FeedHerschel (Friedr. Wilh.)
HimmelskundeBrockhaus 1882

Herschel (Friedr. Wilh.), einer der größten praktischen Astronomen, geb. in Hannover 15. Nov. 1738, der dritte Sohn eines Musikers, trat im 14. Jahre bei einem Regiment als Hautboist ein und ging 1759 nach England, wo ihn der Graf von Darlington als Direktor eines von ihm errichteten Musikkorps anstellte. Als dieses eingeübt war, ließ sich H. als Musiklehrer in Leeds nieder und kam dann als Organist nach Halifax, welche Stelle er 1766 mit der eines Musikdirektors in Bath vertauschte. Dabei aber benutzte er jeden freien Augenblick, um die Mathematik und namentlich die Astronomie zu studieren. Da er nicht im Stande, sich ein Teleskop anzuschaffen, so faßte er den Gedanken, eigenhändig den Bau eines solchen zu versuchen, was ihm auch bis 1774 so weit glückte, daß er durch einen selbstgefertigten Reflektor von 1,5 m den Ring des Saturn und die Trabanten des Jupiter beobachten konnte. Von jetzt folgten neue Fernröhre (sämtlich Spiegelteleskope) schnell aufeinander, und viele waren von einer Größe, wie sie bis dahin nirgends angewendet worden waren. Im J. 1780 gab er Beobachtungen über den veränderlichen Stern im Walfisch und eine Berechnung der Höhe der Mondgebirge heraus, und 13. März 1781 entdeckte er einen neuen Planeten, den Uranus, den H. selbst dem König von England zu Ehren Georgsgestirn (Georgium sidus) nannte. Zum Dank für diese Ehre berief ihn Georg III. in seine Nähe und machte ihn zum königl. Astronomen. H. og nach Slough bei Windsor, beobachtete hier die Rebelflecen und Sternhaufen und that dar, daß manche solche Haufen mehr als 5000 Sterne enthalten. Im J. 1787 machte er die Entdeckung zweier zum Uranus gehöriger Nebenplaneten. Auch zwei zum Saturn gehörige Trabanten, die nächsten an dem Hauptplaneten, vermochte er mit seinen mächtigen Instrumenten zu entdecken. Überhaupt ist H. den Astronomen durch seine Kenntnis der deilihm sein und die Verbesserungen daran, wobei ihm sein Bruder Alexander behilflich war, ebenso wichtig als durch seine Entdeckungen am Himmel geworden. Mit seinem großen sog. Riesenteleskop fand er die Zeit der Rotation des Saturn, welche Laplace durch die mathem. Analyse aus dem Gesetz der Schwere berechnet hat, und entdeckte, daß dieser so abweichend von allen andern gestaltete Planet sich um eine Achse dreht, die senkrecht auf seiner Bahn steht. Er schloß aus seinen Beobachtungen, daß das Sonnenlicht nicht vom Sonnenkörper selbst, sondern von starkglänzenden phosphorischen Wolken ausgehe, welche in der Sonnenatmosphäre entstehen, und seine Hypothese über die Konstitution der Sonne ist erst in neuerer Zeit durch die Entdeckungen der Spektralanalyse in den Hintergrund getreten. Zu seinen merkwürdigber Entdeckungen gehört die der Doppelsterne (s. d.), er Nebelflecken und Sternhaufen, deren Beobachtung ihn von 1778 an viele Jahre beschäftigte. Von besonderm Wert sind seine Arbeiten über die relative Helligkeit der Sterne, über die Bewegung des Sonnensystems im Weltraum, über den Bau des Himmels; auch auf dem Gebiet der Physik war H. thätig, spezielle Erwähnung verdienen seine Untersuchungen über Licht und Wärme. H. starb auf seinem Landsitze Slough 25. Aug. 1822. Seine meisten Arbeiten stehen in den Philosophical Transactionso und andern engl. Zeitschriften; auch ist vieles noch ungedruckt. Eine treue und ausharrende Gehilfin bei seinen Beobachtungen und 21b. 16. 9 war seine Schwester, Karoline H., geb. 16. März 1750, die auch als erste Entdeckerin mehrerer Kometen sich bekannt machte und außer mehrern Abhandlungen in den Philosophical Transactions o einen «Catalogue of stars „ (Lond. 1798) herausgab. Sie lebte 1772 —1822 in England und kehrte nach dem Tode ihres Bruders nach Hannover zurück, wo sie, 98 J. alt, Conversations-Lexikon. 13. Aufl. IX. 9. Jan. 1848 starb. Vgl. Wolf, «William H. » (Zür. 1867); Holden, «Sir William H., his life and workso (Washington 1881, deutsch, Berl. 1882); «Memoir and correspondence of Caroline H. (herausg. von Mrs. Hebr Herschel, Lond. 1876; deutsch von Scheibe, Berl. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 160Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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