FeedJungfrauschaft
HeilkundeBrockhaus 1882

Jungfrauschaft, Jungfernschaft, Jungfräulichkeit, der geschlechtliche Zustand des Wei— bes vor der Ausübung des ersten Coitus. Bei allen Völkern, selbst uncivilisierten, ist die weibliche J. in der Volksmeinung stets als Symbol weiblicher Scham und Sittlichkeit hochgehalten und die gewaltthätige außereheliche Vernichtung des jungfräulichen Zustandes (Entjungferung, Defloration) vielfach mit den strengsten Strafen bedroht worden. Als Kennzeichen der unverletzten J. werden gewöhnlich angeführt: pralle, derbe, dicht aneinander schlie— ßende große Schamlippen, rosige von den großen Lefzen ganz bedeckte kleine Schamlippen, ein unversehrtes, nicht eingerissenes Jungfernhäutchen, eine enge mit zahlreichen Runzeln versehene Mutterscheide, ein runder, glatter Muttermund und ein straffes Schambändchen, endlich derbe und feste, nach der Warze zugespitzte Brüste. Die subjektiven Erscheinungen während und nach der Defloration bestehen in Schmerzen und einer meist unbeträchtlichen Blutung. Als absolut sichere und untrügliche Merkmale der J. können jedoch die obenerwähnten Kennzeichen nicht gelten, da z. B. das Jungfernhäutchen auch ohne Beischlaf durch vorausgegangene Krankheiten der Geschlechtsorgane oder durch heftige Bewegung beim Springen, Reiten u. dgl. zerstört und umgekehrt, trotz erfolgten Beischlafs, ja selbst trotz eingetretener Schwängerung vollkommen unversehrt und erhalten sein kann. Unter diesen Umständen kann ein entscheidender Ausspruch über das Vorhandensein oder Fehlen der J. zu den schwierigsten Aufgaben der gerichtlichen Medizin ehören. ungfrun, Felsklippe, s. unter Hland. unhh., bei naturwissenschaftlichen Namen Abkürzung für Junghuhn (Franz Wilh.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 924Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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