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ErdkundeBrockhaus 1882

Jever, Hauptstadt des Jeverlandes im Großherzogtum Oldenburg, 13 kmevon der Meeresküste, an der Linie Sande-J. der Oldenburger Staatsbahn und am Sieltief, einem schiffbaren, nach dem Hafen Hooksiel führenden Kanal, ist Sitz eines Amts und Amtsgerichts und zählt (1880) 5306 meist prot. E. Der Ort hat, seitdem die Festungswälle abgetragen und in Anlagen verwandelt worden, ein sehr freundliches Ansehen erhalten. Unter den Gebäuden verdienen, außer den zwei Kirchen, die Synagoge, das Sophienstift, das Rathaus, das Schloß mit einer aus dem 16. Jahrh. stammenden kunstvoll geschnitzten Decke im Audienzsaal und das im 16. Jahrh. gestiftete Mariengymnasium mit ansehnlicher Bibliothek Erwähnung. Die prot. Kirche enthält das in Künstlerkreisen bekannte Edo Wiemken-Grabmal. Der Gewerbfleiß erstreckt sich besonders auf Lederbereitung, Bierbrauerei und Ziegelbrennerei. Der Handel ist ziemlich belebt; die Pferde- und Rindviehmärkte sind bedeutend. Der Hafen der Stadt liegt bei Hooksiel (s. d.). Die Stadt J. zählt zu den ältesten Orten Frieslands und soll schon im 6. Jahrh. bestanden haben. „Das Jeverland, ein Teil des alten Friesland, bildete von jeher wie noch jetzt eine eigene Herrschaft Erbherrschaft Jever). Dasselbe besteht teils aus sterilem Sandboden, teils aus fruchtbarer Marsch, welche durch eine Menge Siele oder Schleusen des überflüssigen Wassers sich entledigt, zugleich aber durch künstliche Deiche vor dem eindringenden „Meere gesichert ist. Im Mittelalter zerfiel das Land in die drei Häuptlingsschaften Ostringen, Rüstringen und Wangerland, welche 1359 in Edo Wymken ein gemeinsames Oberhaupt erhielten und unter diesem Herrschergeschlecht blieben, bis die Erbtochter Maria, die ihr Land 1532 dem brüsseler Lehnhof aufgetragen hatte, dasselbe 1573 testamen⸗ . an den Grafen Johann XVI. von Oldenburg vererbte. Des letztern Sohn, mit welchem das alte oldenb. Haus 1667 ausstarb, vermachte das Land seinem Schwestersohn, dem Fürsten Johann von Zerbst. Vei dem Aussterben dieses Hauses 1793 kam es als Kunkellehn an die Kaiserin Katharina II. von Rußland, einer geborenen Prinzessin pvon Anhalt-Zerbst, die hierdurch Sitz und Stimme auf dem Deutschen Reichstage erhielt. Kaiser Alexander I. trat es 1807 an Holland ab; 1818 wurde es zum Großherzogtum Oldenburg geschlagen. Vgl. Ammerland. Jeverland im Großherzogtum Oldenburgo (Schlesw. 1865); Vornsand, «Kurzer Abriß der Geschichte Jeverlandso (Oldenb. 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 850Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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