Armenien in seiner weitesten Ausdehnung, in der es aber entweder nie oder doch nur vorübergehend zu einem einzigen Reiche unter einem Herrscher verbunden war, liegt zwischen 55 bis 67² östl. L. (von Ferro) und 37½ bis 41 ¾ nördl. Br. Seine größte Länge von O. nach SW. beträgt 975 —1050, seine größte Breite von N. nach S. etwa 525 Km. Es — 7 einen Flächenraum von etwa 357900 qkm und erstreckt sich von dem Kaspischen Meere und der pers. Provinz Aserbeidschan im O. bis nach Kleinasien im W. und von dem Resor Kur (Cyrus) im N. bis nach Kurdistan und esopotamien im S. Das eigentliche A. oder Großarmenien, welches in 15 Provinzen, 190 Distrikte und 620 kleinere Abteilungen (Gaue) zerfiel, begriff den größern östl. Teil des Ganzen bis an den Euphrat und Antitauros mit einem Flächenraum von 220000 qkm. Westlich davon lag Kleinarmenien, welches sich nach Kleinasien hinein erstreckte und ursprünglich 28000, später 88000, zuletzt unter Justinian 138000 akm enthielt. Die Araber, welche einen großen Teil von eroberten, machten verschiedene Einteilungen; später amterwarfen. sich das Land die Seldschuken, und zuletzt teilten sich die Inch. Perser und Türken in dasselbe. Der nordöstl. Teil, welcher 1828 durch den Friedensschluß von Turkmants hai einen (von Persien an Rußland abgetretenen) Paschalet dis an den Araxes erhielt, 1829 um das Paschalik von Achaltzich und 1878 durch den Berliner Vertrag um Ardahan, Kars und Batum nebst einigen Grenzlandschaften vermehrt wurde, steht unter russ. Scepter. Der südöstl. kleinste Teil, etwa ein Sechstel, gehört den Persern, der westliche aber und größte Teil, etwa zwei Drittel des ganzen Länderkomplexes, ist der Türkei unterworfen. A. ist eins der höchstgelegenen Länder Westasiens, mit Hochebenen bis über 2200 m, welche die schönsten Weideplätze haben, aber baumlos sind und nach W. und S. hin sich allmählich terrassenförmig abdachen. Es ist reich an großen Alpenseen, von denen der See von Gegham oder Gevan gegen 1900, der von Wan 1480, der von Urmia 1420 m über dem Meeresspiegel liegt. Unter den Bergen ragt besonders der Große Ararat hervor, 5171 m; ihm zur Seite liegt der Kleine Ararat, 3970 m. Es gibt jedoch auch in A. weite Niederungen, unter denen die unbebaute Ebene von Mughan die bedeutendste ist. Dieselbe liegt in dem östlichsten Teile des Landes zwischen dem Kur und Araxes und erstreckt sich bis an das Kaspische Meer und den Kaukasus. In A. entspringen, außer kleinern Flüssen, der Kur, welcher von dem moschischen Gebirge kommt und die Nordgrenze des Landes bildet, südwestlich davon der Araxes, der Grenzfluß zwischen dem russischen und persischen A., ferner der Euphrat, der seinen Ursprung in den Gebirgen des Sandschaks Bajesid nimmt, und der Tigris, der in geringer Entfernung von diesem Strome im Vilajet Diarbekr entsteht. Das Klima von A. ist im allgemeinen rauher, als man annehmen 99377 An vielen Orten bleibt der Schnee ein halbes Jahr liegen, viele Flüsse frieren ganz zu, und das Land wird oft weit und breit mit einer dichten Schneemasse 1—2 m hoch bedeckt, welche den Reisenden sehr gefährlich werden kann. In Hocharmenien fällt Schnee 7—8 Monate, vom Oktober bis zum Mai; um Eriwan schneit es zwar nur 5 Monate, aber das Thermometer fällt bis — 25 C. Weniger rauh dagegen zeigt sich das westliche A. in der Mitte, der südl. Teil mit den Tiefthälern von Kurdistan und der Gegend von Diarbekr, sowie die große Ebene am Kaspischen Meere. Die Schneelinie, welche im Kaukasus noch unter 3100 meliegt, steigt merkwürdigerweise in A. bis nahe an 4100 m, daher nur die Gipfel des Großen Ararat und des Aragads setzt Alages, 4040 m —0 mit ewigem Schnee bedeckt sind; nur die südlicher gelegenen Gebirge von Kurdistan und Bingöl haben die Schneelinie schon bei 3300 m. In den wärmern Gegenden des Landes zeigt sich der Frühling schon im März, aber im allgemeinen brechen im April erst die Knospen hervor, und gegen Ende dieses Monats wird gesäet. Im Mai blühen die Fruchtbäume und treiben Blätter, und dann ziehen die Hirten auf die Berge, wo sie vier Monate lang ihre Herden weiden. Aber in Erzerum kommt es vor, daß noch im Juni empfindliche Kälte herrscht und in der Nacht das Wasser gefriert, während in andern Teilen desselben Paschaliks die Kirschen reifen und das Getreide zur Ernte bereit steht. Nach einem langen Winter folgt in A. ein kurzer Frühling, worauf ohne Übergang die Sommerhitze eintritt, sodaß in drei Monaten der schwarze, fruchtbare Boden Sprossen, Blätter, Blüten treibt und die Früchte zur Reife bringt. In der Araxesebene ist die Ernte früher als in Erzerum, und die Traube reift um Eriwan früher als in dem gemäßigten Pontus; denn die Hitze steigt in Eriwan bis 38 C., sodaß dort der Unterschied zwischen der größten Kälte und Hitze über 60“ C. beträgt. Auf die heißesten Tage folgt der Herbst, der nicht viel länger anhält als der Frühling, danach der lange Winter mit vielem Schnee. Im Winter weht der Nordwind, in dem regnerischen Frühling der Westwind, in dem trockenen Sommer der Süd⸗ und Ostwind. Da sonach die Fluren leicht vertrocknen, hat man mit vieler Mühe und Kunst schon im grauesten Altertum zur Bewässerung des Landes Kanäle angelegt. Das Klima ist im allgemeinen gesund, mit Ausnahme der Gegend von Eriwan, und in vielen Gegenden erreichen die Bewohner ein hohes Alter; nur Fieber und katarrhalische Affektionen sind die gewöhnlichen Leiden. An nutzbaren Mineralien besitzt A. weißen und rauen Marmor, Bolus, welcher wegen seiner einheit früher besonders geschätzt war, Alaun und Salpeter. Von Metallen hat es Eisen und Kupfer in großer Menge, Arsenik, Magneteisenstein, Quecksilber in verschiedenen Gegenden, ferner Blei, Silber und hier und da in dem südwestl. Teile des Landes, in dem Sophene der Alten, Spuren von Gold. Während die lang anhaltende Winterkälte die eigentlichen Südfrüchte nicht gedeihen läßt, wachsen doch die europ. Getreide⸗ und 55he wie u im Überfluß, und zwar noch auf einer öhe wie nicht mehr in Europa. Der Weinstock, der in Europa nicht über 785 m hoch gedeiht, gibt reife Frucht in der Araratebene bis 1340 m, am Ararat selbst bis 1260 und um Wan bis 1600 m. Waldungen finden sich in A. nur wenige, auch sind die Bäume weder stark noch hoch. Am häufigsten sind, außer der gewöhnlichen Pappel, die Zitterpappel, die Platane (vorzugsweise in den östlicher gelegenen Gegenden), der Keuschbaum (Vitex), die Weide und die wilde Rose; seltener der Haselnußstrauch, der Walnußbaum, die Ulme, Ceder, der Wachholder. An niedrigen Orten, besonders in den südlichern Landschaften, 1 90 man auch die Myrte und den Buchsbaum, den Lorbeer und die Fichte. Die ansehnlichsten unter den wenigen Forsten besitzen teils die südöstlich vom Schwarzen Meere gelegenen Provinzen, teils die Landstriche zwischen Kur und Araxes in der russ. Provinz Karabagh oder Schuscha. Die I m e Flora, die bis 4100 m aufsteigt, ist in A. mannigfaltiger als im Kaukasus. Die Blumen der armen. Berge übertreffen an Farbenglanz die der meisten andern Länder. Dahin 4Mari prächtige Rosen, Tulpen, hochstengelige Marienblumen, bläuliche Lilien, rotglänzende, samtähnliche Dracänen u. s. w. Von Baumfrüchten gedeihen die Aprikose, die aus A. nach ½ gekommen, die Pflaume, die Kirsche, Apfel, Birnen, Pfirsiche, Granaten, Maulbeeren. In den wärmern Teilen des Landes baut man auch den Olbaum, den Johannisbrotbaum und den Feigenbaum und erntet Baumwolle, Sesam, Tabak und Flachs. Reis baut man in den östl. Gegenden. n andern nützlichen Pflanzen und heilsamen Kräutern ist kein Mangel. Auf allen Höhen sieht man fruchtbare und fe Wiesen, die Weideplätze der Kurden und Turkmanen. Auch die Tierwelt ist in A. Jagd vertreten. Seit den ältesten Zeiten sind ie Jagdgründe des Landes berühmt, die mehrere Arten Hirsche, Eber, Gazellen und Buffel bergen. Außer Hornvieh werden besonders Schafe gezüchtet. Berühmt sind auch die schnellfüßigen Pferde aus Karabagh und Kurdistan, die früher von den Fürsten des Landes als Tribut an den pers. Hof gesandt wurden. Von reißenden Tieren finden sich in den Wäldern und Einöden der Tiger, Leopard, Hyäne, Luchs, Bär, Wolf, Fuchs, wilde Hunde und Esel u. s. w.; der Löwe ist kaum mehr anzutreffen. Die Fauna der Vögel und Fische be-Arter noch viele unbekannte und unbeschriebene rten. Die Bienen Ne besonders in den Gegenden am Schwarzen Meere reichlichen Honig. Geschichte. Die Armenier bilden ein Glied der iran. Gruppe des indogerman. Völkerstammes. Die Urgeschichte des Landes ist fast ganz unbekannt. Der Name Ararat, der der älteste Name des nördl. Teils gewesen zu sein scheint, ist mit der mosaischen Sündflutsage verknüpft und findet sich als allgemeine Bezeichnung wieder in den Keilschriften und den Alarodiern Herodots. Die alten Perser bezeichneten eben dieses Land durch Armina. Die von den heutigen Armeniern verfochtene Geschichte ist nur sagenhaft; sie bringen ihre Urgeschichte mit den Überlieferungen des Alten Testaments in Verbindung, was also den spätern christl. Ursprung beweist. Nach der Sage der Armenier war ihr Land, gewissermaßen das Centrum der Alten Welt, von dem vier große Ströme (Euphrat, Tigris, Kur und Araxes) ihren Ursprung nehmen, das Paradies und wurde zufolge der biblischen und assyr. Sage nach der Sündflut zum zweitenmal die Wiege des Menschengeschlechts. Als Stammvater gilt ihnen Haik (= Herr?), der Sohn des 1 Mos. 10, erwähnten, aber völlig unbestimmbaren Togarma (Thorgom), nach dem sie sich selbst Haikh und ihr Land Haiastan nennen. Einer der Nachkommen Haiks war Aram, der sein Reich durch Eroberungen vergrößert und dadurch die Veranlassung zur Unterscheidung von Groß- und Kleinarmenien gegeben haben soll, die aber ohne Zweifel weit später zu setzen ist. Er war nach den armenischen, von den Griechen beeinflußten Sagen ein Zeitgenosse des Ninus, der ihn nicht zu bekriegen wagte und ihm den ersten Rang nach sich einräumte. Von ihm oder Haiks Sohn