FeedJordanes
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Jordanes, Geschichtschreiber des 6. Jahrh., auch Jornandes genannt, von Geburt ein Alane, der sich aber selbst zu den Goten rechnet, war in seinen jüngern Jahren Notar, später aber Geistlicher, und zwar vermutlich Bischof von Croton. Er schrieb 551 zwei noch erhaltene Werke, welche von einer ausgebreiteten Belesenheit in der griech. und röm. Litteratur Zeugnis geben und für uns von großem Werte sind. Das erste, einem Vigilius, vielleicht dem damaligen röm. Papste, gewidmete Werk: »De origine actibusque Romanorumy oder De summa temporums, ein Abriß der Weltgeschichte bis auf seinen Zeitgenossen Justinian, hat nur noch mittelbare Bedeutung. Dagegen ersetzt das andere: 4De origine actibusque Getarumo, eine Geschichte der Goten von ihrem Ursprunge bis gegen den Sturz der Ostgotenherrschaft in Italien, den Verlust mehrerer bedeutender Quellenwerke, namentlich der 12 Bücher gotischer Geschichte des Cassiodor, und es dient mithin, bei aller Mangelhaftigkeit des Inhalts und der Form, als einzige unschätzbare Quelle für eine Reihe von Begebenheiten aus der got. Geschichte und der Völkerwanderung. Von den letzten Zeiten berichtet er teils nach der Chronik des Marcellinus Comes, teils aus eigener Kenntnis. Unter den vielen Ausgaben des —— die beste die von Theod. Mommsen, GJordanis mana et Getica, in (Monumenta Germaniae historica auctorum antiquissimorumo (Bd. 15, Berl. 1882) mit litterarischer Einleitung. um die Geburtshilfe verdienter Mediziner, geb. 24. Dez. 1779 zu Predel bei Zeitz, studierte zu Leipzig, wo er sich 1805 als Priwatdocent habilitierte. Anfangs war er als praktis cher Arzt, Geburtshelfer und besonders auch als Orthopäd thätig. Auf letzterm Gebiete erwarb er sich nicht geringe Verdienste, indem er mildere Methoden und Maschinen einführte und dieselben in mehrern Schriften, wie «über die Klumpfüßer (Marburg 1806) und aliber die Verkrümmungen des menschlichen Körpers (2. Aufl., Lpz. 1816), verbreitete. Eine bleibende Stelle hat sich jedoch J. besonders in der Geschichte der Geburtshilfe gesichert, indem er hier, durch die Schriften Börs geleitet, die willkürlichen geburtsirztlichen Operationen zu beseitigen, . Hlecht aber der Naturthätigkeit im Geburtsakte ihr Recht wiederzugeben suchte. Dabei gründete er seine Ansichten auf eine ausgebreitete Kenntnis des physiol. und pathol. Lebens des Weibes. Seit 1810 Professor der Geburtshilfe und Direktor der Entbindungsschule zu Leipzig, wirkte er in dieser Stellung bis zu seinem Tode, der 20. Sept. 1856 erfolgte. Von I.s fachwissenschaftlichen Arbeiten sind besonders hervorzuheben: «Uber das Gebärorgan des Menschen und der Säugetieren (Lpz. 1808), aüber das physiol. und pathol. Leben des Weibesy (2 Bde., Lpz. 1807), (Die Zeugung des Menschen und der Tierer (mit 10 Tafeln, Lpz. 1815), „Die Fötuslunge im geborenen Kinder (Grimma 1835), Die Geburt als gesundheitsgemäßer Entwickelun Sakty (5. Aufl., Lpz. 1855), (Handbuch der Ge urtshilfes des Weibeso (3. Aufl., Lpz. 1831), «Handbuch der speziellen Therapie für Arzte (Lpz. 1835), Handbuch zum Erkennen und Heilen der Kinderkrankheitenv (2. Aufl., Lpz. 1836), (Die Zurechnungsfähigkeit der Schwangern und Gebärendeny (Lpz. 1837). Für ein + Publikum berechnet sind die Schriflichen und geistigen Entwickelungsstufen » (Lpz. 1845), „Zehn Gebote der Diätetiko (Lpz. 1847; 2. Ausg. 1858), „Gesundheitskatechismusy (Lpz. 1850) und Die 2 .1 des Menschen zur Selbstbeherrschunge (4. Aufl., Lpz. 1853).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 887Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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