FeedJerusalem (Joh. Friedr. Wilh.)
ReligionBrockhaus 1882

Jerusalem (Joh. Friedr. Wilh.), einer der besten deutschen Kanzelredner des 18. Jahrh., geb. 22. Nov. 1709 zu Osnabrück, studierte in Leipzig und Leiden Theologie und ging dann als Hofmei— ster nach Göttingen. Im J. 1742 ernannte ihn der Herzog Karl von Braunschweig zu seinem Hof— und Reiseprediger, sowie zum Lehrer und Erzieher des Erbprinzen Karl Wilhelm Ferdinand. Durch ihn wurde der Herzog zur Stiftung des Collegium Carolinum in Braunschweig bewogen. J. wurde in der Folge Propst der Klöster St. Crucis und Agidii, 1749 Abt von Marienthal, 1752 Abt des Klosters Riddagshausen und 1771 Vizepräsident des Konsistoriums zu Wolfenbüttel. Am Abende seines Lebens traf ihn das Unglück, daß sein Sohn, Karl Wilhelm J. (geb. zu Wolfenbüttel 21. März 1747), welcher zu Wetzlar den Reichs-⸗ hofratsprozeß studierte, sich 29. Okt. 1772 aus Liebesschmerz erschoß, welches Ereignis von Goethe als Ausgang zu „Werthers Leideno benutzt worden ist. J. starb 2. Sept. 1789. Einer der aufgeklärtesten Männer seiner Zeit, wirkte er als Kanzelredner ganz im Geiste Mosheims. Neben seiner Sammlung einiger Predigteno (2 Bde., Braunschw. 1788—89) sind seine „Betrachtungen uber die vornehmsten Wahrheiten der Religion v (2 Bde., Braunschw. 1768—79; neue Aufl. 1785) zu nennen, zu denen seine Machgelassenen Schriftenv (2 Bde., Braunschw. 1792 —93) die Fortsetzung bilden. Philos. Aufsätze v seines Sohnes gab Lessing heraus (Braunschw. 1776).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 840Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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