Hippias, der zwischen 565 und 560 v. Chr. geborene ältere Sohn des Pisistratus von Athen, kämpfte 538 v. Chr. mit seinem Vater in der Schlacht bei Pallene, die seinem Hause die Tyrannis in Attika sicherte. Nach des Vaters Tode (527 v. Chr.) ergriff H. die Zügel der Regierung und führte, durch seinen Bruder Hipparch (s. d.) unterstützt, längere Jahre ein kraftvolles und intelligentes Regiment. Aber nach der Ermordung seines Bruders Hipparch (514) wurde H. argwöhnisch und mißtrauisch und unter Umständen grausam. Als nun eine Schar athenischer Flüchtlinge unter Führung des Alkmäoniden Kleisthenes 513 v. Chr. einen, wenn auch mißlungenen, Freischarenzug gegen Attika versuchte, verband sich H. mit den thessalischen Aleuaden, mit König Amyntas von Macedonien, mit dem in Susa einflußreichen Fürsten Hippoklos von Lampsakos und endlich auch mit Sparta. Nun aber gelang es den Alkmäoniden durch wiederholte Mahnungen der Pythia, die Spartaner zur Wiederaufnahme ihrer der Tyrannis feindlichen Politik zu bestimmen. Und als das gegen Athen ausgeschickte peloponnes. Heer unter Archimolios (510 v. Chr.) auf der attischen Ebene bei Phaleron durch die thessalische Reiterei eine Niederlage erlitt, führte König Kleomenes J. eine große Streitmacht, zu welcher die attischen Verbannten sich gesellten, gegen Athen. Nach wenigen Tagen wurde H. zur Ergebung und zur Auswanderung nach Sigeion in Troas genötigt, wo unter pers. Oberhoheit sein jüngerer Stiefbruder etwa seit 533 v. Chr. regierte. Seit dieser Zeit war H. anderwärts bemüht, die Herrschaft über Athen zurückzugewinnen. Zu diesem Zwecke schloß er sich endlich der pers. Politik pvollständig an und befand sich auf der Flotte des Großkönigs, welche 490 v. Chr. gegen Attika auslief. Aber mit der Niederlage der Perser auf der Ebene von Marathon scheiterten auch des H. letzte Hoffnungen; auf der Rückfahrt der asiat. Flotte starb er zu Lemnos.