Herzhypertrophie (Hypertrophia, Hypersarcosis cordis), die Zunahme der Herzmuskulatur und dadurch bedingte Vergrößerung des Herzens, tritt wie die Hypertrophie anderer Muskeln immer nur dann ein, wenn der Herzmuskel infolge mechan. Strömungshindernisse in der Blutbahn anhaltend eine gesteigerte Arbeit zu leisten hat, und betrifft bald nur die linke, bald nur die rechte, bald beide Kammern des Herzens. Ist nur die linke Herzhälfte hypertrophisch, so wird das Herz länger, wogegen die Hypertrophie der rechten Herzkammer eine erhebliche Verbreiterung des Herzens bewirkt; gesellt sich, wie das häufig der Fall ist, nach längerer oder kürzerer Zeit zu der H. eine krankhafte Erweiterung der Herzhöhlen (s. Herzerweiterung) hinzu, so kann das Herz einen ganz erstaunlichen Umfang annehmen (sog. Ochsenherz, cor taurinum). Am häufigsten entsteht die H. nach anhaltenden übermäßigen Muskelanstrengungen, namentlich anhaltenden Märschen, bei Herzklappenfehlern und chronischer Entzündung der Aorta, bei Lungenemphysem und gewissen Nierenkrankheiten, bei denen zahlreiche Haargefäße des Nieren ewebes zu Grunde gegangen sind und so der Blutlauf durch die Nieren große Schwierigkeiten zu überwinden hat (sog. Nierenschrumpfung oder Schrumpfnieren). An und für sich ist die H. durchaus nicht als eine eigentliche Krankheit, sondern vielmehr als eine Art Naturheilmittel zur Ausgleichung oder Kompensation einer vorhandenen Störung zu betrachten, insofern das Herz nur durch die eintretende Vermehrung seiner Muskelsubstanz befähigt wird, die dem Blutumlauf entgegenstehenden Hindernisse zu überwinden. Nur wenn bei solchen Kranken infolge ungeeigneter Lebensweise, übermäßiger Anstrengungen oder zunehmenden Alters eine fettige Entartung des hypertrophischen Herzmuskels sich einstellt, kommt es schließlich zu einer Erlahmung des letztern, zur Erweiterung der Herzhöhlen und Wassersucht, welche gewöhnlich bald das Ende des Kranken herbeiführen. Kranke mit H. leiden viel an Herzklopfen, namentlich beim Steigen und anstrengenden Bewegungen, an Blutandrang nach dem Kopf, Kopfschmerzen, Schwindel und Flimmern vor den Augen, an Atemnot und Beklemmungen; doch läßt sich das Leiden mit Sicherheit nur durch die Perkussion und Auskultation der Brust erkennen. Die Behandlung erfordert vor allen Dingen eine sehr sorgfältige Regulierung der Lebensweise und der Diät insbesondere; der Kranke hüte sich vor jeder körperlichen und geistigen Anstrengung, vor Diätfehlern und Excessen jeder Art und sorge für regelmäßige Darmentleerung und für gehörige Hautpflege durch laue Waschungen und Abreibungen; bei sehr aufgeregter Herzthätigkeit erweisen sich kalte Umschläge oder ein Eisbeutel auf das Herz, kühlende Getränke, reizende Hand⸗ und Fußbäder, sowie die Digitalis nützlich.