FeedJamnitzer (Wenzel)
BaukunstBrockhaus 1882

Jamnitzer (Wenzel), auch Jamitzer oder Gamiczer genannt, der berühmteste deutsche Goldschmied des 16. Jahrh., geb. zu Wien 1508, lebte aber zu Nürnberg, wo er 1534 Meister wurde und 15. Dez. 1585 starb. Auf J.s Namen werden eine Menge Arbeiten *7 alle Beglaubigung geschrieben; so auch eine Anzahl Ornamentstiche mit Entwürfen für Gegenstände der Goldschmiedekunst. Beglaubigt von ihm sind nur wenige Werke, darunter vor allen der Merkelsche Tafelaufsatz, jetzt im Rothschildschen Besitz in Frankfurt, ein großer Pokal im Besitz des Deutschen Kaisers, eine Kassette im Grünen Gewölbe zu Dresden und eine kleine Anzahl Gegenstände im Nationalmuseum und in der GMeichen Kammers in München. Sein Stil ist der der zweiten Hälfte des 16. Jahrh., die Ornamente der Hochrenaissance mit reicher Verwendung von Figuren und zierlichsten Nachbildungen von Tierchen, Gräsern, Blumen u. s. w., die sehr naturalistisch gehalten sind. Von Wenzel J. werden zwei Brüder genannt, Bartel und Albrecht, beide Goldschmiede, doch nur von dem letztern sind ein paar Stücken nachweisbar, eins im Besitz des Großherzogs von Baden, eins im Grünen Gewölbe in Dresden. Bekannter ist Christo 55 J., wahrscheinlich ein Sohn Wenzels und ebenfalls ein Goldschmied, der zu Nürnberg lebte, geb. 1563, gest. 1618. Von ihm gibt es ein Groteskenbuch, mit einer Anzahl sehr bizarrer aus Krebsen, Muscheln, Insekten u. s. w. gebildeter Ornamentstiche. In der Schatzkammer zu Wien existiert von ihm eine große vergoldete Silberschale mit seinem Namen und der Jahreszahl 1604. Auf ihr ist in einer Reihe getriebener Figuren in Hochrelief der Triumph Amors dargestellt, eine etwas barocke, aber treffliche Arbeit.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 793Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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