Hetärie (grch., d. h. Verein, Genossenschaft von Freunden), im alten Griechenland gemeinsamer Name aller zu irgend einem Zweck bestehenden Genossenschaften, insbesondere der polit. Klubs. In der Geschichte Neugriechenlands versteht man unter diesem Namen hauptsächlich die sog. Hetärie der Befreundeten (oder Philiker), einen geheimen polit. Bund, der sich 1814 in Odessa bildete und die Befreiung der Griechen vom türk. Joch bezweckte. Nicht zu verwechseln mit dieser H. ist die vom thessalischen Griechen Rhigas Pherrhäos in der Mitte des 18. Jahrh. gebildete und mit der Hinrichtung des Stifters durch die Türken (1798) aufgelöste Geheimbund, noch auch die sog. Philomusenhetärie (Gesellschaft der Musenfreunde), welche 1812 in Athen gestiftet wurde und zu ihrem nächsten Zwecke Erhaltung und Schutz der Altertümer gegen fremde Ausführer, Gründung eines Museums und Errichtung von Schulen hatte. Die eigentliche H. hatte gleich anfangs einen rein polit. Zweck, den der Befreiung Griechenlands, ins Auge gefaßt. Ihre ersten Stifter waren N. Scouffas, ein griech. Kaufmann, und der Freimaurer E. Xanthos, zu denen sich später auch A. Tsakaloff gesellte, der schon früher in Paris mit andern jungen Griechen einen geheimen polit. Bund gestiftet hatte, dessen polit. Tendenzen unter dem Titel «Gasthaus der griech. Zungey verborgen wurden. Die Mitglieder der H. zerfielen in sieben Abstufungen und wurden danach Bundesbrüder, Lehrlinge, Priester, Hirten, Oberhirten, Eingeweihte und Höchsteingeweihte genannt. Die zwei letzten Grade hatten einen militärischen Charakter und waren vielmehr für den Krieg bestimmt. Durch die eifrigsten Bemühungen der ersten Stifter und die zahlreichen Apostel, die sie überall in die Balkanhalbinsel abordneten, wurden in kurzer Zeit der H. viele Anhänger gewonnen, und fast alle mehr oder minder bedeutenden Männer, die damals Griechenland aufzuweisen hatte, waren bald in ihr Geheimnis eingeweiht. So kamen bis 1819 zu den Gründern Galatis, Komitsopulos, Sekeris, Levendis, Dikäos (Papa-Ilessas), Bischof Ignatios, Gazis, Patsimadis, Mavrocordatos und die Brüder Nikolaus, Georg und Demetrius Ypsilantis. Außerdem sind von den Mitgliedern der H. Zaimis Mavromichalis, Patriarch Gregorius, auch der Fürst Milosch von Serbien zu nennen. Indessen war die Gefahr der Entdeckung für den Bund und die Mitglieder des leitenden Ausschusses infolge der Verbreitung der H. mit jedem Jahre drohender. Schon war man zweimal dem Verrat durch die auf Befehl des Direktoriums erfolgte Ermordung zweier unzuverlässiger Apostel zuvorgekommen. Man mußte zur That schreiten, und dazu hatte man vor allem einen wirklichen Chef nötig, welcher vom Anfang der H. immer in mystisches Dunkel gehüllt geblieben war, indem von den Eingeweihten mit großem Geschick auf den Kaiser Rußlands selbst hinaufgewiesen wurde, so oft die Ungeduld der Griechen auf Gewißheit bezüglich der höchsten Leitung des Bundes drang. So wurde nun beschlossen, eine bedeutende Persönlichkeit an die Spitze der H. zu stellen, und der Hetärist Ranthos ward 1819 nach Petersburg geschickt mit dem Auftrage, den Grafen Kapodistrias zur Annahme der Oberleitung des Bundes zu bewegen. Da aber dieser ablehnte, wandte sich Kanthos an Alexander YPpsilantis, damals General in russ. Dienste, der sich bereit erklärte, die ihm angebotene Oberleitung zu übernehmen, in dem Glauben, das Unternehmen würde vom Zaren gebilligt und eventuell auch unterstützt werden. So wurde nun Ypsilantis zum Generalaufseher des Hauptes ernannt, und seinem Wirken ist hauptsächlich der Ausbruch der griech. Revolution in den Donaufürstentümern zuzuschreiben, deren verhängnisvoller Ausgang der H. bald ein Ende setzte. (S. Griechenland, Geschichte.) Vgl. Mendelssohn-Bartholdy, «Die H.v», in Sybels „Historischer Zeitschrifto, Bd. XVI.