Innere n Münt nennt man im Unterschied von der bar Mission (s. d.) die Gesamtheit aller freien, d. h. außeramtlichen Bestrebungen, welche darauf gerichtet sind, die innerhalb der christlichen Gemeinschaft hervortretende geistliche und daraus hervorgehende leibliche Not zu beseitigen. Sie ist Sache der freien Vereinsthätigkeit und nicht Sache des kirchlich geordneten Amtes, dem sie sich dienend und ergänzend zur Seite stellt, indem sie gerade solche Kreise und Verhältnisse tlichen si welche der amtlichen Einwirkung des Geistlichen sich entziehen. Die innere Mission betrachtet als letzten Grund aller Not den Mangel an lebendigem christl. Glauben und geht daher in letzter Linie auf Stärkung, resp. Erweckung dieses Glaubens aus, doch vergißt sie nicht, daß dies letzte Ziel erst dann erreicht werden kann, wenn zuerst die äußere Not, wie Krankheit, Armut u. dgl. beseitigt oder doch gemildert ist. Zu allen Zeiten, solange die christl. Kirche besteht, hat es mancherlei Bestrebungen bewahrender und rettender Liebe gegeben. (Vgl. besonders G. Uhlhorn: «Die christl. Liebesthätigkeit der alten Kirche, Stuttg. 1882; derselbe: Die christl. Liebesthätigkeit im Mittelalteroꝰ, Stuttg. 1884.) Den Namen innere Mission und eine zusammenfassende Organisation haben sie erst seit einigen Jahrzehnten erhalten. In dieser Beziehung kann man als den Vater der innern Mission in Deutschland Joh. Hinrich Wichern (s. d.) betrachten. Nachdem er schon lange in Hamburg mit großer Hingebung im Stillen gewirkt und 1833 das Rauhe Haus » begründet hatte, wußte er auf dem Kirchentage zu Wittenberg 1848 auch weitere Kreise von der Notwendigkeit und dem Segen der Arbeiten der innern Mission zu überzeugen. Ein Central-Ausschuß für innere Missiono wurde gebildet, unter dessen Mitgliedern Bethmann-Hollweg, Stahl, Wichern hervorragten, und welcher noch jetzt seinen Sitz in Berlin hat. Derselbe bildet, ohne durch strenge Organisation die Selbständigkeit und Freiheit der einzelnen Vereine zu hindern, einen Mittelpunkt für alle Bestrebungen der innern Mission und veranlaßt alljährlich einen Kongreß für innere Missiono (im J. 1884 in Karlsruhe). Das Organ desselben sind die «Fliegenden Blätter aus dem l Rauhen Hausev. Fast in allen Teilen des evangel. Deutschland haben sich Vereine gebildet, welche der Arbeit der innern Mission oder einzelnen Zweigen derselben sich widmen. Die o die Euihlna Aufgaben der innern Mission sind die Errichtung von Krippen und Kleinkinderschulen, Rettungshäusern und Kinderheilstätten, die Armen⸗ und Krankenpflege, die Pflege der Idioten und Epileptischen, die Sonntagsschulen und Kindergottesdienste, die Förderung der Lehrlings⸗, Gesellen⸗ und Jünglingsvereine, die Bekämpfung des Bettels und der Vagabondage, die Errichtung von Herbergen zur Heimat, der Kampf gegen die Trunksucht und die Errichtung von Volks-Kaffeehäusern, die Bestrebungen für strengere Sonntagsheiligung, für Beseitigung der Prostitution, die Fürsorge für Gefangene und entlassene Sträflinge, die Verbreitung guter Schriften u. dgl. m. Vgl. Busch, „Die innere Mission in Deutschland⸗ (Gotha 1876); Schäfer, Monatsschrift für innere Mission „ (Gütersloh, jährlich 12 Hefte); Martius, „Die innere Missiono (Gütersloh 1882); «Die innere Mission in Deutschland. Eine Sammlung von Monographien über Geschichte und Bestand der innern Mission in den einzelnen Teilen des Deutschen Reichs (herausg. von Th. Schäfer; 6 Bde., Hamb. 1876—853). unerer Sinn, s. unter Sinn und Sinne.