FeedAfghänistan ist der persische
ErdkundeBrockhaus 1882

Afghänistan ist der persische, allgemein gebräuchliche Name des Landes der A (Etammwelches einheimisch kurzweg als Urlajät (Stammland) oder nach den Hauptgebieten als Kabulistan u. s. w. bezeichnet wird. Es liegt, geographisch, geschichtlich und sprachlich den übergang von Indien zum westl. Asien bildend, zwischen 28 45 und 37² 15, nördl. Br. und 60˙ 55“ und 74 45 östl. L. (von Greenwich). Im O. wird es von den Landschaften Tagdumbasch, Kohistan, Kafiristan, dem früher zu ihm gehörigen Peschawer und dem Pendschäb, im S. von Balutschistan, im W. durch das pers. Khorasän, im N. durch das Gebiet der Turkmenen, Bokhara, Darwas, Schignan und Ostturkestan begrenzt. Die Bestandteile A.s sind: im N., von W. nach O., das Kyptschäk, Djemschidi und Gardjistan um den obern Mhurghäb; Maimene, Balkh, Khulm, Kunduz, Badachschän und Wachan (insgesammt das afghan. Turkestan); im W., von N. nach S. Ghür oder Ghurdjistan (nach der Dynastie der Ghuriden) und Herat, ferner Teile von Seistan; östlich davon, im N., das fast unbekannte Aimäk⸗ und Hazareh⸗ Gebirgsland; südlicher das Hilmendgebiet: Zamindawar und Gurmsel; östlicher das eigentliche A., zu welchem im ND. Kabulistän, im SO. (wenigstens bis zum Frieden zu Gandamak 1879) Siwistän gehören. Der Flächeninhalt des Staates A. wurde vor dem Vertrag von Gandamak (1879) zu 720 664 qkm angegeben. Der enge Zusammenhang mit dem Quellgebiet des Indus und den westl. Ausläufern des Himalajage irgs bedingt die ganze Bodengestaltung des nordöstl. Teils des Landes mit einer Erhebung von über 1830 müber dem Meere, während nach SW. zu, in welcher Richtung fast ohne usnahme die einzelnen Höhenzüge des Innern streichen, der Boden sich bis 35 500 m senkt. Vier schen u des Landes sind Fels und Gebirge; dazwischen liegen gut bewässerte, höchst fruchtbare Thäler von hoher Schönheit und kalte, öde, kaum Weide bietende Tafelländer. Es ist so uneben wie die Schweiz, hat aber höhere Gipfel als diese; ist Breit als Spanien und bringt, da es in der Breite von Syrien und Agypten liegt, in den tiefern Gegenden tropische Produkte hervor. Im N. zieht sich von den ind. Centralmassen westwärts der Hindu-Kusch mit seinen Schneegipfeln und unwegsamen Zerklüftungen. Von letzterm durch den geschichtlich bedeutsamen Bamiiänpaß geschieden, läuft in derselben Richtung westlich der nach der Nordseite wild und zerklüftet abfallende Gebirgszug Kohi-Baba, etwa 5500 m hoch, ebenfalls in die Region ewigen Schnees aufragend, auf welchem der Hilmend entspringt und sechs sehr beschwerliche Pässe den Verkehr vermitteln. Dem Kohi-Baba schließen sich wiederum westlich zwei parallele Gebirgszüge an, der Sefid-Koh (Weißes Gebirge) und der Siah-Koh, welche das Thal von Herat einschließen. Der erstere heißt in der alten Geographie Paropanisos Kabul bis über den Hilmend fort zu dessen linken Nebenfluß Argundab, nach S. bis in 32 nördl. Br. erfüllen die hohen Ketten und Gipfel des Siah-Koh und der die Flüsse in ihrem obern Laufe trennenden davon ausgehenden Gebirgsketten das ganze noch ktenlh ger Land der Hazareh. Im O. geht in ziemlich gerader Richtung von N. nach S. das Soleimängebirge, von dem etwas südlich von Kabul der Zug des Sufaid-Koh (afghan. Spin-Gar) sich westwärts abzweigt, und das in dem ungefähr in 31½¼9 nördl. Br. liegenden Takht-i-Soleiman oder Khaisa-Gar bis zu 3910 m aufsteigt. Dieser bis nach Balutschistan hinabreichende zwischen d bildet eine höchst charakteristische Grenze zwischen der ind. und W. W Welt, mit seinem öden, Judusth Abfall im W. stark gegen das fruchtbare Industhal kontrastierend. Keine bedeutenden Querthäler öffnen diese Grenzgebiete einander; es gibt unter den zahlreichen, wegen ihrer Enge und ihrer räuberischen Anwohner gefährlichen Verbindungswege fünf wichtigere: die 53 km langen Khayberpässe an dem dr Kurumn des Kabulflusses nach dem Pendschab, der Kurumpaß von Bannu nach Thal und Fort Kurum und nach Ghasna, — der Khusoran und der für Artillerie praktikable Tankpaß; an der Nordseite des Takht-i-Soleiman der 235 km lange Gomul⸗ oder Gulam⸗ oder Ghwalarpaß, der große Handelsweg nach Indien. Zwischen jenen beiden roßen Höhemzügen, dem Paropanisus und dem Soleimangebirge, welche fast im rechten Winkel das Sachne afghan. Hochland einschließen, laufen in diagonaler 5 uter von NO. nach SW. eine Reihe längerer und kürzerer Gebirgsrücken. Zu den Erfeakung d des Nordens und Ostens bietet die Einenkung des Südwestens das Gegenbild. Hier 45 der 2920 qkm große Hamünsee, an welchen im S. der sumpfige Göd-i-Zirreh, d. h. Meer (Aria Palus) stößt, in einer Meereshöhe von nur etwa 450 m.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 174Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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