FeedHemimorphie
NaturlehreBrockhaus 1882

Hemimorphie oder Hemimorphismus nennt man nach dem Vorgange von Breithaupt die (nicht mit der Hemidrie zu verwechselnde) Erscheinung, daß Krystalle, welche nicht dem regulären System angehören, an den entgegengesetzten Enden einer Symmetrieachse, gewöhnlich der Hauptachse oder Vertikalachse, gesetzmäßig durch die Flächen ganz verschiedener Formen begrenzt werden. Diese Formen sind daher entweder nur mit ihrer obern oder mit ihrer untern Hälfte ausgebildet. Ein Beispiel liefert das hier abgebildete Kieselzinkerz; as 1 die Krystalle des Turmalins sind ausgezeichnet hemimorph, indem sie an den beiden Enden der Vertikalachse ganz abweichende Rhomböder, oder an dem einen (obern) Ende Rhomboéder, an dem andern (untern) die Geradendfläche aufweisen. Die H. findet sich auch bisweilen an den Krystallen des Struvit und Wulfenit, unter den künstlich dargestellten Substanzen an denen des Jodsuccinimid, Tolylphenylketon, Resorein und Quercit. Die Er— scheinung gewinnt deshalb ein doppeltes Interesse, weil die meisten hemimorphen Krystalle zugleich die Eigenschaft besitzen, durch Erwärmung polarelek— trisch zu werden, d. h. an den entgegengesetzten, formell verschieden ausgebildeten Enden gleichzeitig die entgegengesetzten Elektricitäten zu entwickeln.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 104Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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