Hemmung, in der Physiologie die Unterbrechung gewisser Bewegungen und vegetativer Vorgänge durch die Thätigkeit bestimmter Nerven, der sog. Hemmungsnerven, welche bei ihrer Reizung nicht wie die übrigen centrifugalen Nerven die von ihnen versorgten Organe zur Thätigkeit anregen, sondern gerade im Gegenteil die Thätigkeit der letztern verringern oder selbst ganz unterbrechen. Dies geschieht aber durch die Vermit— telung eigentümlicher nervöser Werkzeuge, welche teils im Rückenmark, teils im verlängerten Mark des Gehirns gelegen sind und als Hemmungs— centren bezeichnet werden. Am genauesten erforscht und am leichtesten zu demonstrieren sind die Hemmungserscheinungen am Herzen. Durchschnei— det man einem Hund oder Kaninchen am Halse den zehnten Gehirnnerven oder Vagus und reizt hier— auf den peripheren Nervenstumpf vermittelst eines unterbrochenen elektrischen Stroms, so nimmt die Zahl der Herzschläge nicht nur sehr beträchtlich ab, sondern es kann auch die Herzthätigkeit bis nach Sistierung der Nervenreizung vollständig unterbrochen werden, während die einfache Durchschnei— dung des Vagus ohne gleichzeitige elektrische Rei— zung die Herzthätigkeit beschleunigt, woraus her— vorgeht, daß der Vagus einen die Herzaktion verlangsamenden Einfluß ausübt und somit ein ausgesprochener Hemmungsnerv für das Herz ist. Ebenso ist der große Eingeweidenerv (nervus splanchnicus major), welcher von den Brustganglien des Sympathicus entspringt, zu den Hemmungsnerven zu zählen, denn seine Reizung hebt die wurmförmigen Bewegungen des Darms auf. Auch bei der Absonderung der Drüsen und andern vegetativen Prozessen spielen hemmende Nerven vielfach eine bedeutsame Rolle, die aber freilich im einzelnen erst noch genauer zu erforschen ist.