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ErdkundeBrockhaus 1882

Ingolstadt, Stadt und Festung im bayr. Regierungsbezirk Oberbayern, am Einfluß der Schutter in die Donau gelegen, Knotenpunkt (mit Centralbahnhof) der Linien München-Bamberg-⸗Hof, Donauwörth-Regensburg und J.⸗Augsburg der Bayrischen Staatsbahn, ist Sitz eines Amtsgerichts und Bezirksamts und hat eins drei Pia der Besatzung ümhon 15251 E. Unter den drei Pfarrkirchen (zwei atholische, eine protestantische) ist die 1425 im got. Stil erbaute Frauenkirche mit zwei Türmen und schönen Grabmälern hervorzuheben. Sonst sind von Bauwerken noch das alte Residenzschloß, das neue Zeughaus, das ehemalige Universitätsgebäude, das Kriegshospital und das neue Rathaus zu erwähnen. Itbesitzt ein Mönchskloster und ein Frauenkloster des Franziskanerordens; letzteres ist zugleich Unterrichtsanstalt für Mädchen. Von höhern Schulen bestehen daselbst eine Latein- und eine Realschule. Zur Zeit Karls d. Gr. (806) noch ein königl. Meierhof, erhielt der Ort 1250 durch Ludwig den Strengen Graben und Mauer, 1312 durch Ludwig den Bayer Wappen und die Privilegien und Freiheiten, welche unter dem Namen der Handveste bekannt sind, und wurde 1392 die Residenz der Herzöge von Bayern-J., nach deren Aussterben das Land an die Herzöge von Landshut und München als gemeinschaftliche Erbschaft überging. Herzog Ludwig der Reiche von Landshut gründete 1472 zu J. eine Universität, welche berühmte Lehrer, z. B. Reuchlin, Aventin u. s. w., und die gekrönten Dichter Konrad Celtes, Jak. Locher und Urban Rhegius aufzuweisen hatte. Der Festungsbau ward 1539 durch Reinhard Graf von Solms⸗-Münzenberg beonnen und später von Daniel Speckle fortgesetzt. n J. 1549 erfolgte für Bayern die erste Niederassung der Jesuiten in J., wo sie an der Universität den theol. Lehrstuhl übernahmen. Nach der 1773 erfolgten Aufhebung des Jesuitenordens gründete in J. Adam Weishaupt den Orden der Illuminaten. Wegen Unvereinbarkeit der Universität mit einer Festungsstadt wurde erstere 1800 nach Landshut versetzt und von da 1826 nach München verlegt. König Ludwig J. ließ 1827 die durch die Franzosen geschleiften Festungswerke wiederherstellen. Die Festungswerke, deren Erbauung 21 Jahre währte, sind in großartiger Weise ausgeführt. eit 1872 begannen die Bauten eines erweiterten Beschtuß der R mit großartigen Forts, da nach eschluß der Reichsregierung J. zu einer Festung ersten Ranges umgeschaffen wurde. J. besitzt nun auch fast sämtliche technische militärische Etablissements, wie Pulverfabrik, Hauptlaboratorium, Geschoßfabrik, Geschützgießerei und bedeutende Kriegsbäckerei. Vgl. Mederer, «Geschichte des Meierhofs J.v (Landsh. 1807); Gerstner, «Geschichte der Stadt J. »(Münch. 1853); Kleemann, «Geschichte der Festung J. bis zum J. 18155 (Münch. 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 600Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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