Acanthus (Bärenklau), Pflanzengattung aus der Familie der Acanthaceen, deren Arten mit Ausnahme einer ostindischen in den Umgebungen des Mittelländischen Meeres wachsen. Zwei derselben, A. mollis (der weiche oder unbewehrte) und A. spinosus (der dornige), welche vorzugsweise im südlichsten Europa (Griechenland, Unteritalien, Sicilien, Südspanien, Südportugal) vorkommen, Hiemen schon bei den Griechen und Römern diesen men, sind stattliche Stauden und zeichnen sich durch die Schönheit ihrer großen, glänzend dunkelgrünen, buchtig gespaltenen Blätter aus, von denen die untersten auf zierlich gebogenen Stielen nach auswärts gekrümmt sind und zusammen eine offene Rosette fast von der Form eines Säulenknaufs bilden. Dies war die Veranlassung dazu, daß der griech. Architekt Kallimachus den Blätterbüschel des A. mollis künstlerisch 1e Japilal⸗ indem er daraus das von ihm erfundene Kapitäl der korinth. Säulen (Akanthus) bildete. Auch zur Verzierung von Gefäßen (z3. B. der Henkel röm. Trinkschalen, der Schäfte der Kandelaber) wurden Acanthusblätter verwendet. Diese Vorliebe für die Acanthusblätter ging auch in die got. Baukunst über; sowohl an Säulenknaufen als an sonstigen Ornamenten altgot. Bauwerke, namentlich in Deutschland, sind dergleichen Blätter nachgeahmt. Doch nahmen sich jene Baumeister nicht die Blätter von A. mollis, sondern die schmälern von A. spinosus zum Vorbilde. Beide Acanthusarten sind nicht allein ihrer Blätter halber, sondern auch wegen ihrer langen Ahren großer, gelblich- oder rötlichweißer Blumen schöne Pflanzen, weshalb sie, wie schon im Altertum, häufig in Gärten kultiviert werden. — Im Mittelalter und auch noch später wurden die Blätter und Wurzeln von A. mollis unter dem Namen Branca ursina (Bärenklau) we900 ihres Schleimgehalts als erweichende und einüllende Mittel gegen Durchfälle, Ruhr, Husten, Blutspucken und Verbrennungen angewendet. Jetzt versteht man in der Volkssprache unter Bärenklau hauptsächlich die zu den Doldengewächsen gehörende Gattung Heracleum.