Industriepflanzen nennt man alle diejenigen Pflanzen, die in der Industrie ausgedehnte Verwendung finden. Da in den meisten Fällen große Mengen der betreffenden Pflanzen gebraucht werden, so sind die J. zum größten Teile wichtige Kulturpflanzen (s. d.). Zu den J. gehören vor allem die Textil- oder Gespinstpflanzen, die ihrer Fasern wegen im großen gebaut werden. Die bekanntesten hiervon sind: der Lein, Linum usitatissimum (Tafel: In dustriepflanzen I, Fig. 4), der Hanf, Cannabis sativa (Fig. 3) und mehrere andere Arten der Gattung Cannabis; auch die Nesselarten aus der Gattung Urtica wurden früher in ausgedehnterm Maße zur Gewinnung von Fasern gebaut, sind aber jetzt fast ganz ohne Bedeutung; dagegen werden einige mit 19 verwandte Pflanzen in Indien und im südöstl. Asien vielfach kultiviert, es sind dies die Stammpflanzen des Chinagrases (Boehmeria nivea) und der Ramiefaser (Bochmeria tenacissima). Ferner sind zu erwähnen: die Jutepflanze, Corchorus capsularis (Fig. 1); die Baumwolle, Gossypium herbaceum (Fig. 2) und mehrere andere Arten der Gattung Gossypium mit ihren zahlreichen Kulturvarietä— ten; einige Arten der Gattung Musa, hauptsächlich M. textilis, welche den sog. Manilahanf liefern; die Stammpflanzen der Agave-oder Pitefasern, Agave americana (Fig. 5) und einige andere Arten derselben Gattung; der sog. neuseeländische Flachs, Phormium tenax (Fig. 7). ö Zu den Pflanzen, deren Fasern in anderer Weise als zur Herstellung von Geweben, also zur Papierfabrikation u. dgl. verwendet werden, gehören unter anderm eine ganze Reihe Gräser, von denen das Stroh zu diesem Zwecke benutzt wird; eine wichtige Rolle spielen in der Papierfabrikation auch die Holzfasern vieler Laub- und Nadelholzbäume, der Tannen, Fichten, Kiefern, Pappeln, Linden, Ahorne u. s. w.; auch die Fasern des für die Korbwarenindustrie wichtigen Espartograses, Macrochloa tenacissima (Fig. 6) werden neuerdings zur Herstellung von Papier benutzt. Neben dem Esparto werden zu Flechtwerken noch das Spanische Rohr, Calamus Rotang, die Blätter mehrerer Palmen, so z. B. die der Carludovica (s. d.) zur Herstellung der sog. Panamahüte, verwendet. Zur Fabrikation von Bürsten und Besen dient ebenfalls das Espartogras und außer diesem hauptsächlich die Faserbündel der Piassavepalme, Attalea funifera. (S. Tafel: Palmen.) Eine wichtige Gruppe der J. bilden auch die Kautschuk, Harz, Gummi u. dgl. liefernden Pflan— zen. Hierher gehören die Kautschukpflanzen Siphonia elastica (Taf. II, Fig. 4), Ficus elastica, die Guttaperchapflanze Isonandra gutta (Fig. 5), die Stammpflanze der der Guttapercha ähnlichen Balata, Sapota Mülleri, ferner die Kopal liefernden Pflanzen, Hymenaea Courbaril, Dammara australis und ovata, die Dammarpflanze Dammara orientalis (Fig. 6), die Sandarakpflanze Callitris quadrivalvis, die Elemipflanzen Leica icicariba, I. viridiflora und Arten der Gattung Bursera, die verschiedenen Terpentin liefernden Coniferen, wie z. B. die Stammpflanze des Canadabalsams, Abies balsamea, der Benzos liefernde Baum Styrax benzoin, die Peru: und Tolubalsam liefernden Arten der Gattung Myroxylon (s. d.), schließlich noch die zahlreichen Gewächse, von denen Gummigutt und Drachenblut gewonnen werden. An diese letztern schließt sich diejenige Gruppe der J. an, welche Farbstoffe liefern. (S. Farbepflanzen.) Zu den J. sind ferner zu rechnen eine Anzahl Pflanzen, welche Nahrungsmittel, Gewürze, Ole Fette u. dgl. liefern, die aber für die Industrie insofern von Bedeutung sind, als die Gewinnung jener Stoffe erst durch Verarbeitung der Pflanzen in industriellen Anlagen erfolgen kann. Hierher gehören vor allem die Zucker liefernden Pflanzen, das Zuckerrohr, Saccharum officinarum (Taf. II, ig. 3), und die Zuckerrübe, ferner die verschiedenen abakarten, Nicotiana tabacum (Fig. 2), N. rustica und andere Arten dieser Gattung nebst vielen Kulturvarietäten, die Cichorienpflanze Cichorium Intybus (Taf. II, Fig. 7), der Hopfen, Humulus Lupulus, die Senf liefernden Arten der Gattung Sinapis, schließlich die zahlreichen Pflanzen, von denen Stärkemehl gewonnen wird. (S. Gewürze, Nahrungsmittelpflanzen, Ol und Fett liefernde Pflanzen.) Weiter sind als wichtige J. zu erwähnen: die Korkeiche, Quercus suber (Taf. II, Fig. 8), die Weberkarde oder Kardendistel, Dipsacus fullonum (Taf. II, Fig. 1), die Seifenwurzel, Saponaria officinalis, die Jod liefernden Algen aus der Familie der Phäosporeen (s. Jod); diejenigen Pflanzen, welche für die Gerberei von Bedeutung sind, wie die Gallen liefernden Eichen (s. Galläpfel) und die gerbstoffreichen Rinden verschiedener Bäume. Zum Schlusse wären vielleicht noch anzuführen diejenigen Bäume und Sträucher, deren Holz entweder zu Bauzwecken oder in der Tischlerei, in der Maschinenfabrikation u. s. w. Verwendung findet. Iuduntierdtter s. Handelsrecht. udustrieritter nennt man Betrüger, die als vornehme Personen auftreten und ihre raffinierte Gaunerei ins Große, Industrie damit treiben. Industrieschulen. Neben den höhern Schu— len, welche bestimmt sind, Personen für die Industrie heranzubilden (Polytechnische Schulen (su. d.] und Gewerbeschulen [s. d.]), beschäftigen sich die 5 mit der Elementarbildung des Arbeiters im inblick auf seinen künftigen Beruf als Lohnarbeiter in der Industrie; man nennt diese Schulen auch gewerbliche Fachschulen, wie z. B. die der Hausindustrie dienenden Webschulen, Spitzenklöppelschulen, Fachschulen für Holzschnitzerei, für die Spielwarenindustrie, die Instrumentenmacherei, Uhrmacherei u. s. w. Die J. setzen die allgemeine Volks⸗ und Elementarbildung voraus, erteilen theoretischen Unterricht in den für das betreffende ch nützlichen Wissenszweigen, wie Geometrie, hemie u. s. w., pflegen meistens in besonderm Maße das Zeichnen und geben oft auch in besondern Lehrwerkstätten den Schülern Gelegenheit zur Übung in praktischen Arbeiten ihres Fachs. Auch empfiehlt es sich, wo es möglich ist, die Arbeit, namentlich der geschicktern und fleißigern Schüler, lohnend zu verwerten, sodaß zugleich ein kleiner Erwerb zu Gunsten der Kinder ermöglicht wird. Handelt es sich darum, einen Gewerbszweig in eine verarmte Bevölkerung einzuführen, so ist es zweckmäßig, Schulen auf öffentliche Kosten zu unterhalten und den Unterricht unentgeltlich zu gewähren.