Ismail Pascha, Vizekönig (Chedive) von Agypten, der Sohn Ibra W geb. zu Kairo 31. Dez. 1830, erhielt zu Paris eine europ. Erziehung, wurde nach seiner Rückkehr zu verschiedenen diplomatischen Missionen nach Konstantinopel, Rom und Paris verwandt und hierauf von Said Pascha in den ägypt. Staatsrat berufen. Im J. 1861 führte er bei längerer Abwesenheit Said Paschas stellvertretungsweise die Regierung und wurde dann nach dem Sudan zur Unterdrückung eines Aufstandes geschickt, welche Aufgabe er schnell und energisch erledigte. Nach dem am 18. Jan. 1863 erfolgten Tode Saids trat J. die Regierung an und bekannte sich sofort zu den liberalen und reformatorischen Grundsätzen seines Vorgängers. Er hat sich große Verdienste um Agypten erworben durch Erweiterung des Kanalsystems, durch Förderung des Baues des Suezlanals, durch Anlegun eines trefflichen Eisenbahnnetzes im Delta, dur großartige Hafenbauten in Alexandria, durch Errichtung von Schulen. Aber seine maßlose Verschwendungssucht brachte ihn und das Land um alle Vorteile seiner wirtschaftlichen Reformen. Obgleich er der Besitzer und Bewirtschafter des größten Teils des nutzbaren Bodens war, wodurch große Summen in seine Kasse flossen, griff er doch, um seine Einkünfte zu erhöhen, zu den schlimmsten Mitteln: im Lande wurden Zwangsanleihen gemacht, manche Jahressteuer zweimal erhoben, den Beamten kein Gehalt, den Lieferanten der Betra ihrer Rechnungen nicht ausbezahlt. Da er durch Aufstellung eines ansehnlichen Heeres und einer Flotte das Mißtrauen der Pforte erregte, so kam es zu einem Konflikt, in welchem letztere, von den meisten europ. Großmächten unterstützt, den Chedive zur Auslieferung seiner Panzerschiffe nötigte (1870). Aber die reichen Geschenke, welche er bei einem Besuche in Konstantinopel darbrachte, verschafften ihm den Erlaß des Fermans vom 8. Juni 1873. Durch denselben wurde das bisherige Erbfolgerecht, wonach dem jeweiligen Chedive sein ältester Bruder folgte, dahin abgeändert, daß zunächst der älteste Sohn des Chedive nachfolgen sollte, und solche Zugeständnisse gemacht, durch welche die Regierung des Chedive beinahe völlig unabhängig wurde. Als Zeichen der Anerkennung der Oberhoheit des Sultans hatte der Chedive jährlich einen Tribut von etwa 9Mill. Mark zu bezahlen, und im Russisch— Türkischen Kriege von 1877 mußte er der Pforte auf seine Kosten 6000 Mann zur Verfügung stellen. Seine Versuche, in der Richtung nach Süden seine Macht auszudehnen, hatten nicht alle einen guten Erfolg. Er eroberte zwar 1874 im Sudan die Provinz Darfor und verleibte sie Agypten ein; aber sein Angriff auf Abessinien mißlang, er wurde mehrmals geschlagen und konnte kaum den Hafenplatz Massaua retten. Im J. 1875 mußte J., um den dringendsten Geldverlegenheiten zu entgehen, die noch in seinen Händen befindlichen 177000 Stück a Regterung v.v um 4 Mill. Pfd. St. an die engl. Regierung verkaufen. Und doch mußte 1876 die Ausbezahlung der Coupons der Schulden der Daira, d. h. des Privatbesitzes des Chedive, auf ein Vierteljahr suspendiert werden. Zuletzt kam es so weit, daß er durch engl. Beamte sein Finanzwesen untersuchen ließ; daß, auf den Ausspruch der engl.⸗franz. Kommission, der Chedive seinen gesamten Grundbesitz an den Staat abtrat; da in das neue Kabinett von 1878 der Engländer Wilson als Finanzminister, der Franzose de Blignières als Minister für öffentliche Arbeiten aufgenommen wurde und der Chedive selbst nur der Vollstrecker der Beschlüsse des Ministerrats sein sollte. Diese Abhängigkeit vom Ministerrat ertrug er nicht lange. Zuerst wollte er durch eine Soldatenemeute in Kairo das Ministerium zum Rücktritt bringen; aber dieser am 18. Febr. 1879 enStaatz-Plan mißlang. Dann machte er seinen Staatsstreich vom 7. April: er legte den Konsuln der fremden Mächte den Entwurf einer finanziellen Reform vor, wollte den europ. Mächten immerhin ein Aufsichtsrecht in Finanzsachen zugestehen, beharrte aber auf der Entfernung der fremden Minister und berief ein aus lauter Eingeborenen bestehendes Ministerium. Aber Wilson und Blignières, welchen der Chedive ihre Entlassung zugeschickt hatte, weigerten sich, ohne ausdrückliche Ermächtigung ihrer Regierungen von ihrem Ministerposten zurückzutreten. Re diesem Konflikt brachte eine Note der deutschen eichsregierung die Entscheidung. Sie protestierte gegen das vom Chedive 22. April erlassene Dekret, wodurch die internationale demDereet ier beseitigt werden sollte, und sprach jenem Dekret jede rechtsverbindliche Kraft ab. Sämtliche Großmächte schlossen sich diesem Protest an. Da J. dem Rate der Großmächte, freiwillig abzudanken, nicht folgte, so erhielt er 26. Juni vom Sultan den Befehl, sein Amt niederzulegen, und sein Sohn Tewfik Pascha wurde zum Chedive ernannt. J., welcher eine Civilliste von 50000 Pfd. St. erhielt, verließ Agypten und begab sich mit seinen zwei jüngern Söhnen, Hussein Kamil Pascha und Hassan Pascha und mit seinem Harem nach Neapel und von dort, da sein Harem zu einer Interpellation in der ital. Kammer führte, 1881 nach Rom nachdem er seinen Harem fortgeschickt hatte. (S. gypten.) Jomailia, ägypt. Stadt auf dem Isthmus von Suez, am Suezkanal, an der Eisenbahn von Sagasig nach Suez und am Timsahsee 1863 regelmäßig an-Tunti Hier ist der von Kairo aus durch das Wadi umilath gegrabene Süßwasserkanal durch die Schleuse von Nefisch mit dem maritimen Kanal verbunden und wendet sich dann in südl. Richtung dem Binnenhafen von Suez zu. Die Stadt ist eine besondere Mohafza oder Gouverneurschaft, Sitz eines Gerichtshofs erster Instanz, hat ein vizekönigl. Schloß, breite Straßen und mit Bäumen besetzte 18976˙— Plätze, zählt aber 1877 nur noch 1897 E. — J. ist auch der jetige Name von Gondokoro s. d.). (sarier.