Humaniora (lat.) heißen in der Pädagogik die Studien des klassischen Altertums, welche seit der Renaissance durch den Einfluß der Humanisten zum Mittelpunkte nicht nur der gelehrten, sondern auch der allgemeinen Bildung in dem Sinne geworden sind, daß sie, gegenüber den Fachkenntnissen und der technischen Ausbildung in den einzelnen Wissenszweigen, die gemeinsame Grundlage aller höhern und edlern Erziehung bilden. Ihre Berechtigung dazu liegt teils formal in der pädagogischen Kraft und logischen Entwickelung der antiken Sprachen, teils material in dem Bildungsgehalt der griech. und röm. Litteratur. Diese Bedeutung wird ihnen immer gesichert bleiben, wenn auch zugestanden werden muß, daß das geistige Leben der neuern Zeit auch eine Ausbildung des naturwissenschaftlichen Denkens und seiner mathem. Grundlagen als Bestandteil der allem Fachstudium voranzuschickenden gemeinsamen Bildung verlangt. Das schwierige Problem der Ausgleichung dieser beiderseits berechtigten Ansprüche ist noch nicht gelöst; denn die Spaltung der höhern Erziehung in diejenige des «humanistischeno und diejenige des K(Realgymnasiums» ist nur ein vorläufiges Kompromiß. (S. Gymnasien.)