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ReligionBrockhaus 1882

Acta Sanctorum ist die allgemeine Benennung für alle Sammlungen älterer Nachrichten über die Märtyrer und Heiligen der griech. und lat. Kirche. Die Anfänge und ersten Grundlagen dieses besondern Zweigs der kirchlichen Geschichtschreibung sind die A. Martyrum, die Berichte über Verhör, Verurteilung und Hinrichtung der Märtyrer durch die heidnische Obrigkeit. Seit der Verfolgung des Decius (250) wurden in Rom und anderwärts über das Schicksal der Märtyrer förmliche kirchliche Akten geführt, doch sind von denselben nur wenige Reste auf uns gekommen. Auch von den offiziellen röm. Präsidialakten, die über jede Verurteilung geführt wurden, ist sehr wenig übriggeblieben. Desto zahlreicher ist die Menge der erdichteten, gefälschten oder doch in späterer Zeit überarbeiteten Märtyrerakten, die durch die abenteuerlichsten Wundergeschichten und durch die übertriebensten Schilderunen von den Qualen der Heiligen der frommen Phantaste zur Nahrung dienten, häufig auch von den ärgsten Anachronismen und histor. Unrichtigkeiten wimmeln. Historisch ungleich wertvoller sind die alten Kalendarien, welche bloße Verzeichnisse der Namen und Gedenktage der Märtyrer enthielten. Das älteste ist das römische vom J. 354. Aus der allmählichen Bereicherung dieser Kalendarien durch biographische Notizen, namentlich über die Passionen der Heiligen, entstanden seit dem 7. und 8. Jahrh. die freilich zum Teil aus sehr trüben Quellen geflossenen Marty bert hhah des Pseudo-Hieronymus, Beda, Wandelbert, Rhabanus Maurus, Ado, Usuard, Notker; ferner das Martyrologium Romanumo, zuerst von Pet. Galesinius (Vened. 1574), dann auf Befehl Gregors XIII. von Cäsar Baronius (Rom 1586) und seitdem noch öfter (zuletzt Regensb. 1847) herausgegeben, sowie die „Menäen oder «Menologien der Griechen (Menologium Basilii imperatoriso), herausg. von Annibale Albani (3 Bde., Urbino 1727) und die sog. Oom Menäen (in 12 nach den Monaten benannten dn., Vened. 1528 fg. u. öfter). Einen Versuch, Echtes von Unechtem zu scheiden, lieferte mit den damaligen beschränkten kritischen Mitteln der Mauriner Ruinart in den A. primorum martyrum sincerap (Paris 1689 u. öfter, zuletzt Regensb. 1859). Neben dieser Märtyrerlitteratur entwickelte sich bereits vom 4. Jahrh. an ein verwandter Zweig der kirchlichen Geschichtschreibung, indem man das Leben einzelner, durch heiligen Wandel ausgezeichneter Personen aufzuzeichnen begann. Diese sich mit jedem Jahrhunderte mehrenden Biographien wurden e „Wem in zunächst nur auf Erbauung berechnete Werke vereinigt. Dahin gehören z. B. der «Catalogus virorum illustriumo des Hieronymus (392), die «Historia Lausiaca des Palladius (um 420) u. a. Unter den spätern griech. Lebensbeschreibungen der Heiligen sind die des Symeon Metaphrastes ums J. 900 (herausg. von Migne, Patrologie grecque, Bd. 114-116) am berühmtesten geworden. Unter den lat. Sammelwerken dieser Art ist (Die goldene Legenden des Jakobus de Voragine (Viraggio) aus dem Ende des 13. Jahrh. hervorzuheben (zuletzt herausg. von Grässe, Lpz. 1846), von der man allein aus dem 15. Jahrh. 71 Ausgaben kennt. Seit Ausgang des Mittelalters begann man ähnliche Sammlungen gelehrten Interesse und teilweise bereits mit einer gewissen, freilich noch sehr unzulänglichen kritischen Sichtung zusammenzustellen. Nachdem Boninus Mombritius in seinem «Sanctuariumv (2 Bde., Vened. 1474) die erste solche Sammlung von Nachrichten über Heilige zusammengestellt, folgten die Vitae Sanctorump von Lipomann (8 Bde., Rom 1551—60) und des Surius (6 Bde., Köln 1569). Letzterer ordnete die Biographien nach den Monaten und Tagen. Aber alle diese Sammlungen ließ das von einer Gesellschaft gelehrter 5.) ö ten in Antwerpen, den sog. Bollandisten (s. d.), unter dem Titel A. Sanctorumo veranstaltete Werk an Vollständigkeit des Materials und Reichqhaltigkeit des Wertaibt Apparats weit hinter sich zurück. Das Werk gibt nicht nur alle vorhandenen Tonderaauch alle N von Heiligen und Märtyrern, sondern auch alle Notizen, welche sich in den vorhergehenden Sammelwerken oder sonst über dieselben vorfinden. Der erste Entwurf zu diesem Riesenwerke rührt von dem Jesuiten Heribert Rosweyd her, der jedoch noch vor der Ausführung (1629) starb. Die ersten Bände veröffentlichte 1643 und 1658 Bolland und Henschen, worauf das Werk seinen Fortgang hatte, bis 1794 mit der Invasion der Franzosen in den Niederlanden die Arbeiten eingestellt werden mußten. Erst in neuerer Zeit hat man das Werk, das mit dem 53. Bande liegen geblieben war, wieder aufgenommen; 1845 und 1854 erschienen der 54. und 55. Band von Vandermoer und van Hecke, w1858 — 70 der 56.—60. Band von Letztgenanntem in Gemeinschaft mit Bossue, de Buck und Carpentier; 1875 ein Registerband. Eine neue Ausgabe der 54 ersten Bände des Werks erschien 1863—69. Vgl. Pitra, Etudes sur la collection des actes des saints o (Par. 1850). Aotaea hieß schon bei den Römern eine krautartige, zu den Ranunkulaceen gehörende Pflanze, welche von Linné A. spicata genannt wurde und beim Volke unter dem Namen Christophskraut bekannt ist. Diese perennierende, auf feuchter, lockerer Lauberde in Wäldern, namentlich in Gebirgswaldungen an kräuterreichen, schattigen Orten in Nordeuropa, Deutschland und der Schweiz wachsende Pflanze, welche große, dreizählig doppeltgefiederte Blätter, kleine weiße, in kurze eiförmige Trauben estellte Blüten und glänzendschwarze erbsengroße Veeren trägt, besitzt giftige Eigenschaften, besonders die Beeren. Der ästige, quergeringelte Wurzelstock fand früher unter dem Namen Radix Christophorianae s. Aconiti racemosi in der Pharmacie als Purgiermittel Verwendung. Man findet das Christophskraut bisweilen als Zierpflanze in Gärten. Einige andere Arten der Gattung A. wachsen in Nordamerika und Asien.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 122Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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