Hochätzkunst oder Ektypographie ist die Atzkunst zur Erzeugung von Hochdruckplatten in ebener Bildfläche für die Buchdruckpresse. Wenn bei der Kupferstechkunst (s. d.) die Linien einer Zeichnung vertieft zu geben sind, so gilt es bei der H., die Züge der Zeichnung erhaben zu stellen. Ein anderer Unterschied beider ist der, daß bei der H. der Effekt nur durch die Breite der Linien und ihre gegenseitige Entfernung hervorgebracht wird, während bei der Atzung für den Tiefdruck des Kupferstichs derselbe durch die geringere oder größere Vertiefung der Linien erreicht wird. Die H. wurde früher nur dazu verwendet, um Ornamente, Schriftzüge mit leichterer Mühe als durch Gravieren oder Aushauen erhaben darzustellen; man findet schon Spuren dieser Verfahrungsart im Altertum, und das Mittelalter bildete auf Rüstungen, Degenklingen künstlerische Darstellungen. Das Bedürfnis, Illustrationen in dem Text von Büchern abdrucken zu können, führte darauf, dergleichen Zeichnungen erhaben in Holz oder Metall zu gravieren. Senefelder verfiel auf die Idee, Zeichnungen mit fettigen Substanzen auf lithographischen Stein zu bringen und den Grund so tief fortzuätzen, daß Abdrücke gemacht werden konnten. Diese Erfindung wurde nicht weiter verfolgt, bis Cberhard in Darmstadt und später Duplat, Didot, Motté in Paris, Bauerkeller in Wertheim und Baumgärtner in Leipzig (letzterer unter Mitwirkung des Dr. Netto) dieselbe wieder aufnahmen, auch Clichés in Schriftmasse davon erzielten. Dies dalle auf den Gedanken, das Verfahren auf Metalle als geeigneteres Material anzuwenden und so Metallstöcke zu erzeugen, welche die Holzschnittersetzen, aber wohlfeiler werden sollten. Carrs in Toul lieferte bereits 1824 Proben davon, Dembour in Metz vervollkommnete das Verfahren, und Gillot in Paris brachte solches unter der Bezeichnung Panicographie zur größten Vollendung. Piil stellte Hochdruckplatten durch Chemitypie (s. d.) her. Als Grundlage wurden Kupferplatten benutzt; Eberhard aber wendete zuerst Zinkplatten an, welches Verfahren sich zu großer praktischer Bedeutung entwickelt hat und sowohl für die Herstellung von Landkarten auf der Buchdruckpresse als für bildliche Darstellungen verschiedenster Art angewendet wird. Die Abbildungen, welche durch Atzung in Hochdruckplatten umgewandelt werden sollen, können sowohl auf Papier zur photographischen übertragung auf Zink oder direkt auf die Zinkplatte oder auf Umdruckpapier gezeichnet und dann auf die Zinkplatte übergedruckt, als auch auf lithographischen Stein in Kreidemanier oder mit der Feder gezeichnet, graviert oder autographiert, oder von Stahl⸗ und Kupferplatten auf Zink Ibeddnz werden; einen für Hochätzung geeigneten Überdruck von einer photographischen Glasmatrize kann man entweder durch unmittelbare Copie, oder durch Übertragung auf lichtempfindliches Papier und von diesem auf eine Zinkplatte gewinnen. Verkleinerungen werden beim photographischen Verfahren mit diesem, bei dem Umdruckverfahren vermittels des Gummiplattenapparats vorgenommen. Das Verfahren besteht darin, daß man auf die fein polierte Platte mit einer chem. Tusche mit der Feder oder dem Pinsel eine Zeichnung ausführt oder ein Bild vom Lithographiesteine oder von einer Metallplatte auf die Zinkplatte durch Umdruck überträgt und alsdann mit Säuren die unbezeichneten Stellen tief ätzt. Eine andere Art, die erhabenen Metallstöcke zu erzeugen, besteht darin, sie durch einen Niederschlag von galvanischem Kupfer darzustellen. Die Zeichnungen werden auf einer mit einem Deckgrunde versehenen Kupferplatte dadurch hervorgebracht, daß man an den bezeichneten Stellen mit der Nadel das Kupfer bloßlegt, nun die so bezeichnete Platte in einen galvanischen Apparat bringt, dort als Matrize betrachtet und eine neue Kupferplatte darauf niederschlägt, welche dann alle Linien der Zeichnung erhaben darstellt und als Buchdruckerstock gebraucht werden kann. Neuerdings tritt die Photographie vor allem helfend ein, um Hochdruckplatten zu erzeugen. Der zum Teil komplizierten Manieren gibt es eine große Zahl, sodaß sie an dieser Stelle nicht aufgeführt werden können. Eins der neuesten Verfahren wollen wir jedoch mitteilen: Von einem weißen, mit Linien oder punktiertem Netz bedruckten Blatt Papier wird ein Negativ auf Glas erzeugt und dieses Negativ nochmals zur photographischen Aufnahme des betreffenden Gegenstandes oder Bildes benutzt. Wenn nun dieses zweifache Negativ auf 1 kopiert wird, bilden sich bei der Atzung aus inien und Punkten bestehende Töne. Auf diese Weise wird es möglich, in Buchdruck leicht druckbare Platten zu erzielen. Das von Meisenbach in München erfundene und von ihm Autotypie genannte Verfahren dürfte auf gleicher Grundlage beruhen. Die Hochätzung durch photographische Übertragung eines Bildes auf Zink wurde in vollkommenster Weise zuerst von Gebrüder Benziger in Einsiedeln und dann von Angerer & Göschl in Wien ausgeübt. Die Hochätzung wird auch in verschiedenen Manieren vielfach für Abbildungen der gegenwärtigen Auflage des Conversations-Lexikon angewendet, für welches nicht nur ein großer Teil der Tertfiguren, sondern auch Tafeln durch dieselbe hergestellt sind; so sind die Tafeln: Arabesken, Büchereinbände, Elfenbeinarbeiten, Glas II, Goldschmiedekunst nach Handzeichnungen photographisch auf Zink übertragen und hochgeätzt; die Tafeln: Bänder, Baucheingeweide des Menschen nach Stahlstichen in gleicher Weise behandelt. Die Tafeln: Agyptische Altertümer und Agyptische Mythologie sind nach gravierten Lithographien durch Umdruck auf Zint in Hochätzung verwandelt. Vgl. Scherer, „Lehrbuch der Chemigraphie v (Wien 1877); Husnik, „Das Gesamtgebiet des Lichtdrucksy (2. Aufl., Wien 1880); Toifel, Handbuch der Chemigraphies (Wien 1883); Krüger, Die Zinkogravüre » (2. Aufl., Wien 1884); Böck, «Das Atzen in Zinko (Lpz. 1884).