FeedHerzverfettung
HeilkundeBrockhaus 1882

Herzverfettung oder Fettherz (Cor adiposum), eine Herzkränkheit, welche in zwei wesentlich voneinander verschiedenen Formen auftritt, und zwar als einfache Fettanhäufung und Fettwucherung in der Umgebung des Herzens und Herzbeutels, wobei das Herz von einer mehr oder minder dicken gelblichen Fettschicht eingekapselt erscheint und so eine Beeinträchtigung seiner normalen Beweglichkeit erfährt, oder als eine allmählich sich entwickelnde fettige 4033. 1959 der eigentlichen Muskelsubstanz des Herzens, wobei die letztere blaß, gelblich verfärbt und mürbe wird und so die Fähigkeit verliert, sich in normaler Weise zusammenzuziehen und dadurch die physiol. Herzarbeit zu verrichten. Nansig kommen beide Formen der H. bei einem und demselben Kranken vor. Unter den Ursachen der Krankheit stehen die allgemeine Fettsucht (s. d.) und die chronische Alkoholvergiftung der Gewohnheitstrinker (s. Alkoholismus) obenan; doch kann sich die fettige Entartung des Herzfleisches auch bei magern und mäßigen Personen infolge von anhaltendem hohen Fieber (Typhus, Pocken, Pyämie) oder allgemeinen Ernährungsstörungen (langwierigen Eiterungen, Blutarmut, Lungentuberkulose, Skorbut u. a.), sowie durch anhaltende ÜUberanstrengung des Herzmuskels allmählich und unbemerkt entwickeln; besonders disponiert erscheinen das weibliche Geschlecht und das höhere Lebensalter. Die hauptsächlichsten Symptome der H. bestehen in allmählich zunehmenden Erscheinungen von Herzschwäche, wozu sich bald Atemnot, Kurzatmigkeit, Beklemmungen, Schwindel und Ohnmachten gesellen; doch vermag nur eine genaue physik. Untersuchung der Brust die Diagnose zu sichern. Geringere Grade der Krankheit können bei zweckmäßigem Verhalten in Genesung übergehen, während höhere Grade oft ganz plötzlich unter den Erscheinungen der Herzlähmung (s. d.) tödlich enden. Hinsichtlich der Behandlung ist es von der zrößten Wichtigkeit, die gesamte Lebensweise des tranken auf das strengste zu regeln; die Diät sei nahrhaft und leichtverdaulich, vermeide aber sorglichst alle Nahrungsmittel, welche eine übermäßige Fettentwickelung begünstigen (s. unter Fettsucht); betreffs der übrigen Lebensweise gilt bei der H. dasselbe wie bei den übrigen Herzkrankheiten. (S. unter Herzfehler.) Daneben wirken auch zeitweiliger Gebrauch auflösender Mineralwässer (Marienbad, Kissingen, Karlsbad, Tarasp), regelmäßige Bewegung im Freien und tägliche kalte Waschungen der Brust nützlich.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 176Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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