FeedHistrionen
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Histrionen hießen bei den Römern die Schauspieler. Als 364 v. Chr. eine Pest in Rom ausgebrochen war, wurden unter andern zur Versöhnung der Götter angewandten Mitteln auch zuerst Schauspiele (ludi scenici) angestellt, die von Schauspielern, welche man aus Etrurien berief, aufgeführt wurden. Diese Schauspiele bestanden nur aus mimischen Tänzen mit Flötenbegleitung. Sie wurden von Leuten aufgeführt, die ein Gewerbe daraus machten, und diese wurden mit dem aus der etrurischen Sprache entlehnten Worte histriones, vor welchem das einheimische ludiones mehr zurücktrat, benannt. Derselbe Name ging, als Livius Andronicus um 240 v. Chr. das kunstgerechte röm. Drama begründete, auf die Darsteller (actores) dieser Dramen, Komödien und Tragödien über, auch die Darsteller der Mimen und Pantomimen, die später kunstmäßig ausgebildet wurden und in der Kaiserzeit das eigentliche Schauspiel überwucherten, wurden in dieser unter H. im weitern Sinne mit inbegriffen. Die H. bildeten Truppen (greges), an deren Vorsteher, der gewöhnlich selbst Schauspieler (actor) war, sich die Magistrate, welche dem Volke Schauspiele zum besten geben wollten, wendeten. Die Besoldungen (mercedes) der H. stiegen so hoch, daß Tiberius sich veranlaßt fand, sie zu beschränken. Weibliche Rollen wurden durch Männer, erst in der spätesten Kaiserzeit auch durch Weiber gespielt. Das Volk gab den H. den Beifall durch Klatschen (plausus), das Mißfallen durch Pfeifen (ibilus) zu erkennen. Einer der berühmtesten römischen H. war Roscius (s. d.), für den Cicero in einer noch erhaltenen Rede als Anwalt auftrat. Die H. gehörten meist dem Stande der Freigelassenen an; auch Sklaven fanden sich unter ihnen. Die Bescholtenheit „ntamia), der ihr Gewerbe unterlag, traf nicht die röm. Jünglinge, welche die einheimischen volksmäßigen Fescenninen, Saturä und Atellanen darstellten und welche nicht H. genannt wurden. —

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 271Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Handwerk & Gewerbe 6