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Sport & SpielBrockhaus 1882

Helm (in der Heraldik). Zu den heraldischen H. gehören die Topf⸗ und Kübel⸗, sowie die Stech— helme, welche geschlossen waren, ferner die offenen Turnier⸗(Spangen⸗, Gitter⸗ und Rost⸗)Helme. In der Heraldik erscheint der H. später als der Schild und zwar zuerst als germen seit Ende des 12. Jahrh. Die Topfhelme waren oben ganz flach, vorn höher als hinten und etwas weiter herab— hängend, und folgten meistens der Wölbung des Gesichts. Bald mit schmalen, bald mit ziemlich wei— ten Augenschlitzen, meistens mit darunter befindlichen Luftlöchern versehen, wurden diese schweren, einem eisernen Topfe ähnelnden H. über den Kopf gestürzt, auf dem sie eigentlich nur hingen. Ende des 13. und Ansang des 14. brum ging dieser H. in eine Form über, welche mehr auf den Schultern ruhte und mehr walzenförmig, oben rund oder flachkegelförmig geschlossen war. Derselbe diente während des ganzen 14. Jahrh. im Streit und Turnier und wird als Kübelhelm bezeichnet. Die Kübelhelme waren von Eisen, oftmals mit Hinterteil von Leder oder Holz, vergoldet, versilbert, schwarz mit goldenen Spangen oder bemalt; nicht alle, namentlich nicht die ältern, scheinen bereits zur Aufnahme eines bildnerischen Helmschmucks eingerichtet gewesen zu sein, da an ihnen die an den spätern Stechhelmen vorhandenen Vorrichtungen zur Befestigung desselben mitunter fehlen. Ende des 14., beziehungsweise in der ersten Hälfte des 15. Jahrh. treten zwei neue Helmgattungen auf, welche ausschließlich zum Turnier bestimmt waren und bis heute als die heraldischen H. gelten: der Stechhelm, für die Gesteche mit der Lanze, und der Turnier⸗(Spangen⸗ und Rost⸗) H. für das Gefecht mit hölzernen Kolben und stumpfen Schwertern. Bei dem Stechhelm ist das untere, den Hals deckende Vorderstück, welches in der ältern Gestalt geradlinig erscheint, stark ausgeschweift und schließt sich, in der Augengegend scharf vorspringend, an den obern Teil an, wo die Augenschlitze angebracht sind. Dieser H., der fast 20 Kg wog und weit schwerer als Topf⸗, Kübel⸗- und Spangenhelme war, wurde stets aus Eisen gefertigt und mit Tuch, meistens wohl von roter Farbe, gefüttert. Er wurde auf den mit einer In Bewer⸗ bedeckten Kopf OieW und schloß sich eng an Brust und Nacken an. ie Befestigung dieses H., welcher nicht vom Kopfe, sondern von den Schultern getragen wurde, sodaß sich darin der Kopf wie in einem Gehäuse ziemlich frei bewegen konnte, geschah am Harnisch mittels Schrauben, Schnallen und Haken. Die ebenfalls an Hals und Rücken sich fest anschmiegenden und oben mehr der Kopfform sich annähernden Spangen- und Rosthelme waren von Eisen und Leder gefertigt und erheblich leichter als die Stechhelme. Die Wölbung der Spangen, Roste und Bügel vor der Augenöffnung artete schließlich in übertreibung aus. Gegen Ende des 15. Jahrh. bediente sich der turnierfähige Adel fast nur noch der Spangenhelme statt der Stechhelme, sodaß jene in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. ausschließlich als adelige Helme betrachtet wurden. Ums J. 1500 erscheinen auch die sog. Burgunderhelme, die jüngste Art wirklicher Kriegshelme, welche mit einem kurzen engen Halse versehen waren, ein Visier zum Aufschlagen hatten und an der Seite geöffnet werden konnten. Auch diese H. erscheinen mit heraldischen Abzeichen, aber erst zur Zeit des Verfalls der Heraldik. — Endlich sind noch die sog. goldenen Königshelme zu erwähnen, welche mit offenem Visier, nach vorn gekehrt und rot gefüttert dargestellt werden. Was die Anwendung des H. in der Heraldik betrifft, so sollten, wie zu einem Wappen nur ein H. gehört, folgerichtig auch für ein aus mehrern zusammengesetztes nur eine entsprechende Anzahl von H. gehören. Ein Schild mit mehrern H. ist stets gerade zu stellen und sind diese dann nach Verhältnis kleiner zu zeichnen. Der H. steht auf dem Wappenschilde in der Weise, daß das Bruststück auf dem Oberrande ruht und ein wenig die Ortstelle überdeckt, also nicht mit dem Bruststücke auf dem Oberrande schwebt. Wird der Schild gelehnt, so steht der der Richtung des Schildes entsprechend seitwärts gekehrte H. auf dem erhöhten Obereck. Die Anzahl der Bügel an einem Spangenhelm ist in der deutschen Heraldik ohne Bedeutung. H. können Menschen oder Tieren, welche als Schildhalter dienen, aufgestülpt oder neben den Schild gestellt werden, wenn ihrer sehr viele sind. In letzterm Falle können die Schildhalter auch H. in den Händen tragen. Bei zwei gegeneinander gekehrten H. ist der rechtsseitige der erste, bei drei H. der mittlere (vorwärts gekehrte) der erste, rechts der zweite, links der dritte. Bei einer ungeraden Zahl der H., die größer ist als drei, ist die Rangordnung so: 6, 4, 2, 1, 3, 5, 7 und sind die äußern H. dem mittelsten zuzukehren; bei einer geraden Zahl der H. gilt diese Rangordnung: 5, 3, 1, 2, 4, 6. Zu Helmsiegeln, welche zuerst in der ersten Hälfte des 14. Jahrh. vorkommen, eignen sich namentlich diejenigen Wappen, welche eine Wiederholung der Schildfigur auf dem H. zeigen. Was das Größenverhältnis betrifft, so wird bei modernen Wappen der Schild fast so groß, wie H. und Kleinod zusammen sein können; jedenfalls hat man sich vor der Unsitte zu hüten, den H. mit seinem Schmuck gar zu klein darzustellen, hat sich vielmehr zu vergegenwärtigen, daß der Wappenschild nur der rustschild des Helmträgers war, also in diesem Verhältnis zu zeichnen ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 93Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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