Hetären (d. h. Freundinnen), bei den Griechen beschönigende Bezeichnung für Buhlerinnen. Solche fanden sich in größerer Zahl in den Städten, in welchen um des Handels oder sonstiger Interessen willen viele Fremde zusammenströmten, wie besonders in Milet, der griech. Metropole Kleinasiens, in Korinth (wo ihr Gewerbe anfangs durch Verbindung mit dem Kultus der Aphrodite eine gewisse religiöse Weihe gehabt hatte) und in Athen. Es waren gewöhnlich freigelassene Sklavinnen, aber auch Freigeborene, die in den verschiedensten Abstufungen unter dem Aushängeschild einer erheiternden Kunst, als Tänzerinnen, Zither- und Flötenspielerinnen, bei Gastmählern und andern Festlich— keiten ihre Reize ausboten. Der Umgang mit H. galt in Griechenland nicht als entehrend. Infolge davon, daß in der Zeit nach Ausbildung der chellenischeno Stämme bis zu der in dieser Richtung wesentlich günstigern Zeit Plutarchs die Stellung und Bildung der griech. Frauen durch die Sitte im allgemeinen äußerst beschränkt war, wurde es solchen, die sich über die Sitte hinwegsetzten, leichter, vor jenen durch Geist und Feinheit und Gewandtheit im Umgang sich auszuzeichnen. So erklärt es sich, daß, wenn man auch von einer Ers cheinung wie Aspasia (s. d.), die neuerdings überhaupt vielfach nicht mehr als H. angesehen wird, absieht, einige H. auch bedeutende Dichter, Philosophen, Redner und Staatsmänner dauernd zu fesseln wußten, wie Thais, die Geliebte des Ptolemäus Lagi, Lamia, die den Demetrius Poliorketes ganz in ihrer Gewalt Roch Leontion, die Geliebte Epikurs, und andere. och andere wurden durch ihre verführerischen Künste berühmt, wie Lais aus Sicilien in Korinth, oder durch berühmte Künstler verherrlicht, wie Phryne aus Thespiä in Athen durch Praxriteles. Verhältnisse zu H. bilden den Hauptgegenstand der sog. neuern griech. Komödie, die freilich außer durch Fragmente hauptsächlich durch die vergröberten Nachbildungen des Plautus und Terenz bekannt sind; von erhaltenen Werken der griech. Litteratur, die sich mit ihnen beschäftigen, sind besonders Lucians «Hetärengesprächer und Alciphrons Hetärenbriefes zu nennen. Ein lebendiges Bild von dem Leben und Treiben derselben hat Wieland in Menander und Glyceriono sowie im Aristippo entworfen. F. den de gab in 57 Abhandlungen, (Die hellenischen Frauenv und Von den H.v, in den 4Vermischten Schrifteno (Bd. 4, Lpz. 1830) eine feinsinnige und belehrende Schilderung.