Heliograph ist auch Bezeichnung für eine in neuerer Zeit von dem Engländer Manee erfundene, zu Zwecken der Feldtelegraphie bestimmte Vorrichtung. Mancee benutzt einen drehbaren Spiegel, um durch Reflex der Sonnenstrahlen Lichteindrücke von kürzerer oder längerer Dauer auf große Entfernungen hin hervorzubringen. Durch entsprechende Kombination derselben wird, ähnlich wie beim Morse-Apparat, aus Punkten und Strichen ein Alphabet gebildet. Der H. von Manee soll bei Versuchen in England günstige Ergebnisse geliefert haben; indes schließt die Abhängigkeit des H. vom Sonnenlicht eine unbedingte Brauchbarkeit desselben aus. Vgl. Poten, «Handwörterbuch der gesamten Militärwissenschafteno (Lpz. 1877. inen Wissenpche (grch.) ist zunächst der Name derjenigen Wissenschaft, welche sich mit der Lehre von der Sonne als Weltkörper befaßt, also soviel wie Sonnenbeschreibung, Sonnenkunde. Dann aber bezeichnet man auch mit H., zuweilen Heliotypie genannt, einerseits die Kunst, mit Hilfe der chem. Wirkung des Lichts ein vertieftes Bild auf einer Metallfläche hervorzubringen, welches sich in Kupferdruckmanier abdrucken läßt, andererseits die von solcher Metallfläche gewonnenen Abdrücke. Das erste heliographische Verfahren wurde von Nicophore Niepce 1827 erfunden. Es gründet sich auf die Anwendung von Asphalt. Asphalt hat die Eigentümlichkeit, durch chem. Wirkung des Lichts seine Löslichkeit in ätherischem Ol zu verlieren. überzieht man demnach eine Metallplatte mit einer Auflösung von Asphalt in Lavendelöl, trocknet die Schicht und belichtet sie unter einer auf durchscheinendem Papier gefertigten Zeichnung, so halten die schwarzen Striche das Licht zurück, an den darunter befindlichen Stellen bleibt somit der Asphalt löslich; unter den Licht durchlassenden weißen Stellen der Zeichnung wird er aber unlöslich. Behandelt man demnach eine in dieser Weise belichtete Platte mit Lavendelöl, so wird der lösliche Asphalt weggenommen, der unlösliche bleibt zurück. Das Metall wird daher an allen Stellen, die nicht durch die Striche der Zeichnung gedeckt waren, seine Asphaltdecke behalten. Gießt man eine ätzende Säure auf die Platte, so frißt diese das Metall an allen freien Stellen an, an den geschützten aber nicht, und so entsteht eine vertiefte Zeichnung in Metall, ähnlich einer Radierung. Dieses Niepeesche Asphaltverfahren erfordert we— gen der geringen Lichtempfindlichkeit des Asphalts eine sehr lange Belichtung. Ein anderes heliographisches Verfahren ist das von Forx Talbot; derselbe benutzt mit einer Mischung von chromsaurem Kali und Leim überzogene Metallflächen. Die genannte Mischung verliert bei der Belichtung ihre Löslichkeit in warmem Wasser, ähnlich wie Asphalt im Licht seine Löslich— keit in ätherischen Slen verliert, und erlaubt deshalb in ganz analoger Weise, wie oben beschrieben, die Herstellung einer Radierung mit Hilfe des Lichts. Ein drittes Verfahren rührt von Scamoni her. Dieser fertigt auf gewöhnlichem photographischem Wege mittels Silbersalzen ein positives Bild auf Collodium. Ein solches Bild stellt ein schwaches Relief dar, welches durch geschickte Verstärkung erhöht, dann galvanoplastisch abgeformt werden kann und dadurch ebenfalls eine ab— druckbare Metallplatte liefert. Ein viertes Verfahren, welches jetzt allgemeiner als die beschriebenen angewendet wird, ist das photogalvanographische, das Pretzsch (s. Galvanographie) zuerst benutzte und das nach mancherlei Verbesserungen jetzt in der Art ausgeübt wird, daß man von einem photographischen, nach einer aio ine oder einem Stich angefer— tigten Negativ eine Lichtkopie auf Pigmentpapier herstellt und das so erhaltene Bild auf eine blanke Kupferplatte überträgt und entwickelt. (S. Pigmentprozeß unter Photographie.) Das reliefartig heraustretende Bild wird alsdann galvanoplastisch abgeklatscht und dadurch eine vertiefte, zum Kupferdruck geeignete Platte gewonnen. Diese Verfahren eignen sich hauptsächlich zur Wiedergabe von in Strichmanier ausgeführten Zeichnungen oder Stichen, z. B. Landkarten, Kupferstiche (die nach gravierten Blättern auf Kupfer angefertigten H. nennt man wohl auch Heliogravüren), viel weniger aber zur Wiedergabe von Halbtonbildern; sie werden hauptsächlich zur Reproduktion von Karten und bei der Herstellung von Wertpapieren angewendet, bei welchen es auf eine absolut treue Wiedergabe eines Originals in mehrern Druckplatten ankommt. Neben dem oben beschriebenen Verfahren existieren noch zahlreiche Modifikationen desselben, von Negre, Placet, Baldus, Pretzsch, Mariot u. s. w. Im Prinzip verwandt ist der Heliogravüre die sog. Photogravüre, welche sich die Wiedergabe von Halbtönen zum Ziel setzt. (S. Photographie.) Wird die Belichtung einer mit Asphalt oder Leimchromat überzogenen Platte unter einem negativen Bilde vorgenommen, so erhält man beim nachfolgenden Atzprozeß ein erhabenes Bild, welches in der Buchdruckerpresse abgedruckt werden kann. Man bezeichnet dieses Verfahren zuweilen als Helio— plastik oder Phototypie. Vgl. Scamoni, Handbuch der H. (Berl. 1872); Husnik, «Die H.v (Wien 18789).