Adamiten oder Adamianer ist der gemeinsame Name verschiedener religiöser Sekten, welche unter dem Vorwand, in vollendeter Heiligung zu paradiesischer Unschuld zurückgekehrt zu sein, l groben sittlichen Ausschweifungen hingaben. So so im 2. u Rrot eine Sekte gnostischer Richtung, angeblich von Prodikos, einem Schüler des Karpokrates begründet, in völliger Nacktheit sich versammelt haben, angeblich um die Enthaltsamkeit sinnlicher Lust auch in der stärksten Versuchung zu bewähren, in Wahrheit, um ungezügelt der schamlosesten Unsittlichkeit zu fröhnen. — Iu der Zeit der Reformation finden wir eine verwandte Richtung unter den Brüdern des freien Geistes (s. d.). Zeitgenossen berichten, um 1418 sei ein gewisser Pikard aus der Picardie durch Deutschland nach Böhmen gekommen und habe durch seine Wunder zahlreiche Anhänger gefunden. Diese hießen Pikarden oder A., weil Sie ve sich als Sohn Gottes und Adam bezeichnete. ie versammelten sich nackt, trieben die ärgste Weibergemeinschaft und wollten mitten unter den hussitischen Wirren einen paradiesischen Naturzustand wieder aufrichten. Auf einer kleinen Insel im Flusse Luschnitz setzten sie sich fest und verheerten die Umgegend. Ziska eroberte 1421 die Insel, tötete viele doch blieben andere verborgen, besonders zahlreich im Chrudimer Kreise, auf den Herrschaften A* burg, Leutomischl, Landskron, Chrausowitz. Ans Tageslicht trat die Sekte zuerst wieder 1782 infolge des Josephinischen Toleranzedikts, ward aber bald unterdrückt. Im Freiheitsjahr 1848 traten sie wieder hervor und fanden anperche in fünf Dörfern des Chrudimer Kreises zahlreichen Anhang. Jetzt nannten sie sich auch Marokkaner, da sie die Nusrottung aller Katholiken durch einen aus Marokko kommenden Feind erwarteten. Dann sollten die A. allein übrigbleiben und alle Güter unter sich teilen. Durch militärische Exekution sind sie wenigstens äußerlich zur Ruhe gebracht. — Neuerdings sind A. aufgetreten in der in Lenox im Staate Neuyork bestehenden Sekte ader freien Liebey (Oneida-Gemeinde), welche, von Noyes gestiftet, eine durchaus kommunistische Verfassung hat, die Gemeinschaft der Güter und der Frauen, Erziehung der Kinder durch die Gemeinde, kurz die völlige Negation des Eigentums und der Familie ausspricht. ů Unabhängigkeit und 1797—1801 zweiter Präsident der Vereinigten Staaten, stammte aus einer Puritanerfamilie, die gegen 1640 von England nach Massachusetts eingewandert war, und wurde 19. Okt. 1735 zu Braintree (jetzt Quincy) in Massachusetts Hechtsne Vor der Revolution zeichnete er sich als techtsgelehrter aus. Einige Artikel Über die Stempelakte, die er zu Anfang der Streitigkeiten mit England in der „Boston Gazetten veröffentlichte und welche 1768 in London unter dem Titel Essay on the Canon and Feudal Lawy abgedrucktt wurden, machten ihn zuerst in weitern Kreisen bekannt. J Sommer 1774 von Massachusetts in den Nationalkongreß gewählt, beförderte er die Ernennung Washingtons zum Oberbefehlshaber, trug wesentlich zur Unabhängigkeitserklärung vom 4. G 177⁶ bei, deren Entwurf er mit Jefferson, Franklin, Sherman und Livingston beriet, und ging 1778 als Bevollmächtigter des Kongresses nach Frankreich. Nach seiner Rückkehr ward er vom Staate Massachusetts zum Mitgliede des Ausschusses erwählt, der das neue Grundgesetz entwerfen sollte. Bald nachher schickte ihn der —5 wieder nach Europa, um Friedensunterhandlungen mit England anzuknüpfen. Er kam Ende 1779 in Paris an, wo ihm aber die Doppelzüngigkeit des franz. Kabinetts, seine Abneigung gegen Frankreich und seine Eifersucht Haen Franklin viele Schwierigkeiten in den Weg legten. Im Juli 1780 ging er als Gesandter nach Holland, und hier wußte er sowohl durch geschickte Unterhandlungen als durch überzeugende Aufsätze in Zeitschriften die Regierung und die öffentliche Meinung für sein Vaterland zu gewinnen. Im Okt. 1782 wandte er sich abermals nach Paris, um in Verbindung mit Franklin, dun, Jefferson und Laurens den Frieden mit England abzuschließen. Er kehrte 1783 nach dem Haag zurück und schloß hier mit dem preuß. Gesandten von Thulemeier den berühmten, in der Geschichte des Völkerrechts epochemachenden Preußisch-Amerikanischen Handels⸗ und Freundschaftsvertrag vom 10. Sept. 1785 ab. Als der erste Gesandte der Union kam A. im Mai 1785 nach London. In London gab er heraus: Defence of the Constitution and Government of the United Stateso (3 Bde., 1787). Nach seiner Rückkehr nach Amerika 1788 beförderte er mit Alex. Hamilton und andern Anhängern der föderalistischen Partei die Veränderun-Hr der Verfassung, welche auf Befestigung des nsehens der Centralgewalt den einzelnen Staaten der Union gegenüber ausgingen. Mit Einführung der neuen Verfassung wurde A. 1789 zum Vizepräsidenten der Union erwählt und, als Washington sich 1797 zurückzog, zum Präsidenten. „Als dene befolgte er Washingtons Politik und 2•0 sich den damaligen europ. Verwickelungen fern. ieser durch die Lage des Landes gebotenen Neutralität der Regierung standen die franz. Sympathien der Antiföderalisten unter Jefferson, welche die Föderalisten der l. Die Wil Englands anklagten, erbittert gegenüber. Die Willkürmaßregeln und gesuchten Beleidigungen des franz. Direktoriums verursachten einen vollständigen Bruch mit Frankreich und trieben bis an den Rand des Kriegs. Andererseits aber nahmen die Agitationen der franz. Flüchtlinge im Gebiete der Vereinigten Staaten so überhand, daß der Kongreß die sog. Fremden⸗ und Aufruhrgesetze erließ, welche den Präsidenten bevollmächtigten, diejenigen Fremden auszuweisen, welche im Falle eines Kriegs durch ihre allten. die Interessen der Regierung gefährden sollten. A. rüstete im Sommer 1798 eine Flotte aus (die erste amerikanische) und ernannte Washington zum Oberbefehlshaber der Armee, indessen kam es nicht Dern Kriege, da Frankreich in letzter Stunde einen Vertrag vorschlug, der . von A. und dem Senate angenommen wurde. Infolge dieser Verwickelung zerfielen jedoch die Föderalisten auch unter sich, namentlich griffen ihre hervorragendsten Führer, wie Hamilton und die Pinckneys, den Präsidenten Rero an. Rad hatten die Antiföderalisten unter Jefferson ein eichteres Spiel, den ohnehin als Aristokraten verschrienen, 1 zugeknöpften A. uochperh auch wegen der Fremdengesetze beim Volke noch verhaßter zu machen und mit seinem Sturze zugleich die ganze öderalistenpartei zu vernichten. Im J. 1801 siegte Feffer on bei der hierauf auf sein mit neun Stimmen. A. zog sich hierauf — sein Landgut Quincy zurück, wo er sich vorzugsweise mit litterarischen Arbeiten aschuses t och 1820 war er als Mitglied des Ausschusses thätig, welcher zur Durchsicht der Verfassung des Staates Massachusetts erwählt worden. A. starb zu Quincy 4. Juli 1826, an demselben Tage, an welchem 50 Jahre früher die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten erfolgt war und an welchem auch sein früherer Mitarbeiter, Gegner und späterer Freund Jefferson starb. Seine Ens Leh Werke wurden nebst einer Schilderung seines Lebens (Lite and works of John A.v, Boston 1851 — 56) von seinem Enkel Charles Francis A. publiziert, der schon früher die Reisebriefe an seine Frau (Letters addressed to his Wifen, 2 Bde., Boston 1842) veröffentlicht hatte. Vgl. J. Q. und C. F. Adams, Life of John A. v (2 Bde., Boston 1871). Adams (John Quincy), der sechste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, 1825 — 29, der Sohn des vorigen, geb. zu Braintree (etzt Quincy) in Massachusetts 11. Juli 1767, begleitete schon als Knabe seinen Vater zweimal nach Europa und brachte einen großen Teil seiner Jugend zuerst in Paris, dann im Haag und zuletzt in England zu. Nachdem er 1788 in Harvard-College promoviert hatte, ließ er sich 1791 in Boston als Advokat nieder, ward aber schon 1794 als Gesandter nach dem Haag und unter der Präsidentschaft seines Vaters 1798 nach Berlin geschickt. A. teilte ganz die Ansichten seines Vaters, weshalb ihn sih us on 1801 aus Berlin zurückrief. Er widmete sich nun abermals der Advokatur, wurde aber schon 1802 in den Senat von ½ etts und 1803 in den Kongreß ewählt. Infolge des Streits über die gegen Engand verhängte Embargo-Akte, die er im Gegensatz zu seinen Parteigenossen, den Föderalisten, billigte, zog er sich jedoch vom öffentlichen Leben zurück, bis ihm der Präsident Madison 1809 den Gesandtschaftsposten am russischen Hofe übertrug. Am 24. Dez. 1814 schloß er mit Gallatin und Clay den Frieden von Gent ab, wurde dann zum Gesandten in England und 1817 vom Präsidenten Monroe zum Staatssekretär oder I der auswärtigen Angelegenheiten ernannt, welche Stellung er acht Jahre lang bekleidete. Nach Monroes Rücktritt erfolgte, unter einem Die. 0 „ mit Jackson, im März 1825 die Wahl A.' zum Präsidenten der Union. Als solcher hatte er aber eine hauptsächli aus Südländern bestehende Maoritht e * gresses gegen sich, welche ihm als Freund der Schutzzollpolitik sowie als Gegner der Sklaverei nicht traute. Dabei war A. auswärtige Politik nicht glücklich. So that das Fehlschlagen des Panama-Kongresses, der einen Bund sämtlicher amerik. Republiken ins Auge gefaßt hatte, seinem staatsmännischen Rufe Abbruch. Wiewohl es ihm gelang, Handelsverträge mit den meisten europ. und südamerik. Staaten abzuschließen, drohte doch der von ihm 1828 eingeführte neue Zolltarif die Union in ernstlichegerwürfnissemit England zu verwickeln. Als im März 1829 seine Amtszeit ablief, folgte ihm der rücksichtslose Vertreter der Sklaverei-Interessen General Jackson als Präsident. A. zog 1 nun auf sein Landgut Quincy in der Nähe von Boston zurück, wurde aber 1831 in das Repräsentantenhaus gewählt, wo er fortan die Sache der Abolitionisten (. d.) vertrat und durch seine unausgesetzten Petitionen in der Sklavenangelegenheit die Emanzipationsideen mächtig förderte. Den Angriffen der Südländer, die ihn mit Gewalt zum Schweigen bringen wollten, setzte er die kaltblütigste Ruhe entgegen. Er reichte 1842 sogar, nur um das Petitionsrecht in abstracto zu wahren, eine Petition um Aufhebung der Union ein. A. starb zu Washington während der Kongreßsitzung 23. Febr. 1848. Er war unter den amerik. Staatsmännern alter Schule der gewandteste und mit den europ. Verhältnissen vertrauteste Diplomat. Sein Leben haben W. H. Seward (Life of John Quincy A.v, Neuyork 1853) und Josiah Quincy (Memoir of the life of John Quincy A.v, Boston 1858) beschrieben. Vgl. «Memoirs of John Quincy A., comprising portions of his diary from 1795—1848. Edited by Ch. Fr. Adamso (12 Bde., Philad. 1874 - 77). Sein einziger, ihn überlebender Sohn, Charles lepte dem A., geb. 18. Aug. 1807 zu Boston, verebte seine frühere Jugend in Rußland und England, studierte auf Harvard University zu Cambridge die Rechte, ließ sich 1828 als Rechtsanwalt in Boston nieder, widmete aber einen großen Teil seiner Zeit litterarischen Beschäftigungen, besonders der Herausgabe der von seinem Vater und Großvater hinterlassenen Papiere und Korrespondenzen. Doch ließ er sich 1831 in das Repräsentantenhaus und 1834 in den Senat von Massachusetts wählen und wurde 1848 von den Freibodenmännern als Kandidat für die Vizepräsidentschaft der Vereinigten Staaten aufgestellt. Er kam 1859 als Kongreßmitglied für 1561 von Eindh Washington und erhielt im März 1861 von Lincoln den olen eines Gesandten in England, wo er durch Takt und Festigkeit sehr viel dazu beitrug, den während des Bürerkriegs und nach demselben zweimal drohenden Bruch wischen den Vereinigten Staaten und England (Trent-Affaire und 1cbeuso 5990 abzuwenden. Von den Engländern ebenso hoch geachtet als von seinen Landsleuten, kehrte A. im Sommer 1868 nach Amerika zurück und wohnt seitdem wieder in Boston. Im Winter 1871/72 war er auch Mitglied des Genfer Schiedsgerichts in dem Alabamastreite. A. veröffentlichte Memoirs of John Quincy A.v (12 Bde., Philad. 1874 — 77). — Von seinen Söhnen hat sich Charles Francis A., geb. in Boston 27. Mai 1835, besonders als volkswirtschaftlicher und polit. Schriftsteller, 1.½½ über das amerik. Eisenbahnwesen wurch das Wer Railroads. Their origin and problemso (2. Aufl., Boston 1880) vorteilhaft bekannt gemacht, nachdem er mit Auszeichnung im %• gedient hatte.