FeedHelm
AllerleiBrockhaus 1882

Helm (althochdeutsch helm, daraus abgeleitet ital. und altspan. elmo, neuspan. yelmo, altfrz. healmet), eine gewölbte, der Form des menschlichen Hauptes angepaßte Kopfbedeckung des Kriegers, in der Regel auch Kopfschutz, deshalb aus dichtern Stoffen, wie starkem Leder, und wenn der H. hiebsest sein soll, aus Metall hergestellt, in Hauben-, Kessel⸗, Topf⸗, Glocken⸗, Hutform u. s. w. vorkommend. Der H. spielte, solange man auf Schutzwaffen Wert legen mußte, als Deckungsmittel des wichtigsten Körperteils eine hervorragende Rolle und hat sich unter jenen am längsten erhalten, wenn er auch jetzt eigentlich nur noch bei der schweren Reiterei in entsprechender Beschaffenheit vorkommt. Als Vorläufer des H. kann die über das Haupt gezogene Kopfhaut eines erlegten Tieres gelten. Eigentliche H. kommen im griech. Altertum zunächst in Fell, namentlich in Seehundsfell (daher der Name äxνij), dann in Bronze vor. Letztere haben anfänglich die einfache Haubenform, späterhin sind sie mit Nacken⸗ und Stirnschirm, mit Backen-⸗, wie mit Nasenstück, oft auch mit einem behufs Sehens durchbrochenen Gesichtsschutz, dem Visier, versehen (s. nachstehende Fig. 1). Der mit einem zum Fig. 1. Fig. 2. erhöhten Schutze des Schädels und Hinterkopfs dienenden Kamme versehene H. gilt als eigent— licher griech. Typus (Fig. 2); der Kamm trägt zugleich Verzierungen, wie den Helmbusch oder den Roßschweif. Der H. der Römer ist entweder von Leder mit ehernen Beschlägen (galea) oder gan z von Metall, anfänglich von Bronze, später auch von Eisen (cassis). Während der H. der Etrusker der spätern Sturmhaube ähnelte, ist der eigentliche röm. H. mit Stirn⸗ und Nackenschirm versehen und hat Backenstücke, welche zugleich als Bänder dienen. Auf dem Scheitel befindet sich ein Ring oder Knopf, welcher die Helmzier, aus Federn oder aus den langen Haaren der Pferde bestehend, trägt (Fig. 3). Aus der antiken Welt ging der H. zu den german. Völkern über, welche anfänglich entweder entblößten Hauptes gefochten, oder dasselbe mit der Kopfhaut des Auerochsen oder Elens bedeckt hatten. Aus der eng ansitzenden, mehr dem runden Hut ähnlichen Form (Fig. 4) entwickelte sich die mehr in die Höhe gezogene, welche größern Schutz gegen den Hieb des zählernen Schwertes verlieh. Im 11. u. 12. Jahrh. ist im Abendland die hauptsächlichste Helmform die konische. Im weitern Verlaufe entwickeln sich daraus die Kesselhaube oder das Bassinet, welches als kleines, als hochgekegeltes und als Vi sier— bassinet (Fig. 5) vorkommt, und der Topfhelm, Kübelhelm oder Stülphelm (Fig. 6), welcher einem Kübel ähnlich über den ganzen Kopf gestülpt wird, oft auch auf den Achseln aufsitzt, in der Höhe der Augen mit einer Sehspalte, dem Helmfenster, versehen ist und namentlich zum ritterlichen Lanzenkampf dient. Eine besondere Rolle spielt der Helmschmuck, auch Helmzier oder Kleinod genannt, in einem beliebig gewählten Emblem oder einem Wappenbilde bestehend, woran sich später die häufig flatternden Helmdecken reihten. Aus der Kesselhaube entwickelte sich der mit Rand versehene, für Feldzwecke sehr beliebte Eisen hut (Fig. 7). Durch eine Abplattung des Hirnstücks verbunden mit einer Ausschweifung für das Gesicht entstand aus dem Topfhelm der sehr schwere auf Brust und Rücken herabreichende Stechhelm oder Krötenkopfhelm (heaume à téte de crapaud), der in der Regel nur zum ernsten Turnier benutzt wurde (Fig. 8). Aus der Verbindung des Eisenhutes als obern Kopfschutzes mit der von den Achseln aufsteigenden Barthaube ging die Schale oder der Schaller sfrz. salade, ital. celata) mit festem oder beweglichem Visier hervor (Fig. 9). Mit 1450 wurde eigentliche Feldtracht der gewöhnlich als Ritterhelm bezeichnete Helmlin (Fig. 10), welcher, in der Höhe der Augen am weitesten ausladend, sowohl nach dem Oberkopf als nach dem Halse zu sich glockenartig verjüngt und auf einem Kehlstück aufsteht, das mit dem Küraß verbunden wird. Durch das zum Aufschlagen eingerichtete Visier oder Helmfenster wird der H. verschließbar eingerichtet. Die Geschichte des H. ist innig mit derjenigen des Rittertums verwachsen, mit dessen Verfall wieder einfachere Formen des H. üblich werden, so namentlich die nur den obern und hintern Teil des Kopfes bedeckende Sturmhaube (Fig. 11), bis auch diese durch den Hut verdrängt wird. Zwar erhielt sich der Ritterhelm mit einzelnen Teilen der Rüstung noch längere Zeit als Ceremonialtracht und als Abzeichen der Führer, sowie bei den Kyrissers oder Reuterno, die als die Ausläufer der schwer gepanzerten Ritterschaft betrachtet werden können, doch selbst bei den letztern machte er in der zweiten Hälfte des 17., spätestens mit Beginn des 18. Jahrh. fast durchweg dem Hute Platz. In den franz. Revolutionskriegen und der Kaiserzeit taucht der metallene H., mehr in röm. oder griech. Form mit Kamm, als Kasket (aus dem frz. casque) bei den Kürassieren und Dragonern wieder auf, vgl. den in Fig. 12 dargestellten franz. Dragonerhelm (1812 —70). Bayern nimmt 1807 für die Infanterie den ledernen Raupenhelm an, der sich mit Modifikationen bis heute behauptet hat. Im J. 1843 wird in der preuß. Armee der als Pickelhaube (J. d.) bezeichnete H. eingeführt, der später auch auf die Armee des Deutschen Reichs übergegangen ist. ö Dieser H. ist fur die Küdie russ. Armee einen ähnlichen H. gehabt. Sämtliche moderne H. schneiden vorne mit den Augen, an den Seiten mit den Ohren ab und können durch Schuppenketten oder Sturmbänder unter dem Kinn festgemacht werden. Litteratur. Bezüglich des ältern H. vgl. M. Jähns, «Handbuch einer Geschichte des Kriegswesenso (Lpz. 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 92Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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