Horn (ital. corno, frz. cor), eins der ältesten musikalischen Instrumente, und zwar dasjenige Blasinstrument, welches in der Natur bereits annähernd vollständig vorgebildet war, in jetziger vervollkommneter Dorm bestehend aus einer messingenen, inwendig verzinnten Röhre, die am einen Ende ein kesselartig ausgetieftes Mundstück hat, am andern in einen Schalltrichter, Becher oder Stürze enannt, ausläuft. Die Röhre ist in Form eines Zirkels mehrfach zusammengewunden und, damit die nebeneinander liegenden Teile nicht aus ihrer Richtung weichen, verlötet. Man unterscheidet wei Arten von Hörnern: das einfache Natur-, Wald⸗ oder Jagdhorn (corno di caccia, cor de chasse) und das Ventilhorn, welche darin voneinander abweichen, daß die Mannigfaltigkeit von Tönen auf dem Naturhorn nur mittels der Lippenstellung und Art des Anblasens, auf dem Ventilhorn jedoch unter Mitwirkung einer mechan. Vorrichtung hervorgebracht wird. Die Röhre des H. (beim Naturhorn durchaus ohne Tonlöcher) hat am Mundstück weniger als 1em Durchmesser, erweitert sich von da allmählich bis auf 153 em, und läuft in dieser Weise fort bis ungefähr Im vor dem Rande der Stürze, von wo ab ihr Durchmesser allmählich bis zum Ansatz der Stürze sehr merklich wächst. Die Stürze selbst nimmt dann sehr schnell bis auf etwa 2,6 em Durchmesser an ihrem Rande zu. Die Röhrenlänge beträgt beim C-Horn 6 m, ihr Grundton ist das 16füßige C der Orgel; die sehr starke Verjüngung nach dem Mundstück hin mag die Ursache sein, daß die Körperlänge um Im über das Tonmaß hinausreicht. Ohne Anwendung anderer Mittel als der verschiedenen Art des Anblasens und der Lippenstellung erscheint auf dem H., wie auch auf allen übrigen Blechinstrumenten, diejenige Tonreihe, welche man an Saiten als mitklingende oder harmonische Obertöne kennt, nämlich O, e geeg bed ef (fis) g a b h c d u. s. w. (die man alle aber eine Oktave tiefer klingend sich denken muß). Neben diesen dem H. natureigenen, offenen oder natürlich offenen Tönen lassen sich aber noch andere erzeugen, und zwar entweder durch bloßen Lippendruck: künstlich offene, oder indem der Schallbecher mehr oder weniger, für gewisse Töne nur um die Hälfte, ein Drittel, ein Viertel, für andere wiederum ganz mit der Hand geschlossen (gestopft) wird: Stopftöne. Die Stopftöne aber unterscheiden sich sehr merklich von den offenen durch einen gepreßten dumpfen Klang, machen daher eine völlig gleichmäßig gefärbteechromatische Skala über den ganzen Umfang des Instruments auch für den geübtesten Bläser unmöglich. Durch solche Unvollkommenheit ist man genötigt, in Tonstücken, die in verschiedenen Tonarten stehen, oder andauernd in verschiedenen Tonarten modulieren, auch Hörner von entsprechend verschiedenen Grundtönen oder Stimmungen zu gebrauchen. Die gewöhnlichsten dieser Stimmungen sind die in tief B, C, D, Es, E, F, G, As, hoch A, B und C. Die Skala jeder dieser Stimmungen kann durch Anschiebung eines Bogens (Krummbogens oder Satzstücks), wodurch die Röhre verlängert wird, um einen halben Ton tiefer gemacht werden, woraus dann die noch fehlenden Tonarten sich ergeben. Sämtliche Stimmungen werden, von dem Normalhorn in Causgehend, in C-dur, ohne Vorzeichnung am Schlüssel notiert, und zwar stets im Violinschlüssel; nur bei wenigen der tiefsten Töne bringt man den Baßschlüssel in Anwendung. Da die für ein Tonstück erforderliche Stimmung nicht aus der Notierung zu erkennen ist, so wird sie ausdrücklich angemerkt, z. B. Corno in P, C, B alto, B basso u. s. w. Das hohe C-Horn ist das einzige, dessen Tonhöhe mit der Notierung übereinkommit; alle übrigen klingen tiefer als die Notenschrift. Diejenige vervollkommnete Form des Waldhorns, welche in der Kunstmusik bleibend zur Geltung gelangte, ist um 1680 in Paris entstanden. Die Ventile, wodurch das einfache Waldhorn eben zum chromatischen oder Ventilhorn (corno cromatico) wird, sind 1814 von Stölzel erfunden, und vermöge ihrer können alle Töne der chromatischen Skala offen, ohne Beihilfe des Stopfens, hervorgebracht werden, indem der Gebrauch eines oder mehrerer Ventile etwa ein K-Horn in ein E⸗, Es⸗ oder D-Horn umwandelt und die Tonstufen dieser Stimmungen alsdann zur chromatischen Skala sich ergänzen. Stölzel brachte ur zwei Ventile an; C. A. Müller in Mainz gte 1830 noch ein drittes hinzu. Läßt man die entile außer Thätigteit, so verwandelt man das Ventilhorn wieder in ein einfaches Naturhorn. Die mittlern Hornstimmungen sind für Anwendung von Ventilen die geeignetsten, Ventilhörner in L' die gebräuchlichsten, demnächst in Eund Es. Notiert wird auch für das Ventilhorn stets in C-dur. Unbeeinträchtigt bleibt der Klangcharakter des Naturhorns durch Anbringung von Ventilen freilich nicht, weshalb man den Naturhörnern, trotz der unvollkommenen Skala, noch jetzt mit Recht, den Vorzug vor den Ventilhörnern geben muß.