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ReligionBrockhaus 1882

Independenten oder Kongregationalisten heißen die Mitglieder einer in England und Amerika weit verbreiteten kirchlichen Partei, welche die volle Selbständigkeit jeder einzelnen Gemeinde und ihre Unabhängigkeit sowohl vom Staate als von jeder größern Kirchengemeinschaft zum Grundsatze hat. Jede größere oder geringere Anzahl von Christen, welche sich auf Grund freier übereinkunft in demselben Hause zum Gottesdienste zusammenfinden, bildet eine seloständige Gemeinde. Alle Glieder derselben sind gleichberechtigt. Sie ordnen nach Stimmenmehrheit alle äußern und innern Angelegenheiten. Sie haben keine Behörden und keine amtlich bestellten Prediger, sondern jedes Mitglied kann durch Majoritätsbeschluß zur Predigt und Sakramentsverwaltung berufen und wieder von dieser Funktion entbunden werden. Kein Bekenntnis, keine symbolische Glaubensformel verpflichtet die J., es genügt die daß man an das Evangelium Jesu Christi glaube und die Heilige Schrift als Quelle und Norm des Glaubens anerkenne. Die Entstehung der J. geht zurück auf Robert Brown (s. d.), gest. 1630. Durch John Robinson (gest. 1626) wurden sie in etwas Conversations-Lexikon. 13. Aufl. IX. nüchternere Bahnen gelenkt, indem er die Bestellung zum Prediger von dem Besitz gewisser Fähigkeiten und Kenntnisse abhängig machte. Henry Jacob kehrte 1616 von Holland, wo die ersten Gemeinden gebildet waren, nach England zurück und begründete die erste Independentengemeinde in London. Während der Revolution nahm ihre Zahl und ihr Einfluß bedeutend zu, da Cromwell sie begünstigte. Mit seiner Einwilligung beschickten mehr als hundert Independentengemeinden 1658 die Versammlung in der Savoy, wo ein Glaubensbekenntnis und eine Kirchenordnung festgestellt wurde. Auch diesen Beschlüssen wurde bindende, symbolische Autorität nicht beigelegt. Als das Königtum wieder hergestellt und 1662 die Uniformitätsakte erlassen war, brach über die J. eine Zeit schwerer Bedrückung herein. Viele mußten ihren Widerstand im Gefängnisse büßen; noch mehr suchten sich in Amerika eine neue Heimat. In England erhielten auch die J. durch die Toleranzakte Wilhelms von Oranien 1689 staatliche Anerkennung. Seitdem haben sie sich in England und Nordamerika immer mehr ausgebreitet und durch kräftige Vertretung der religiösen Toleranz, sowie durch Pflege christl. Liebesthätigkeit und theol. Wissenschaft Verdienste erworben. Vgl. Fletcher, „History of Independeney in Englando (4 Bde., Lond. 1862); Barclay, «The inner life of the religious societies of commonwealtho (Lond. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 561Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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