FeedJesaias
GeschichteBrockhaus 1882

Jesaias, der erste unter den sog. Großen Propheten des Alten Testaments, wirkte unter der Regierung der jüd. Könige Usias, Jotham, Achas und Hiskias, ungefähr 759 bis über 700 v. Chr. hinaus, als Volksführer und Prophet und soll unter König Manasse eines gewaltsamen Todes gestorben sein. Er war der Sohn des sonst unbekannten Amoz aus dem Stamme Benjamin und weissagte zu Jerusalem. Unter dem König Achas beschäftigten ihn besonders die polit. Verwickelungen des Reiches Juda mit den Königen Rezin von Damascus und Pekach von Israel, von denen er vergeblich abmahnte. Unter Hiskias behandelte er in seinen Reden häufig die drohende Macht der assyr. Könige Salmanassar und Sanherib. Was von den unter seinem Namen im Alten Testament enthaltenen Prophezeiungen von ihm selbst herrührt, sichert ihm eine Stelle unter den vorzüglichsten hebr. Dichtern. Seine Sprache vereinigt Einfachheit und Klarheit mit der höchsten Würde und Majestät, und an Fülle und Kraft bei dem schönsten Ebenmaß kommt ihm die Poesie keines andern Propheten gleich. Der Inhalt seiner Dichtungen sind Strafreden und Klagen über die Sünden des Volks, drohende Verkündigungen eines nahen Verderbens und herzerhebende Aussichten in eine schönere Zukunft. Hoheit des Gefühls und der Gesinnung spricht aus jedem Zuge, und alles trägt den Stempel der echten Begeisterung. Der zweite Abschnitt seines Buchs, Kap. 40—66, der an dichterischem Wert dem ersten Teil keineswegs nachsteht, ist von einem andern in der Babylonischen Gefangenschaft lebenden Propheten abgefaßt. Doch enthält auch der sog. «erste Teilo des 8. einige Kapitel von späterer Hand. Unter den neuern Üübersetzern und Erklärern sind Ewald (Die Propheten des Alten Bundeso, 2. Aufl., Bd. 1, Gött. 1867), Gesenius (3 Bde., Lpz. 1820—-21; Bd. 1, 2. Aufl. 1829), Hitzig (2 Tle., Heidelb. 1833) und Knobel (4. Aufl. von Diestel, Lpz. 1872) zu erwähnen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 840Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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