FeedIlium (grch. Ilion oder Ilios)
ErdkundeBrockhaus 1882

Ilium (grch. Ilion oder Ilios), eine von der griech. Sage mit der mythischen Stadt Troja (s. d.) identifizierte Ortschaft, welche, wie die von Schliemann (f. d.) 1871—73 und 1882 veranstalteten Ausgrabungen bewiesen haben, seit uralter Zeit die nur 64500 Am umfassende obere Fläche des über dem östl. Rande der troischen Ebene gelegenen Hügels von Hissarlik einnahm. Ursprünglich wahrscheinlich ein bloßes A. . des Heiligtums einer von den Griechen mit ihrer Athene identifizierten und daher Athene-Ilias genannten troisch-phrygischen Gottheit, wurde die Ortschaft nach wiederholter Zerstörung durch Feuer um die Mitte des 6. Jahrh. v. Chr. von griech. Ansiedlern wiederhergestellt. Alexander, welcher nach der Schlacht am Granikus in dem Heiligtum der Athene-Ilias Opfer und Weihgeschenke darbrachte, versprach den Bewohnern, ihre Ortschaft zu einer großen, prächtigen und wohlbefestigten Stadt umzuwandeln; dieser Plan wurde aber erst gegen Ende des 4. Jahrh. v. Chr. durch Lysimachus ausgeführt; damals wurde jedenfalls auch der Tempel des Apollo errichtet, von welchem Schliemann bei seinen Ausgrabungen eine sehr schöne Metope aus weißem Marmor entdeckt hat, die in sehr hohem Relief den Sonnengott auf einem Viergespanne darstellt. Diese von den neuern Geographen laber nicht von den Schriftstellern des Altertums) gewöhnlich Neu-Ilion ([lium novum) genannte Stadt wurde im Mithridatischen Kriege (85 v. Chr.) durch den röm. Legaten C. Flavius Fimbria nach I1tägiger Belagerung erobert, erholte sich aber von den dabei erlittenen Beschädigungen wieder und bestand noch bis in die spätere röm. Kaiserzeit fort. Vgl. Schliemann, „Ilios. Stadt und Land der Trojanerp (Lpz. 1881); derselbe, Trojad (Lpz. 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 537Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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