilation schwere Erwärmung der kalten Luft, kostspielige Anlage. — Heißwasserheizung. Vorteile: Billiger als Warmwasserheizung, Leitungen auf größere Entfernungen möglich; H. schneller und intensiver. Nachteile: Es tritt leicht eine Überhitzung ein, welche eine Explosion zur Folge haben kann; die rasche Abkühlung macht andauerndes Heizen notwendig. — Dampfheizung. Vorteile: Benutzung des schon zu industriellen Zwecken gebrauchten Dampfes, die Wärme kann auf große Entfernungen geleitet werden, schnelle Wirkung der H. Nachteile: Wenn kein Abdampf vorhanden, ist der Betrieb sehr teuer. Die hier nicht mit erläuterte Gasheizung ist stets eine Lokalheizung; s. unter ofen, vgl. auch Gasheizungsvorrichtungen. Die elektrische Heizung, von welcher in neuester Zeit öfters die Rede ist, beruht in der Theorie darauf, daß die einen metallischen Leiter durchströmende elektrische Energie, sobald der Leitungsquerschnitt ihrem Durchgange einen entsprechenden Widerstand entgegensetzt, den Leiter erwärmt und bei großer Stromstärke sogar zum Glühen bringt. Um diese strahlende Wärme nutzbar zu machen, müßte man demnach dem zu erwärmenden Leiter eine entsprechend große Oberfläche geben. Nach Professor Perry ist ein Draht von 2 Ohms Leitungswiderstand, durch den ein elektrischer Strom von 20 Amperes geleitet wird, im Stande, mehr als eine Pferdekraft in Form von Wärme auszustrahlen. In der Praxis hat dieselbe zur Zeit noch keine Verwertung gefunden. Vgl. Ferrini, «Technologie der Wärme (Jena 1878); Degen, «Praktisches Handbuch der Ventilation und H.» (München 1878); Wolpert, «Theorie und Praxis der Ventilation und H.» (2. Aufl., Braunschw. 1880); Scholtz, «Handbuch der Feuerungs- und Ventilationsanlageno (Stuttg. 1881); „Sammlung von Heizungs- und Lüftungsanlagen, ausgeführt durch das Eisenwerk Kaiserslauterno