FeedHerschel (Sir John Frederick William)
HimmelskundeBrockhaus 1882

Herschel (Sir John Frederick William), Baronet, der einzige Sohn des vorigen, wurde zu Slough bei Windsor 7. 2.— 1792 geboren und erhielt seine wissenschaftliche Bildung auf der Universität zu Cambridge. Seine ersten mathem. rmbeisind in der mit Peacock unternommenen Umarbei tung der Differentialrechnung von Lacroix niederelegt. Teils allein, teils in Vereinigung mit James South widmete er von 1816 an einen großen Teil seiner Zeit der Beobachtung der Doppelsterne, Nebelflecken und Sternhaufen. Im J. 1823 überreichte er der Königlichen Gesellschaft zu London einen Katalog von 380 neuen Doppelsternen (Lond. 1825), welche das Resultat von 10000 einzelnen Beobachtungen jener Sterne enthielten. Im J. 1827 ließ er einen zweiten Katalog von 295 und 1828 einen dritten von 324 solcher Sterne folgen, und 1830 teilte er wichtige Messungen von 1236 Sternen mit, die er mit einem 20füßigen Reflektor gemacht hatte. Auch lieferte er in diesem Jahre in den «Memoirso der Astronomischen Gesellschaft (Bd. 5) einen Aufsatz, welcher genaue Messungen von 364 Sternen und merkwürdige Resultate über die Bewegung der Doppelsterne enthält. Ferner hat er mehrere Methoden, die Bahnen von Doppelsternen zu bestimmen, in den «Memoirs » gegeben. Nebenbei beschäftigte er sich mit Untersuchungen über physik. Gegenstände. Hierher gehören: Treatise on soundo in der Encyclopaedia Metropolitana v (1830), 4On the theéory of lighto (deutsch von Schmidt, Stuttg. 1831), KPreliminary discourse on the study of natural philosophyo (deutsch von Weinlig, Lpz. 1836), ein integrierender Teil von Lardners Cyclopaedias; Treatise on astronomyo (deutsch von Michaelis, Lpz. 1837), ebenfalls Teil der «Cyclopaedias (1833). Die wichtigste Unternehmung His ist sein vierjähriger Aufenthalt auf dem Vorgebirge der Guten Hoffnung, vom Febr. 1834 bis zum Mai 1838, wo er die ganze südl. Hemisphäre des Sternenhimmels unter außerordentlich günstigen Bedingungen auf das genaueste durchmusterte. Vom Vorgebirge der Guten Hoffnung aus regte er die seitdem mit Erfolg ins Leben getretene Idee an, gleichzeitig an verschiedenen Orten meteorolog. Beobachtungen anzustellen. Bei der Krönung der Königin Victoria wurde er 1838 zum Baronet ernannt, und das Marischal-College (Universität Aberdeen) erwählte ihn im März 1842 zu seinem Lord-Rektor. Die der Wissenschaft durch die Expedition nach dem Cap erwachsene Ausbeute ist von H. in den «Results of astronomical observations made at the Cape of Good Hope (Lond. 1847) zusammengestellt. In Verbindung mit einigen andern Gelehrten arbeitete er alsdann zum Gebrauch der Marineoffiziere ein Manual of scientific enquirys (Lond. 1849) aus und gab unter dem Titel Outlines of astronomys (Lond. 1849, 8. Aufl. 1866) einen mit den Ergebnissen der neuesten Forschungen bereicherten Wiederabdruck seiner früher veröffentlichten Abhandlungen heraus. Außerdem beschrieb er noch das Leben des Astronomen Baily (Memoirsof Francis Bailys, Lond. 1845). Frönias. 1850 ward ihm das Amt eines Direktors des köni Münzwesens (Master of the Mint) anvertraut, welches er im 200te 1855 zu Gunsten Thomas Grahams niederlegte. Im J. 1864 publizierte er im 154. Bande der «Philosophical Transactions [! of the Royal Society of Londono einen neuen f „Catalogue of nebulae and clusters of starsy, der die Positionen von 5079 solcher Objekte enthält. Er starb 12. Mai 1871 zu London; nach seinem Tode erschien noch der Catalogue of 10300 multiple and double starsv.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 161Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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