FeedTragödie
Literatur & SpracheRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Tragödie, Eine Art von theatralischen Spielen, worinnen das Leben und die Thaten der Fürsten und Helden vorgestellet werden. Eine Tragödie war anfänglich nur ein gewisser Gesang von der heydnischen Religion, welcher dem Baccho zu Ehren gesungen wurde; wobey die Poeten einen Ruhm in Verfertigung ihrer Lieder suchten. Es sind aber zweyerley Gattungen von Tragödien gewesen. Einige endigten sich mit der Vorstellung einiges merckwürdigen Unglücks, so den Helden begegnet, andere hingegen hatten anmuthige Ausgänge, und endigten sich mit Vergnügen der vornehmsten Personen. Jedoch haben einige sich eingebildet, daß der Nahme Tragödie allein solchen Vorstellungen zukäme, deren Ausgang allezeit einen Unglücks-Fall vorstellet, welcher Jrrthum daher kam, weil die Tragödien insgemein solche traurige Ausgänge hatten, entweder, daß es die Historien also mit sich brachten, oder weil sich die Poeten nach dem Gemüth der Einwohner richteten, welche sich an solchen Dingen vergnügten. Allein dieses geschahe nicht allezeit; massen wir an den 19 Tragödien des Euripidis sehen, daß die meisten einen glücklichen Ausgang gehabt. Aristoteles theilt die alte Tragödie in 4 Stück, welche sind der Prologus; der Chorus, Episodion und Exodus, die neuen aber hatten fünf Handlungen, und eine iede verschiedene Scenen, wobey auch noch die Interactus, die Intermedia und eine Music waren.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 2225–2226Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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