FeedHondüras
ErdkundeBrockhaus 1882

Hondüras, einer der fünf Freistaaten von Centralamerika (s. d.), grenzt im NO. an das Antillenmeer, im N. an die Hondurasbai, im NW. und W. an Guatemala, im SW. an San-Salvador, im S. an die Südsee, im SO. an Nicaragua und umfaßt ein Areal von 120480 akm. Am Atlantischen Meer hat die Küste eine Entwickelung von 650 km und in den Bay-Inseln (s. d.) eine wahre Bereicherung. An der Südsee umfaßt die Küstenlänge der Fonsecabai etwa 100 km, und von deren vier 0 H. gehörigen Inseln besitzt Tigre den vortrefflichen Hafen Amapala (s. d.). H. trägt durchgängig den Charakter eines Gebirgslandes. Die Hauptcordillere, welche gegen WNW. gerichtet und die Wasserscheide zwischen beiden Oceanen bildet, stellt sich als ein großer, breiter Gebirgskörper mit vorherrschend plateauartiger Oberfläche dar. Die mittlere Höhe der westl. Cordillere beträgt nicht über 2000 m, die — des Plateau etwa 1000 m. Das Land, rei ewässert, hat mehrere größere O welche jedo als Wasserstraßen der künstlichen Nachhilfe bedürfen. In die Fonsecabai fließen der Grenzfluß Gogscoran und der Choluteca oder Rio Grande de Tegucigalpa, in die Hondurasbai unter andern der Chamelicon, der Ulua (im obern Laufe Humuya), welcher fast ein Drittel von H. bewässert, der Roman oder Aguan, Rio Tinto oder Negro (im N.- nern Soyas), der Patuca und der Wanks oder ovia, an der Grenze gegen Nicaragua, der längste Nuß Centralamerikas. Der bedeutendste See ist die 650 m über dem Meere gelegene Laguna da Hoyoa oder de Taulabe. Das Klima des Landes ist, mit Ausnahme der heißen Küstenebenen, gesund. Der größte Teil des Hochlandes gehört zur Tierra Templada, in der fast überall neben den Früchten der gemäßigten Zone noch die der tropischen Zone bar. Der Boden zeigt sich durchgängig fruchtar. Mit ausgedehnten Savannen wechseln im Dichenwa noch größere Waldungen besonders ichtenwälder. Die Wälder des Küstenstrichs bieten außer der Fichte die schönsten Nutzhölzer, namentlich Mahagoni und Farbeholz, und enthalten zugleich die meisten andern Bäume und Sträucher Centralamerikas, namentlich Vanille, Sassaparille, Guayac, Ipecacuanha u. s. w. Der sehr fruchtbare Boden der Ebenen im Norden und Osten eignet sich zum Anbau von Baumwolle, Reis, Zucker, Kakao, Tabak u. s. w. Die Zucht von Pferden, Maultieren und Rindvieh, sowie die Bereitung von Käse bildet in einem großen Teile des Landes den fast ausschließlichen Gewerbszweig. Zugleich ist H. reich an Metallen, insbesondere an Gold und Silber. (Vgl. die Karte: 50derr und Centralamerika.) Die Bevölkerung von H. wird auf 350000 bis 400000 E. geschätzt, welche in 184000 Indianer, 205000 Mestizen, 5750 Weiße und 5250 Neger zerfallen. An der Nordküste wohnen etwa 20000 Karaiben, welche von den 1796 von den Engländern nach der Insel Ruatan deportierten Ureinwohnern der Antilleninsel St.⸗Vincent abstammen und durch Arbeitstüchtigkeit, Intelligenz und Zuverlässigkeit sich auszeichnen. Die Haupterwerbszweige bilden die Landwirtschaft und der Bergbau. Doch liegen beide so sehr danieder, da H. gegenwärtig als der ärmste der centralamerik. Staaten gilt. Außerdem fehlt es in H. an aller eigentlichen Industrie, und ebenso ist der Handel, dessen Centrum Tegucigalpa, von geringer Bedeutung. Die Ausfuhr, auf jährlich 1805 000 Doll. geschätzt, besteht hauptsächlich in Vieh, Holz, Gold, Silber, Indigo und Leder. Der auswärtige Handel verteilt sich ungefähr zu gleichen Teilen auf die Häfen Truxillo und Omoa an der Nordküste und auf die an und in der Fonsecabai gelegenen Häfen San-Lorenzo oder La Paz, Pedeyral und besonders Amapala. Von der Interoceanischen Eisenbahn, welche von Puerto-Caballos (I. d.) nach Amapala gehen soll, ist seit 1871 die Strecke von Puerto-Cortez bis San-Pedro (60 km), von Telegraphenlinien sind 805 km in Betrieb. Die geistige Kultur der Bevölkerung ist eine sehr geringe. Die zwei Universitäten von Comayagua und Tegucigalpa unterscheiden sich wenig von gewöhnlichen Schulen. Die kirchlichen Verhältnisse liegen noch mehr im argen. Der Klerus, durchgängig arm, unwissend und ungebildet, in neuerer Zeit immer mehr durch Neger repräsentiert, besteht aus 66 Weltgeistlichen, deren Oberhaupt der Iibtih von Comayagua ist. Die Verfassung der Republik datiert vom 1. Nov. 1880. Der Präsident wird auf vier Jahre gewählt durch die beiden Kammern, nämlich die Gesetz— gebende Versammlung von 11 Deputierten und den Senat von 7 Mitgliedern. Derselbe hat ein absolutes Veto, und zur Seite — ihm ein von den Ministern und 7 andern Mitgliedern gebildeter Staatsrat. Die Finanzen des Staats sind unent— wickelt. Die Hauptquellen der Einnahmen, welche nach dem Budget von 1881/82 auf 861970 Doll. geschätzt wurden, sind die Einfuhrzölle, das Branntwein⸗ und Tabaksmonopol und gezwungene Anleihen; nach demselben Budget betrugen die Ausgaben 759 930 Doll. Die auswärtige Schuld be— trägt 7220 272 Pfd. St. und gründet sich auf drei in den J. 1867 in London, 1868 in Paris und 1870 wieder in London gemachte Anleihen zum Bau der zeht in den bis e Eisenbahn. Die innere Schuld beteht in den bis jetzt ausgegebenen Bonds für 1Mill. Doll. Die schwebende Schuld beträgt 578 609 Doll. Das stehende Heer beträgt 843, die Miliz 31500 Mann. Der Staat ist gegenwärtig in sieben Departements: Gracias oder Llanos de Gracias, Sta.⸗Barbara, Comayagua, Choluteca, Tegucialpa, Olancho und Yoro, eingeteilt. Die Haupttadt seit 1880 Tegucigalpa. Geschichtliches. H. wurde schon 1502 von Christoph Columbus entdeckt, aber erst 1523 von den Spaniern förmlich in Besitz genommen. Man erhob die Kolonie zu einer Audienza des Gene— ralkapitanats Guatemala, verwandelte sie aber 1790 in eine bloße Intendantur desselben, bis sie sich 1824 zu einer unabhängigen Republik konstituierte. Der Staat war in dem langen Kampfe um das Föderativsystem ein Hauptsitz der liberalen oder Föderalistenpartei. Unter der Präsidentschaft des GeneralsCabaßas brach ein Krieg mit Guatemala aus, bis 1855 Cabañas nach der Niederlage durch Carrera gestürzt und exiliert wurde. Der folgende Präsident, General Santos Guardiola, ein Zambo aus Tegueigalpa, schloß darauf 13. Febr. 1856 mit Guatemala einen Friedens- und Allianzvertrag, und seitdem trat endlich für H. wenigstens äußere Ruhe ein. Guardiola, der Tiger von Centralamerika genannt, wurde 11. Jan. 1862 bei einer Revolte der Soldateska, mit deren Hilfe er sich emporgeschwungen, ermordet. An seiner Stelle übernahm der zeitige Vizepräsident Vittoriano Castellasios und nach dessen Tode 1863 der Senator José Francisco Montes die Präsidentschaft. Als dieser in dem zwischen H. und San-⸗Salvador einerseits, Guatemala und Nicaragua andererseits ausge— brochenen Kriege durch die Erfolge der feindlichen Truppen im Juli 1863 sich zur Flucht genötigt sah, wurde General José Maria Medina provisorisch eingesetzt und im Febr. 1864 neu erwählt. Wenn nach der Verfassung die Wahl des Präsidenten auch auf vier Jahre erfolgen soll, so ist dieser Termin doch noch nie eingehalten worden, sodaß noch keine regelmäßige Präsidentenwahl stattgefunden hat. Medina, 1870 neu gewählt, sloh im Mai 1872, sein Nachfolger C. Arias wurde 1874 durch den Einfall der Truppen von San-Salvador vertrieben, P. Leiva blieb nur 1874 —76 im Amte, 16. Juni 1876 ward C. Gomez, 29. Mai 1877 M. A. Soto erwählt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 379Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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