FeedJün-nan oder Hunnan
ErdkundeBrockhaus 1882

Jün-nan oder Hunnan, die südwestlichste Provinz dwet un 317162 qkm groß, wird gegen W. von Tibet und Birma, gegen N. von der chines. Provinz Sz'tschwan, gegen O. von den Provinzen Kwei-tschou und Kwang-si und gegen S. von Birma und Tonking begrenzt. In seinem nordwestlichsten Teile ist J. wesentlich ein Gebirgsland mit alpinem Charakter, besitzt auch im allgemeinen nur wenige Ausdehnungen flachern Landes von geringem Umfange, die sich meistens nur längs der Ufer der zahlreichen Flüsse ausbreiten. Von letztern ist der in seinem obern Laufe Kin-scha oder Kin-scha-Kiang, d. h. «Fluß des Goldsandesv, genannte ang'tsekiang der bedeutendste. Er durchströmt J. in seinem nördl. Teile in der Richtung von W. nach O. In der Richtung von N. nach S. wird J. von den obern Läufen des Saluen (Lu-kiang) und des Me-khong oder Lan-tsan, und in der Richtung von NW. gegen SO. von dem Flusse Song-ka (Ho-ti-kiang) durchströmt. An Fruchtbarkeit des Bodens steht J. als Gebirgsland hinter den meisten andern Provinzen von China zurück. Dagegen ist es reich an Mineralien und liefert Gold, Kupfer, Zinn, Rubinen, Saphire, Achate und andere wertvolle Gesteine. Die Bewohner, nach dem letzten Census 5 561 320, unter denen sich viele Bekenner des Islam befinden, weichen in mancherlei Beziehung von den eigentlichen Chinesen ab und zeigen in ihren Sitten, Gewohnheiten und Gebräuchen übereinstimmung mit denen der Nachbarländer. Namentlich ist die Stellung der Frauen bei ihnen eine viel freiere als im eigentlichen China. In dem gebirgigsten Teile von J. finden sich noch lberreste der Urbevölkerung. J. wird in 14 Departements, 26 Arrondissements und 39 Kantone geteilt, zu denen noch vier direkt unter der Centralregierung in Peking stehende Arrondissements kommen. Hauptstadt der Provinz ist Jün-nan-fu, gelegen unter 25 4. nördl. Br. und 102 35 40“ östl. L. (von Greenwich) auf dem nördl. Ufer eines Tien-hai genannten Landsees. Die Stadt ist befestigt, die Bevölkerung betriebsam, sie verfertigt namentlich eine eigentümliche Art sehr geschätzter Seidenstoffe und Teppiche, welche für die besten von ganz China gelten. J. wurde erst verhältnismäßig spät, unter dem Kaiser Wou-ti, 109 v. Chr., von China annektiert. Die Bevölkerung von J. hat in älterer wie in neuerer Zeit wiederholt den Versuch gemacht, das chines. Joch 2 schütteln, zuletzt in den J. 1857-68. Der im Mai 1884 zwischen China und Frankreich zu Tientsien abgeschlossene Vertrag eröffnet die drei chines. Provinzen J., Kwang-si und Kwang-tung dem freien Handelsverkehr mit den westl. Ländern. Den Engländern war es bis dahin nicht gelungen, sich von Birma aus über Ba-mo längs des Irawadi einen Handelsverkehr mit J. zu gründen. uno ist der röm.⸗talische Name der Göttin, welche im wesentlichen der griech. Hera entspricht. Diese, nach der allgemein angenommenen Sage die eheliche Gemahlin des Zeus (s. Jupiter), erscheint ihrer ursprünglichen Naturbedeutung nach Conversations-Lexikon. 13. Aufl. IX. bald mehr als eine Göttin des Himmels, der Luft oder des Mondes, bald als eine Erdgöttin. Die letztere Bedeutung tritt besonders hervor in der Sage von ihrer Hochzeit mit Zeus, welcher die Vorstellung der Befruchtung der Erde durch die Frühlingsregen zu Grunde liegt. Die argivische Legende insbesondere berichtete, daß Zeus die Gestalt eines Kuckucks (des Frühlingsvogels) angenommen und unter Sturm und Regenschauer sich in den Schos der Hera geflüchtet und, als diese ihn mitleidig aufgenommen, sh in seiner babenr Gestalt ihr offenbart und mit ihr vermählt habe. Auch die Erzählung in der Ilias, wie Hera, welche die Griechen begünstigt, auf dem Gipfel des Ida den Zeus, der den Troern Sieg verleihen will, mit Liebesverlangen entzündet, sodaß er die Kämpfenden vergißt, ist diesem Sagenkreise entnommen. Ebenso führt die Verehrung der Hera als Ehegöttin (Hera Teleia) auf diese Vorstellung zurück. Als Göttin der Luft dagegen, insbesondere des Wolkenhimmels, erscheint Hera in der Sage von Irion, der statt ihrer ein aus einer Wolke geformtes Bild umarmt, endlich als Mondgöttin besonders in ihrer Verehrung an Neumondstagen und als Göttin der Entbindung, in welcher Eigenschaft sie freilich frühzeitig hinter Ilithyzia und Artemis zurücktrat. Wahrscheinlich sind auf J. Eigenschaften von andern Göttinnen, wie von der Dione von Dodona übertragen und ist erst allmählich aus der Verbindung und Umbildung verschiedener Elemente die eigenartige Gestalt der Gemahlin des höchsten Gottes herausgebildet worden, die als solche dann vor allem Ehe- und Hochzeitsgöttin ist. Die römische J. ist, wie schon ihr Name (der das Femininum zu Jovis genannt werden kann) zeigt. ursprünglich sicher eine Göttin des Himmels und des himmlischen Lichts, speziell des Mondes, und wurde als solche am ersten Tage (den sog. Kalenden) jedes Monats verehrt. Damit hängt aufs engste zusammen ihre Verehrung als Geburtsgöttin, welche die Kinder ans Licht der Welt führt (J. Lucina). Ferner wurde sie als Stifterin und Schirmerin jedes Ehebündnisses (als J. Pronuba) und überhaupt als Beschützerin der Hausfrauen (Matronä, daher das Fest Matronalia, welches Anfang März der J. Lucina zu Ehren gefeiert wurde), endlich als Himmelskönigino (J. Regina als Gemahlin des Jupiter Rex) verehrt. Außerdem gab es noch einige altitalische Kulte der J., welche die Römer von benachbarten Stämmen aufgenommen hatten, wie den der J. Lanuvina aus dem latinischen Lanuvium, den der J. Curitis (oder Quiritis) von den Sabinern, den der J. Cupra von den Picentinern. Die bildende Kunst stellt die Hera dar als das Ideal gereifter weiblicher Schönheit, mit vollen, aber von überfülle freien Formen, mit amda b gebietendem Ausdruck des Antlitzes, vollständig bekleidet mit Ober- und Untergewand, nur Hals und Arme entblößt, auf dem Haupt häufig den Schleier und regelmäßig einen diademartigen Kopfschmuck Ich das Oe in der einen Hand trägt sie gewöhnich das Scepter, in der andern bisweilen einen Granatapfel oder auch eine Schale; beigegeben ist ihr nicht selten der Pfau. Die berühmteste Darstellung der Göttin war im griech. Altertum das von Polyklet gefertigte Kolossalbild aus Gold und Elfenbein im Heraion bei Argos; unter den erhaltenen nehmen einige wohl mit Recht auf ein Original des Praxiteles zurückgeführte Statuen, unter welchen die Kolossalstatue im Vatikan hervorragt, eine Büste strengen Charakters in Neapel, welche von einigen für eine Nachbildung nach Polhtlet gehalten wird, und der großartige Kolossalkopf in der Sammlung der Villa Ludovisi in Rom (s. Tafel: Bildnerei III, Fig. 2) den ersten Rang ein. Vgl. Overbeck, «Griech. Kunstmythologiey (besonderer Teil, Bd. 2, 1. Tl., Lpz. 1873; mit Atlas 1873—76); Roscher, (Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römero (Heft 2: 4&J. und Heras, Lpz. 1875). ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 929Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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