Impötenz, männliches Unvermögen oder Mannesschwäche (impotentia coëundi), das Unvermögen, den Beischlaf auszuüben, ist entweder angeboren oder erworben, kann vorübergehend oder dauernd bestehen und beruht bald auf körperlichen, bald auf psychischen Ursachen. Zu den körperlichen Ursachen der J. gehören vorzugsweise: fehlerhafte Bildung des Penis und der Hoden, ein zu jugendliches Alter, körperliche Schwächezustände jeder Art, insbesondere nach fortgesetzten geschlechtlichen Ausschweifungen, angeborene Trägheit zum Geschlechtsgenuß, ferner Trunksucht, übermäßige Fettleibigkeit und manche chronische Vergiftungen (Opium, Blei, Arsenik u. a.); die psychischen Ursachen sind vorzüglich: Haß und Abneigung gegen den andern Teil, Schüchternheit und Mangel an Selbstvertrauen, besonders mit dem Bewußtsein einer ausschweifenden Vergangenheit, ferner übermäßig heftige Begierde zum Beischlaf, besonders bei übergroßer Reizbarkeit des Nervensystems, deprimierende Gemütsbewegungen (Kummer, Sorgen) und anhaltende Anstrengungen des Geistes. Die Behandlung der J., welche gewöhnlich mit einer tiefen Verstimmung des Kranken einhergeht, erfordert ein sehr sorgfältiges Individualisieren, da die Heilmittel der Krankheit ebenso verschiedenartig sind wie ihre Ursachen. Bei vorhandener körperlicher Schwäche verordne man eine nahrhafte animalische Kost, reichliche Körperbewegung in freier Luft, Aufenthalt auf dem Lande, warme Bäder und kühle Abwaschungen der Genitalien; von den Arzneimitteln pflegen Eisen⸗ und Chinapräparate zu nützen. Den Geschlechtsteilen selbst muß selbstverständlich längere Zeit hindurch völlige Ruhe und Schonung gegönnt werden, sie dürfen weder durch örtliche Mittel, noch durch aufregende Gedanken und Bilder in Thätigkeit versetzt werden, da jedwede Aufregung nur die vorhandene Schwäche eigert. Wo das Unvermögen auf psychischen Urachen beruht, kann nur eine sachkundige psychische Behandlung seitens eines erfahrenen Arztes die Krankheit beseitigen. Sind beide Hoden durch Krankheiten atrophisch geworden oder ganz entfernt worden, so ist die J. eine dauernde und unheilbare. Alle gegen die J. empfohlenen Geheimmittel sind unnütze Charlatanerien; ebenso muß vor dem Gebrauch aller Aphrodisiaka (s. d.) eindringlich gewarnt werden.