FeedHumiliaten
ReligionBrockhaus 1882

Humiliaten (lat., d. h. Gedemütigter) heißen die Mitglieder einer Vereinigung, welche dadurch entstand, daß lombardische Adelige, welche als Geangene nach Deutschland gebracht waren, nach ihrer Rückkehr sich teils zu Bußübungen, teils zu gemeinsamer Handarbeit verbanden. Als ihr Stifter wird der mailändische Edelmann Joh. von Mada genannt. Entstehung setzen einige unter Kaiser Heinrich II. (1017), andere unter Lothar II. 1134), noch andere unter Friedrich I. (1160). Ursprünglich bildeten die H. eine reine Laienverbindung, deren Mitglieder heiraten durften, aber keinen Eid schwören. Im 12. Jahrh. sonderte sich ein engerer Kreis von solchen aus, welche ehelos und klosterlich lebten. Dazu trat dann noch später eine Kongregation, welcher nur Priester angehörten. Eine Bulle Papst Lucius' III. vom J. 1184 beweist, daß ein Teil der H. sich den Waldensern anschloß, die auch selbst H. genannt wurden. Desto enger ordneten andere sich dem Papsttum unter; Innocenz III. gab diesen akatholischenz H. im J. 1201 eigene Statuten. Unter diesen griffen später Mißbräuche Platz; als der Kardinal Borromeo sie reformieren wollte, machte der Priester La Farina einen Mordversuch gegen ihn. Infolge dessen hob Pius V. den Orden 1571 auf. — Schon gleich anfangs hatten die Frauen der H. sich ebenfalls zu strengen Bußübungen vereinigt; sie nannten sich Humiliatinnen, oder nach ihrer Stifterin, der Mailänderin Clara Blassoni, Blassonische Nonnen; sie haben in Italien noch jetzt einige Klöster.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 461Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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