Hemd (althochdeutsch hemidi, von heman, bedecken, bekleiden; frz. chemise; engl. shirt, smock, shift) war ursprünglich die Bezeichnung für Beklei— dung, Hülle, Kleid überhaupt, dann insbesondere für ein weites, meist vorn teilweis offenes Kleid, wie Panzer⸗, Chor⸗, Fuhrmannshemd u. dgl. Jetzt versteht man unter Hemd im engern Sinne eine weite, meist unmittelbar auf dem Leib getragene Bekleidung, zu deren Herstellung besonders Leinen, Baumwolle, Shirting, Dowlas, das meist von elsässer Fabriken hergestellte sog. Hemdentuch, Wolle, z. B. Flanell, und zuweilen auch Seide dient. Die Anfertigung der H. erfolgt jetzt fast allgemein im Wege der Großindustrie auf Nähmaschinen, als welche besonders die Wheeler u. Wilson-Maschinen Verwendung finden. Hauptfabrikationsort für H. ist in Deutschland Bielefeld. Nachthemden erhal— ten einen etwas andern Schnitt als die bei Tage getragenen. Die feinern Männerhemden (Oberhemden) haben auf der Brust einen gewöhnlich aus besserm Leinen hergestellten Einsatz, der entweder schlicht oder mit Falten oder Stickerei ver— sehen ist. Die Einsätze pflegt man in besondern Fabriken und zwar auf Wion zu diesem Zweck kon— struierten Wheeler u. Wilson-Nähmaschinen anzu⸗— fertigen; als Hauptbezugsquelle für die gestickten Einsätze gilt Plauen im Vogtlande. Der Rumpfteil der Oberhemden wird aus dem Vorder- und Rückenteil zusammengesetzt. In dem Vorderteil wird zuerst der Einsatz eingesteppt; dann werden die beiden Teile mittels der sog. Passen, welche die Schulter- oder Nackenstücke bilden, verbunden. Die Armel erhalten meist einen keilförmigen Längseinsatz (Spiele oder Zwickel) und werden an ihrem untern Ende mit einem Bändchen oder Queder, seltener mit einer Manschette versehen. Auch die Kragen werden jetzt nur noch selten direkt an den Halsteil der Oberhemden genäht. Frauenhemden erhalten kurze Armel und werden oft in reichster Weise mit Stickereien verziert. Wollene Hemden, die sonst fast nur für Kranke üblich waren, werden in neuerer Zeit, hauptsächlich seitdem Professor Jäger in Stuttgart hierfür Propaganda macht, viel getragen. ů