FeedIntreccio (ital.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Intreccio (ital.), Intrigue, kurzes Bühnenstück. ntrigue (frz., vom lat. intricare, Ränke, Schwierigkeiten machen) heißt die absichtliche Verknüpfung oder Verwickelung von Handlungen und Personen zu einem bestimmten Zwecke. Im Drama versteht man darunter besonders die entweder mehr zufällig zusammentreffenden oder absichtlich herbeigeführten Verhältnisse oder Umstände, durch welche die Hauptpersonen gehindert, geneckt, irregeführt und in Verlegenheit gesetzt werden. Von der Tragödie ist daher die J. ausgeschlossen, wenn sie nicht, wie in Shakspeares &Othellov, im Wesen der das Grundmotiv bildenden tragischen Leidenschaft selbst liegt; und von diesem Gesichtspunkt aus sind Lessings Emilia Galottis und Schillers Kabale und Liebes durchaus falsch gebaut. Im Lustspiel dagegen hat die J. den weitesten Spielraum; ja man nennt Stücke, in welchen die J. so überwiegt, daß sie zur Hauptsache wird und die Charaktere nur zu ihrer Schürzung und Lösung da zu sein scheinen, Intriguenstücke, im Gegensa zu den Charakterstücken, in welchen die J. bloß zur schärfern Hervor— hebung der Charaktere dient. Das Intriguenstück ist mehr belustigenden und neckischen Charakters, wobei das Komische darin zunächst auf den Verhältnissen und Lagen der Personen beruht; doch wird dadurch die Zeichnung der Charaktere und deren Einfluß auf die Entwickelung der Handlung keines— wegs vom Intriguenstück ausgeschlossen. Muster in dieser Gattung sind die span. Mantel-und Degenstücke (omedias di capa yespada). Das kühnste und auch so ziemlich letzte Stück dieser Art ist Beaumarchais' Mariage de Figaro. Das ältere deutsche Lustspiel hielt sich von diesen mehr äußerlichen Neckereien des Intriguenstücks fern; erst die Nachahmer Scribes haben sie auch auf den deutschen Bühnen heimisch gemacht. In der Theatersprache bezeichnet man mit Intrigant alle diejenigen Charaktere, welche durch Ränke, Hinterlist oder überhaupt durch boshafte und gemeine Motive in das Getriebe der dramatischen Handlung eingreifen. Früher bestand dieses Fach selbständiger, jetzt fällt es meist mit dem Charakterfach zusammen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 641Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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