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GeschichteBrockhaus 1882

Aberdeen, spr. Abberdihn (George Hamilton Gordon, Graf von), brit. Staatsmann, aus einem der ältesten schott. Adelsgeschlechter, von dem die spätern Herzoge von Gordon, jetzigen Marquis von Huntley und der Dichter Lord Byron in weiblicher Linie abstaumnten, geb. 28. Jan. 1784 in Edinburgh, erhielt seine Erziehung in der Schule von Harrow und ging 1801 nach Cambridge, in welchem Jahre er auch seinem Großvater in dem Titel eines Grafen von A. folgte. Nachdem er den Friedensver-Hen, Griech in Amiens beigewohnt, besuchte er Italien, Griechenland und Kleinasien und kehrte 1804 über Rußland und die Ostsee zurück. Als schott. Repräsentativ-Peer 1806 ins Oberhaus getreten, ch oß sich A. den Tories an, ohne jedoch an der olitik besonders lebhaften Anteil zu nehmen. Größere Vorliebe zeigte er für wissenschaftliche Studien, als deren Resultat unter andern die Inquiry into the principles of beauty in Grecian architectures (Lond. 1822) herauskam. Im J. 1813 leitete er von seiten Englands die Unterhandlungen über den Beitritt Osterreichs zur Koalition gegen Napoleon I., schloß den Allianz⸗ und Subsidienvertrag zu Teplitz, gewann in Neapel den König Murat für die Sache der Alliierten, nahm 1814 an dem 3en Der von Chätillon teil und zog 31. März mit den Verbündeten in Paris ein, worauf er 18. Juni 1814 zum Peer von Großbritannien mit dem itel eines Viscount Gordon erhoben wurde. Hierauf widmete er sich meist seinen Studien und der Landwirtschaft, bis er 1828 erst Kanzler des Herzogtums Lancaster, dann Minister des Auswärtigen unter Wellington wurde. Als solcher handelte er meist im Sinne der Politik Metternichs. Er zeigte sich den Griechen feindselig, begünstigte Dom Miguel und sympathisierte mit dem franz. Ministerium Polignac, beeilte sich jedoch, am Prinzip der Nichtintervention festhaltend, nach der Julirevolution die Regierung Ludwig Philipps anzuerkennen. Bei der durch die Reformbewegung herbeigeführten Auflösung des Wellingtonschen Kabinetts, 16. Nov. 1830, legte auch er seine Stelle nieder. In dem kurzen toryistischen Zwischenministerium vom 14. Nov. 1834 bis 8. April 1835 bekleidete A. das Amt eines Kolonialministers, und in dem neuen Torykabinett Peels erhielt er 1841 zum zweiten Mal das Portefeuille des Auswärtigen. In dieser Stellung zeigte er sich jetzt freisinnigern Ideen zugänglich, legte in den Streitigkeiten mit Amerika große Versöhnlichkeit an den Tag, suchte aber 425 die frühere vertrauliche Verbindung mit Osterrei und Rußland wiederherzustellen, und als der Kaiser Nikolaus 1844 nach London kam, trat er den orient. Planen desselben wenigstens nicht offen entgegen. Die Handelsreformen Peels wurden von A. vollständig gebilligt, und als infolge derselben das Ministerium Ende Juni 1846 abtreten mußte stellte A. sich im Oberhause an die Spitze der als Peeliten bekannten Mittelpartei. Auch lehnte er es ab, in die im Febr. 1852 von Derby gebildete Regierung einzutreten, bernahm dagegen nach deren Rücktritt im Dez. 1852 die Leitung eines Koalitionsministeriums, in welchem Peeliten, Whigs und Radikale Platz fanden. Wenige Monate darauf brach die orient. Krisis aus, in der A. anfangs eine vermittelnde Stellung einzunehmen suchte. Als er jedoch durch die Katastrophe von Sinope genötigt war, den Krieg zu erklären, wurde er für die Lauheit, mit der dieser geführt wurde, verantwortlich gemacht. Hierzu kamen noch Zerwürfnisse mit Russell und Palmerston, welche schließlich die Sprengung des Ministeriums bewirkten. Am 1. Febr. 1855 legte A. das Amtssiegel in die Hände der Königin nieder, die ihm den Hosenbandorden verlieh und ihn auch später in Familien⸗ und Staatsangelegenheiten zu Rate zog. Im Oberhause sicherten baf seine langjährige Erfahrung und sein ehrenhafter Privatcharakter ebenfalls einen nicht unbedeutenden Einfluß. Der Kunst und Wissenschaft blieb er bis an sein Ende zugethan. Er starb in London 14. Dez. 1860. Als fünfter Graf von A. folgte ihm sein ältester Sohn, George John James, Lord Haddo, geb. 28. Sept. 1816, früher liberales Parlamentsmitglied für Aberdeenshire. Derselbe starb 22. März 1864, worauf ihm sein ältester Sohn, George Hamilton Gordon, geb. 1841, als sechster Graf folgte. Diesem 5 te, als er 27. Jan. 1870 ohne Nachkommen starb, sein Bruder John Campbell Hamilton Gordon, geb. 3. Aug. 1847, als siebenter Graf.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 41Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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