FeedHorn (frz. Corne, engl. horn)
TechnikBrockhaus 1882

Horn (frz. Corne, engl. horn), die eigentümliche Substanz, aus welcher die als Hörner bezeichneten, verschieden geformten, an den Enden spitzigen Auswüchse am Kopf vieler Wiederkäuer, des Rindviehs, der Ziegen, Büffel, Gemsen u. s. w., bestehen. Dieselbe ist von ziemlicher Härte, elastisch, durchscheinend bis durchsichtig, von weißer, gelblicher, oder hellgrauer bis schwarzer Farbe, läßt sich im siedenden Wasser oder bei trockener Hitze von etwas über 100* C. erweichen und dann durch Biegen, Pressen in bestimmte Formen bringen und sogar unter genügendem Druck zu größern Stücken verbinden, wonach sie, erkaltet, ihre frühere Festigkeit wieder erhält. Durch diese Eigenschaften unterscheidet sich das H. als Rohmaterial zahlreicher Industrien vorteilhaft vom Knochen. Die Hornscheiden lassen sich verhältnismäßig leicht von den Knochenzapfen trennen, indem man die mit diesen abgeschlagenen Hörner zwei bis sechs Wochen lang in Wasser einweicht, worauf man die massive Spitze absägt und diese sowie das hohle Stück (Hornschrot) für sich verarbeitet. Die Spitzen werden zu Drechslerarbeiten, Stockknöpfen u. s. w., verwendet; die Hornschrote werden erst einige Tage in kaltes asser gelegt und dann durch mehrstündiges Liegen in kochendem Wasser erweicht. Nachdem man diese Erweichung durch vorsichtiges Erwärmen der Schrote über freiem Feuer fortgesetzt hat, werden dieselben mittels eines kurzen, krummen Messers der Länge nach aufgeschnitten, wobei die Schnittrichtung durch die Form, sowie durch die Fehler des H. bedingt ist. Ein Arbeiter, welcher in jeder Hand eine Flachzange hält, faßt alsdann die beiden Ränder des aufgeschnittenen H. und zieht dasselbe auseinander, indem er diese Art des Plättens durch itweises Erwärmen unterstützt. Die so entstanene, einigermaßen ebene Platte wird an den Rändern, um sie vor dem Aufreißen zu schützen, mit kaltem Wasser benetzt und bevor sie sich abkühlt, zwischen zwei Eisenplatten in einen Schraubstock gebracht, um einem gelinden Druck ausgesetzt zu werden; nachdem sie erkaltet ist, wird sie noch einige Augenblicke in kaltes Wasser gelegt. Es folgt nun eine nochmalige Erwärmung über Feuer und das Reinigen der Oberfläche sowie die Beseitigung dickerer Stellen mittels eines Messers. Darauf werden die Platten in kaltes und dann kurze Zeit in warmes Wasser gelegt und kommen, mit geschmolzenen Talg bestrichen, abwechselnd mit warmen Eisenplatten geschichtet, in eine Schraubenpresse, in welcher sie unter starkem Druck so lange bleiben, bis sie vollständig erkaltet sind. Die entprechend beschnittenen Platten werden je nach der Art der herzustellenden Gegenstände (allerlei Drechslerwaren, Dosen, Kämme), durch Sägen, Därben Schaben u. s. w. weiter bearbeitet und durch ärben, Schleifen, Polieren vollendet. Die Abfälle der Hornverarbeitung werden, zu Pulver zerkleinert, in Metallformen unter Erhitzung zusammengepreßt, um aus ihnen Knöpfe, Tabaksdosen u. s. w. erzustellen. Durch Anwendung verschiedener chem. ngredenzien (Goldauflösung in Königswasser, Höllensteinauflösung u. s. w.) läßt sich das H. dem Schildpatt ähnlich machen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 398Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Technik 6